Die Kippa bleibt

Kooperation Vereine Kraftwerk und Schalom bringen Veranstaltungsreihe heraus

Wenn Uwe Dziuballa durch Chemnitz geht, muss er Blicke aushalten. Er muss es sogar ertragen, angespuckt und beschimpft zu werden. Ohne, dass er etwas getan hat - nur, weil er eine Kippa trägt und sich damit zu seinem jüdischen Glauben bekennt. "Sowas muss man in Chemnitz verdrängen", sagt der Inhaber des Restaurants Schalom. Meist schafft er es auch, die Anfeindungen zu verdrängen. In manchen Situationen setzt er allerdings einen Hut über die Kippa. Aber: Die Kippa bleibt.

"Unser Statement für Chemnitz"

Unter diesem Motto haben die Vereine Kraftwerk und Schalom als Kooperationspartner jetzt eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Seit Jahren setzen sie sich mit verschiedenen Projekten für Toleranz, Akzeptanz und Offenheit für das Anderssein, gegen Extremismus in jeder Form ein. Nach den Vorkommnissen in Berlin vor einem Jahr - ein Kippa tragender Israeli wurde dort von einem 19-Jährigen angegriffen - ist die Projektidee "Die Kippa bleibt" entwickelt worden. "Sie ist unser Statement für Chemnitz. Keine Kampfansage, aber eine Message", sagt Ute Kiehn-Dziuballa, Projektleiterin des Vereins Kraftwerk. Den Anfang der Veranstaltungsreihe, die ein niederschwelliges Angebot, kostenfrei und für jede Altersgruppe sein soll, macht am 29. April um 18 Uhr die Band "Rhozinkes" bei einem Konzert im Saal des Kraftwerkes. Sie spielt Klezmer und berichtet Wissenswertes über Juden auf der ganzen Welt. Bis Ende Oktober sind weitere Konzerte, szenische Lesungen, eine Ausstellung und Gespräche geplant. Am 16. September hat sich Kabarettist Uwe Steimle für die Reihe "Die Kippa bleibt" angekündigt.

Eine Konterrevolution gegen den europäischen Trend

In Chemnitz leben aktuell etwa 1000 Juden. Vor zehn Jahren waren es noch 1300. Wie Uwe Dziuballa berichtet, ziehen sich Juden in Europa sukzessive zurück. "Mit unserer neuen Reihe wollen wir eine kleine Konterrevolution in Chemnitz gegen den europäischen Trend starten", sagt er.