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Die Kunst des Miteinanders

Jeder dritte deutsche Angestellte ist mit seinem Chef unzufrieden und denkt über eine Kündigung nach

Ist Führen echt so schwierig, dass bei Umfragen unter Mitarbeitern über die Zufriedenheit mit Vorgesetzten oft so negative Ergebnisse erzielt werden? Und das, obwohl sich fast jeder Chef einen guten Führungsstil bescheinigen würde. Der Mensch ist nun mal ein auf hierarchische Sozialbeziehungen ausgerichtetes Wesen, dessen Eigenart es ist, nach oben schön zu tun. Das hat zur Folge, dass die Oberen ein falsch positives Bild ihrer Akzeptanz entwickeln, weil sie mehr auf ihre Zustimmer hören als auf ihre Kritiker. Was ist zu tun, um als Chef geachtet zu werden und mit zufriedenen Mitarbeitern eine gute Bilanz zu erzielen?

Im Grunde ist es ganz einfach. Kriterien wie Verständnis, Einfühlungsvermögen und Rückendeckung sind wichtig für das Wohlbefinden. Das sind die Eigenschaften, die Führungskräfte mitbringen sollten. Doch gerade da hapert es laut einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom vergangenen Jahr. Demzufolge geht nur etwa jeder zweite Angestellte in Deutschland gern zur Arbeit. Jeder dritte Arbeitnehmer hat in letzter Zeit sogar über eine Kündigung nachgedacht, weil er mit seinem Vorgesetzten unzufrieden ist. Die Ursachen dafür sind: 45 Prozent der Befragten finden, dass ihr Chef sich um zu viele Dinge gleichzeitig kümmert und 32 Prozent sind der Meinung, dass ihr Chef zu gestresst ist, 28 Prozent vermissen lobende Worte und 27 Prozent glauben, dass wichtige Informationen zurückgehalten werden. Für den Erfolg des Unternehmens ist es aber entscheidend, dass Mitarbeiter von ihrem Chef eine gute Leitung erhalten, ausreichend Freiraum und ein freundliches Umfeld haben.

80 Prozent leiden unter Stress

Immerhin arbeiten hierzulande knapp vier Millionen Führungskräfte. Besonders unter den aktuellen Corona-Bedingungen werden die Anforderungen an sie immer größer. Darüber hinaus fordern die Umbrüche in fast allen Branchen, die Herausforderungen der Digitalisierung und ein in speziellen Bereichen leergefegter Arbeitsmarkt ihren Tribut. Andererseits belegen verschiedene Umfragen unter anderem der Techniker Krankenkasse und des Fürstenberg Instituts in Berlin, dass eine zunehmende Verdichtung des Workflows sowie eine schlechte Führungskultur die Hauptursachen für psychische Belastungen und Erkrankungen in Unternehmen sind. Das Wohlbefinden der Mitarbeiter hängt also in starkem Maß vom Führungsstil des Chefs ab.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie des Marktforschungsinstituts YouGov. Danach gaben vier von fünf Angestellten an, unter einem stressigen Arbeitsalltag zu leiden. Infolgedessen kommt es bei ihnen häufig zu Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen. Und die knappe Hälfte (42 Prozent) der Befragten beklagt das Desinteresse der Führungsebene, wenn es um die Verantwortung für das mentale Befinden der Arbeitnehmer geht. Das liegt oft daran, dass den Vorgesetzten dafür schlichtweg die Zeit fehlt oder sie sie sich nicht nehmen. Nur 20 Prozent der Chefs würden ihre Führungsarbeit so planen, dass sie sich auch um die persönlichen Belange ihrer Mitarbeiter kümmern können, haben Experten herausgefunden. Ihr Resümee: Die Führungskräfte allein können diesen Zustand meist nicht verändern, sondern sie benötigen die Unterstützung der Unternehmen. Diese müssen ihnen mehr Raum geben und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Chefs einen offenen Führungsstil umsetzen können.

Motivation lässt nach

Die Situation ist nicht neu. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich zunehmend verschlechtert. Das hat zur Folge, dass die Motivation der Mitarbeiter immer mehr nachlässt. Dadurch geht den Unternehmen Produktivität verloren, was letztendlich den Wohlstand der Wirtschaft und schließlich auch der Gesellschaft gefährdet. Gerade in Zeiten großer Transformationen, wie wir sie derzeit erleben, sind die Unternehmen auf motivierte Arbeitnehmer angewiesen. Wenig Triebkraft führt zu einem Rückgang der Arbeitsproduktivität. Experten beobachten diesen Aspekt schon seit einem Jahrzehnt. Die YouGov-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass nur noch in etwa 20 Prozent der Unternehmen die Welt in Ordnung ist.

Arbeitsstress - Bildquelle: Steve DiMatteo / pixabay

Dort trifft das Führungsverhalten der Chefs auf Anklang bei den Mitarbeitern. Die Firmen investieren in die Weiterbildung und geben den Vorgesetzten Tools in die Hand, die ihnen die Arbeit erleichtern. Besonders gut schnitten in der Studie die Softwareindustrie und der Tech-Bereich ab. Dagegen dominiert im Maschinenbau und in der Metallindustrie noch ein traditioneller Führungsstil. Auch ist der Mittelstand altmodischer geprägt als Großunternehmen. Es gibt also noch einiges zu tun.

Cornelia Fiedler



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