"Die Menschen müssen sich beschützt fühlen"

Integration Viele Stationen für Ministerin Petra Köpping bei Chemnitz-Besuch

"Was ist Ihnen wichtiger: Ihre Kinder zu beschützen oder Ausländer zu integrieren?" Für eine Integrationsministerin und Mutter von drei Kindern ist diese Frage natürlich unmöglich zu beantworten, zumal hierbei Privat- und Arbeitsleben miteinander vermischt werden. Dennoch brachte es Shayan Bahmanyar am Mittwoch auf den Punkt: "Die Menschen müssen sich beschützt fühlen, damit sie sich nicht radikalisieren oder Parteien mit extremen Ansichten wählen. Ich spreche dabei als Deutscher und Ausländer gleichermaßen", sagte der 28-Jährige, der im Alter von sechs Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam und in Reichenbach sein Abitur machte.

Vorurteile abbauen für ein besseres Miteinander

Heute arbeitet er in Chemnitz im persischen Restaurant "Safran", dessen Betreiber Masoud Hashemi vergangenen Oktober Opfer eines mutmaßlich rassistischen Überfalls wurde. Der Gastronom wurde schwer verletzt, die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden. Diese Woche erkundigte sich Integrationsministerin Petra Köpping vor Ort, wie es dem Gastwirt heute geht. Hashemi: "Ich war beeindruckt von der Unterstützung am Krankenbett, Ausländer wie Deutsche haben sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigt und Mut gemacht." Er wolle trotz der Erlebnisse nach wie vor dabei helfen, Vorurteile abzubauen - nicht nur, was die angeblich "scharfe" persische Küche angeht.

"90 Prozent sind nette Menschen."

"Wir sind freundliche Menschen, das ist unsere Mentalität. Und wir schämen uns für unsere Landsleute, die in diesem Land Mist bauen." Ganz im Sinne der Ministerin warb der Gastwirt dafür, auch die Chemnitzer nicht zu pauschalisieren. "90 Prozent sind nette Menschen. Auf diese sollten wir uns konzentrieren, nicht auf den kleinen Teil, der die Medien für Hetze nutzt" fasste Shayan Bahmanyar zusammen.

Trotz politischer Programme - Akzeptanz muss von Bürgern kommen

Vor ihrem Restaurantbesuch kam Petra Köpping auf dem Neumarkt mit Bürgern ins Gespräch und besuchte den Integrationspreisträger Sebastian Schulz. Der Tischler setzt sich dafür ein, Menschen mit Migrationshintergrund in seinen Betrieb zu integrieren. Köppings Fazit: "Wir in der Landespolitik starten viele Programme zur Integration, nur die Akzeptanz können wir nicht mit einem Programm unterlegen. Die Menschen müssen aufeinander zugehen und das Gespräch suchen. Warum nicht in einem persischen Restaurant?"