Die Ministerin prüft: eine Datenbrille für Gehörlose

Wirtschaft Technik hilft bei der Integration in der Logistik-Branche

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Die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch, überzeugt sich von dem Projekt in Hartmannsdorf. Foto: Andrea Funke

Hartmannsdorf. Rund 25.000 verschiedene Artikel werden im Logistikcenter der Schmaus GmbH, einem Bürofachhändler in Hartmannsdorf, gelagert und täglich an Kunden in ganz Deutschland versendet.

Auf den ersten Blick fällt nicht auf, dass neun der 21 Logistikmitarbeiter ein gesundheitliches Handicap haben, sechs von ihnen sind gehörgeschädigt oder gehörlos. Einer der gehörlosen Mitarbeiter im Bereich Kommissionierung ist Marc Pulz. Der gelernte Fliesenleger fand in seinem Beruf keine Arbeit, die Kommunikation mit einem Gehörlosen erschien vielen Bauleitern zu kompliziert.

Eine Frage des Willens und der Offenheit

Mittlerweile gehört er zum festen Mitarbeiterstamm der Schmaus GmbH und setzt sein handwerkliches Geschick beim Ausbau der Kommissionieranlage ein - in Zusammenarbeit mit einem hörenden Kollegen aus dem IT-Bereich. "An diesem Beispiel sieht man, dass die Zusammenarbeit zwischen hörenden und gehörlosen Kollegen mit etwas gutem Willen Hand in Hand funktioniert", bestätigt der Bereichsleiter Logistik, Erik Güldenpfennig.

"Die meisten Anliegen lassen sich schon mit Gesten oder kurzen Notizen auf Papier klären. Für umfangreichere Arbeitsbesprechungen wie Schulungen oder Belehrungen fordern wir einen Gebärdendolmetscher an."

Die Datenbrille

Mit dem aktuellen Forschungsprojekt "Work-by-Inclusion" geht die Schmaus GmbH einen weiteren Schritt in Richtung vollständige Inklusion von gehörgeschädigten Arbeitnehmern in die Logistikprozesse.

In dem dreijährigen Forschungsprojekt entsteht in Zusammenarbeit mit der TU München und einem Software-Entwickler aus Fürstenfeldbruck ein System zur Kommissionierung mittels Datenbrille, das zunächst im Logistikcenter des Hartmannsdorfer Unternehmens praktisch erprobt wird.

Dabei werden alle notwendigen Informationen für das Zusammenstellen der Artikel über eine Datenbrille vor dem Auge des Nutzers eingeblendet. Auch Rufmeldungen oder Notfallwarnungen können angezeigt werden.

Technik schafft Gleichwertigkeit

Geschäftsführer Adalbert Schmaus sieht ein breites Einsatzgebiet: "Viele Unternehmen scheuen sich vor der Beschäftigung von schwerbehinderten Arbeitnehmern und zahlen stattdessen die Ausgleichsabgabe, von der ein Teil in den Ausgleichsfonds zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben fließt. Gleichzeitig wird ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften beklagt. 'Work-by-Inclusion' wird dazu beitragen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, indem gehörlose gleichwertig zu hörenden Arbeitnehmern eingesetzt werden können."

Gefördert wird das Forschungsprojekt aus Mitteln des Ausgleichsfonds. Auch die IHK Chemnitz ist Mitglied im Projektbeirat von "Work-by-Inclusion" und bietet Unternehmen zudem seit 2013 eine Inklusionsberatung an.