Die Revolution für den Einzelhandel?

Forschung TU Chemnitz entwickelt neue 3D-Kamera

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Markus Heß und Dr. Michel Findeisen (v.l.) von der Professur für Digital- und Schaltungstechnik diskutieren die Messergebnisse der neuen 3D-Sensor-Technik. Foto: TU Chemnitz/ Lars Meinel

Ob zur Mensch-Technik-Interaktion, zur Steuerung von Maschinen und Robotern oder im Bereich der Fahrerassistenz und des autonomen Fahrens - die Methoden des maschinellen Sehens haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.

Neue 3D-Kamera entwickelt

Neben aktuellen Themen der Datenauswertung spielen auch neue Kamera-Technologien in dieser Wachstumsbranche eine enorme Rolle. Forscher der Professur Digital- und Schaltungstechnik der Technischen Universität Chemnitz entwickelten eine neue 3D-Kamera mit einem extrem weiten Sichtbereich, welcher mit konventioneller 3D-Technik bisher nicht erreichbar war.

"Unsere neue Sensorik kann zum Beispiel zur Hinderniserkennung und Kollisionsvermeidung in Robotern und Drohnen eingesetzt werden oder - an der Decke installiert - Personen in Innenräumen erkennen und deren Verhalten analysieren", berichtet Lars Meinel, einer der Entwickler.

Wie funktioniert das ganze?

Die Technik basiere auf dem sogenannten Stereo-Vision-Verfahren, welches mehrere bildgebende Sensoren nutzt, um zusätzlich zur Bild- auch eine Tiefeninformation zu berechnen. "Der Vorteil dieser Stereo-Technik ist, dass sie sehr vielseitig einsetzbar ist. Sie funktioniert in Innenräumen genauso gut wie im Freien", erklärt der Wissenschaftler.

Die Umsetzung einer praxisnahen Anwendung sei von Anfang an das Ziel der Entwickler gewesen. Deshalb startet in Kürze das Gründungsprojekt "Hemistereo". Wichtigste Zielbranche ist aktuell der stationäre Einzelhandel. Dieser kämpft seit Jahren gegen die Überlegenheit der Online-Konkurrenz, die im Vergleich viel mehr über ihre Kunden weiß.

Kamera könnte in vielen Bereichen hilfreich sein

Um mithalten zu können, kann die 3D-Kamera aus Chemnitz in Verbindung mit Algorithmen des maschinellen Sehens künftig ein wichtiges Hilfsmittel sein. Dazu Meinel: "Mithilfe der 3D-Kamerasysteme kann das Kundenverhalten analysiert werden. So werden beispielsweise Laufwege ermittelt und festgestellt, welche Waren angesehen und eingepackt wurden. Die Auswertung erfolgt natürlich anonymisiert." Aufgrund des großen Sichtbereiches der Sensorik seien nur wenige Systeme pro Geschäft nötig.