Die Verflüssigung der Fotografie

Kunst Oskar Schmidt setzt Aufnahme eine Aufarbeitung entgegen

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Oskar Schmidt, Water (No 1.): Ein senkrechter Wasserstrahl wird zur wiederholbaren Sinuskurve. Foto: Michael Chlebusch

Das Chemnitzer Museum Gunzenhauser eröffnete am Freitag seine neunte Ausstellung "Junge zeitgenössische Kunst aus Sachsen" - und damit nicht nur die erste im Jahr 2017, sondern auch die erste, die sich mit Fotografie auseinandersetzt. Wobei die Auseinandersetzung hier einen zentralen Aspekt bildet. Denn Künstler Oskar Schmidt belässt seine Motive nicht im Bereich der Abbildung oder gar Dokumentation, sondern betreibt eine penible Inszenierung und Rekonstruktion.

Dazu wählte er für die ausgestellte Reihe "Equal" (dt. "gleich") eine Darstellungsform, die an sterile Werbe- oder Modefotografie erinnert. Anschließend bearbeitete er die Studiobilder am Computer bis zur scheinbaren Perfektion, retuschierte, verzerrte, kombinierte mehrere Aufnahmen. Nur wer die so entstandenen Porträts lang genug betrachtet, vermag fehlende Hautstrukturen zu finden und bald auch perspektivische Ungereimtheiten festzustellen, die - einmal entdeckt - das Bild fortan nicht mehr "richtig" erscheinen lassen. Entsprechend zieht sich auch das Wassermotiv durch die Ausstellung, ein Sinnbild für die Verflüssigung der Fotografie mittels digitaler Möglichkeiten.

So bilden die Arbeiten des studierten Malers und Fotografen Schmidt eine Chimäre, die auch als Lektion in Sachen Medienkompetenz dienen kann. Noch bis zum 23. April ist "Equal" im Gunzenhauser zu sehen. Ein Künstlergespräch findet am 23. Februar um 18 Uhr statt.