Dieses Tor wird sich nie mehr schließen

Gedenken Das Kaßberg-Gefängnis erinnert an das Unrecht zweier Diktaturen

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Zeitzeuge Chris Bürger sprach zur Eröffnung der Außenanlage des Lern- und Gedenkortes am Kaßberg-Gefängnis. Foto: Michael Chlebusch

Als das Kaßberg-Gefängnis im Jahr 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt errichtet wurde, sollte es mit den unmenschlichen Haftbedingungen der Zeit brechen. Die Geschichte sollte den Vorsatz Lügen strafen.

Die Geschichte hinter dem Gefängnis

Unter der NS-Herrschaft wurde es zum Ort der Verfolgung Andersdenkender, unter der sowjetischen Besatzung sowie der SED-Diktatur zum Umschlagplatz politischer Gegner, auf die entweder die weitere Inhaftierung oder der Freikauf durch die BRD wartete. An diese Menschen will der Verein "Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis" erinnern und setzt sich seit Jahren für einen Umbau des Gefängnisses zum Gedenkort ein. Bereits 2010 wurde das Projekt von der "Vereinigung der Opfer des Stalinismus" im Stiftungsrat der Gedenkstättenstiftung des Freistaates angeregt.

Nun ist der erste Schritt zur Verwirklichung getan und so erfuhr am Montag die Außenanlage am ehemaligen Gefängnistor ihre feierliche Einweihung.

Das neue Denkmal

Das Tor selbst ist nun verschwunden und einem Aufbau aus Gedenktafeln gewichen, der gleichsam als ewig offenes Tor mit einer schmalen Öffnung dasteht. Die hinterleuchteten Informationsträger aus Glas sowie das Umfeld mit Gedenksteinen und -mauer wurden vom Architekten Martin Bennis gestaltet, der über vielfältige Referenzen im Bereich der Erinnerungsarbeit an Außenanlagen verfügt.

Er sprach zur Einweihung ebenso wie Zeitzeuge Chris Bürger, die Landtagsabgeordneten und langjährigen Projektförderer Hanka Kliese und Volkmar Zschocke sowie Staatssekretär Uwe Gaul. Zahlreiche Gäste legten im Anschluss Blumen für die einst zu Unrecht Inhaftierten nieder.

Es soll ein Beginn des Gedenkens sein, denn der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. strebt an, auch das Innere des Gefängnisses zu erschließen und zum Gedenkort umzugestalten. Die ein oder andere politische und finanzielle Mauer muss dazu allerdings noch eingerissen werden.