Doppelpunkt

Wort zum Sonntag von Stephan Brenner

Da ist er wieder, dieser Sonntag im November, der Totensonntag. Viele Menschen gedenken ihrer verstorbenen Angehörigen. Friedhöfe werden besucht und Gräber vor dem kommenden Winter mit Deckreisig abgedeckt. Am Totensonntag steht uns das Ende menschlichen Lebens auf der Erde besonders eindrücklich vor Augen. Die Grabstätten sprechen eine deutliche Sprache. Schluss, Aus, Punkt. Bei Christen hat der Totensonntag aber noch einen anderen Namen: Ewigkeitssonntag. Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass es trotz der Gräber eine Perspektive gibt, die darüber hinausreicht. Denn Gott, der uns das Leben überhaupt erst einmal geben hat, hat bestimmt auch Lebensmöglichkeiten für uns, wo wir den Eindruck haben, dass nur noch der Tod existiert. Somit steht bei den Gräbern nicht nur ein abschließender Schlusspunkt, sondern auch ein weiterweisender Doppelpunkt: Leben kann weiterhin erlebt werden, in Ewigkeit. Irdisch ist das zwar unbegreiflich und nicht recht vorstellbar. Himmlisch ist's aber nicht unmöglich. Gott sei Dank! So wünsche ich allen Totensonntags-Friedhofsbesuchern, dass sie neben aller Trauer auch an göttliche Weite denken und dass sie dann als Ewigkeitssonntags-Friedhofsbesucher getröstet von diesem Ort in ihren Alltag zurückkehren.

Stephan Brenner, Pfarrer