Drei Blicke auf Pop-Art

Ausstellung Museum Gunzenhauser zeigt teils unbekannte POPuläre

Mit seiner jüngsten Ausstellung "POP" widmet sich das Museum Gunzenhauser einer jungen altgewordenen - oder junggebliebenen alten? - , nun ja, der Pop-Art. Es ist kaum zu glauben, dass um die öffentlichkeitsfokussierte Stilrichtung noch Motive und Künstler existieren, die noch wenig bekannt oder gar ungedruckt auf Tassen oder Beutel sind und doch gelingt es den Kunstsammlungen unter Kuration von Gunzenhauser-Chefin Anja Richter, bislang selten und sogar Ungesehenes aus den Jahren 1961 bis 1986 zu präsentieren. So feiern die Arbeiten auf Papier aus der Feder des 1937 geborenen Briten David Hockney in Chemnitz Ausstellungspremiere. Sie widmen sich Alltäglichem, etwa der Studie eines Swimming Pools und der Darstellbarkeit von Wasser, aber auch intimen Themen in Akten von Hockneys Lebensgefährte oder der Porträtserie eines befreundeten homosexuellen Paares über viele Jahre. Beinahe distanziert wirken da jene gezeigten Werke der Ikone Andy Warhol, bei dem sogar im Selbstporträt "Der Schatten" ein ebensolcher das Bild bestimmt und so den Mythos um Warhol und seine Kunst thematisiert, der die Person überlagert. Ähnliches kann in Warhols blicksaugenden Lenin-Porträts beobachtet werden. Doch macht die Ausstellung nicht den Fehler, auch die Pop-Art gleichsam als bloße Marke zu präsentieren. Denn wo die Gemeinsamkeiten der Werke (es gibt hier und da Wasser) unbedeutend sind, bildet sich im Rundgang eine interessante Bandbreite ab, die die Tiefe der formell klaren, trivialisierten Pop-Art im unterschiedlichen Wesen ihrer Schöpfer enthüllt. Gleichsam kann auch beim dritten im Bunde, dem deutschen Uwe Lausen, hinter der Motivik von Pool und Pop eine hintergründige Schwere mehr gefühlt als gelesen werden. Selbige manifestierte sich für Lausen ultimativ im Suizid, der das frühzeitig beendete Schaffen auf rund 120 Werke begrenzte. Etwa ein Zehntel sammelte Alfred Gunzenhauser, aus dessen Sammlung alle gezeigten Bilder stammen. Zu sehen sind sie noch bis 13. September. mch/vtz