Ein Märchen von DDR und Wende

Premiere "Aufstand der Dinge" im Chemnitzer Figurentheater

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Trabant Foto: Tama66/ Pixabay

Vor vielen, vielen Jahren gab es ein Land, in dem das Volk der König war... So beginnt der Märchenerzähler das Stück "Aufstand der Dinge", das kürzlich als Eröffnungsveranstaltung des Festivals "Aufstand der Geschichten", das noch bis Samstag läuft, im Figurentheater gezeigt wurde. Der Zuschauer begibt sich dabei auf eine kleine Zeitreise in die DDR und bekommt in einer Stunde Aufführung von allem ein bisschen - Geschichtsunterricht, Ostalgie, Komödie und Tragödie, das Gefühl von Solidarität, Hoffnung und Vergänglichkeit.

Gegenstände werden zu Hauptdarstellern

In "Aufstand der Dinge" geht es um ein Märchen vom Osten, für das die richtigen Darsteller gesucht werden. Es geht um die Geschichte von denen, die aus einem Land kommen, das es nicht mehr gibt. Als Darsteller werden aber nicht Menschen ausgewählt, sondern Gegenstände aus dem DDR-Alltag. Eine Schleuder zeigt da beispielsweise, dass sie nicht nur die Wäsche trocknen, sondern auch tanzen kann, der Multifunktionshocker KH 72, der einst in Glösa produziert wurde, stellt sich als äußerst praktischer Allrounder fürs Zuhause und das Büro dar und die Fit-Spülmittelflasche brüstet sich damit, dass sie auch nach der Wende noch eine gute Figur macht.

Dann darf das Publikum aktiv werden - als Jury und mit Friedenstaube-Fähnchen. In der Regie von Mirko Winkel und der Dramaturgie von René Schmidt erwecken die Schauspielerinnen Claudia Acker und Mona Krueger die Gegenstände auf der Bühne zum Leben. Das Stück ist als Generationenprojekt zur Nachwendezeit inszeniert worden. Geredet wird über Gefühle, aber auch über Fakten. Zum Beispiel, dass von dem 2300 Mitarbeiter starken VEB Numerik in Glösa, aus dem der Multifunktionshocker stammt, nach der Wende nur noch 23 übrig blieben.