Ein Mahnmal gegen das Vergessen

Projekt 16 neue Stolpersteine erinnern seit gestern an die Verbrechen des Nazis-Regimes

Wer beim Spazierengehen aufmerksam auf den Boden unter seinen Füßen achtet, dem fallen die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten auf. Insgesamt 64 dieser sogenannten "Stolpersteine" gibt es in Chemnitz mittlerweile, die allesamt an einstige Bewohner der Stadt erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordert, deportiert oder in den Selbstmord getrieben wurden. 16 davon verlegte der Bildhauer Gunter Demnig gestern. Der Berliner hat das Projekt 1996 ins Leben gerufen und seitdem um die 38.000 Stolpersteine in zwölf europäischen Ländern verlegt. Auch in Chemnitz war er zu diesem Zweck mittlerweile sechs Mal, die in den Boden eingelassenen Betonwürfel befinden sich dabei stets auf dem Bürgersteig vor den einstigen Wohnhäusern der Geehrten. Von den gestern verlegten, neuen Stolpersteinen findet sich einer beispielsweise an der Hoffmannstraße 52. Dort lebte einst Karl Goeritz, der 1937 aus der Stadt mit seiner Familie zunächst nach Holland fliehen musste und zwei Jahre später bei der Überfahrt nach Chile ertrank. Verhaftet und anschließend nach Auschwitz deportiert nur, weil er in ein nicht für Juden zugelassenes Straßenbahnabteil eingestiegen war, wurde 1944 hingegen Hugo Sussmann. Auch an ihn erinnert seit gestern ein Stein in der Kopernikusstraße. Vorgeschlagen werden die betreffenden Bürger in Chemnitz vom Verein der Verfolgten des Naziregimes. "Ich schaue mir die Biografien der Menschen natürlich ebenfalls an, damit nichts schief läuft", so Demnig, dessen Projekt nicht unumstritten ist. "Manche behaupten, man würde auf den Opfern herumtrampeln, wie es die Nationalsozialisten einst taten. Aber das ist völliger Blödsinn. Die Nazis haben nicht getreten, sondern gemordet", sagt der 65-Jährige. Die Kritik sei in den vergangenen Jahren aber leiser geworden.