Ein Problem für Lorenzo

Motorrad-WM Ende und Neubeginn am Wochenende in Valencia

Im Sommer vor zwei Jahren hat es den Stoff gegeben, aus dem ein Märchen entstanden wäre. Valentino Rossi, der Junge aus der Region um Bologna zeigte nicht nur mit einem Finger auf die "rote Schönheit" in Form einer Ducati aus seiner Heimat, sondern nahm sie forsch und zielgerichtet in die Hand. Schnell sog die italienische Presse den Stoff aus der Märchenwelt und bot der Welt eine handfeste Lebensgeschichte an. "Der weltbeste Fahrer mit dem weltbesten Motorrad auf dem Weg in eine rote Zukunft" - so scholl es durch den Medienwald dieser Zeit.

Die Ernüchterung kam schnell: Rossi konnte mit den Besten nicht mithalten. Stoner, Lorenzo, Pedrosa fuhren ihm davon. Die Hoffnung, dort mitzufahren, verschwand von Rennen zu Rennen und mit ihr auch die Geduld bei "Vale". Daher stufte er das erste Jahr noch als Lernjahr ein, sein zweites raubte ihm dann endgültig die Zuversicht.

So endete am letzten Wochenende im spanischen Valencia die Traumehe zwischen den beiden Italienern. Rossi entschied sich für die sportliche Zukunft als neunfacher Weltmeister und gegen die romantische Beziehung in Oberitalien. "Ernüchterung sowie Enttäuschung" nannte er sein Gastspiel, bezeichnete diese Vertragsunterzeichnung als "falsche Wahl" und sieht aber auch, dass nur der zweifache Weltmeister Casey Stoner erfolgreich sein konnte. Und Rossi, der Mann aus Urbino gibt auch zu: "Allen anderen Fahrern hat Ducati nicht die Karriere, aber den Verstand geraubt."

Bei Yamaha mit seinem damaligen Erzfeind und nun amtierenden Weltmeister Jorge Lorenzo bekommt der "Dottore" nochmals eine Chance und die will er wahrnehmen. Denn einen Tag nach dem Grand-Prix-Finale 2012 in Valencia war er einer den ersten, der am Montag die ersten Testrunden auf der neuen Grand-Prix-Yamaha drehte. Das Prozedere ging auch einen Tag später bei üblem Regen und zwölf Grad Celsius Temperatur über die Bühne. Die meisten Runden drehte der Ex-Ducati-Mann und freute sich über jede Zehntelsekunde, die er der Konkurrenz abnehmen konnte. Bestzeiten waren es jeweils nicht, aber an der Spitze tobte sich der sympathische Italiener aus. "Ich sehe mich in meinem neuen, alten Team als Nummer zwei. Am meisten hoffe ich aber, ein Problem für Lorenzo zu werden - denn die Nummer zwei hat nichts zu verlieren", sagte er und fuhr erneut elf Runden am Stück.