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Ein Problem wird zur Lösung

Flüchtlinge Leerstand hilft der Stadt beim prognostizierten Ansturm

Rund 700 Flüchtlinge sind bis Mitte August in Chemnitz angekommen, mehr als dreimal so viele sollen es bis Jahresende sein. "Den neuesten Prognosen zufolge erwartet die Stadt für dieses Jahr insgesamt 2.450 Flüchtlinge", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am Montag. "In kürzester Zeit so viele Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten in einer Stadt unterzubringen, ist für uns alle eine ganz neue Dimension." Bei der Frage nach der Unterbringung könnte der Stadt ein Problem nun zur Lösung verhelfen: der Leerstand. Denn in Chemnitz sollen nicht nur weitere Gemeinschaftsunterkünfte auf die Beine gestellt, sondern auch Wohnungen als dezentrale Möglichkeit der Unterbringung angemietet werden. Bisher beschränkte sich der dezentrale Wohnraum auf Einheiten des städtischen Wohnungsunternehmens GGG. Um dem prognostizierten Bedarf allerdings gerecht zu werden, müsste die Stadt bis Jahresende jede Woche rund 100 neue Wohnungen anmieten. "Deshalb wollen wir künftig weitere Wohnungsgenossenschaften und auch private Vermieter ins Boot holen." Ein entsprechender Aufruf ist am heutigen Mittwoch im Chemnitzer Amtsblatt zu lesen. Ein Quadratmeterpreis in Höhe von 4,10 Euro gilt dabei als Obergrenze.

Darüber hinaus sollen am 1. Januar 2016 zwei weitere Gemeinschaftsunterkünfte bezugsfertig sein. So entstehen an der Straßburger Straße und der Annaberger Straße Unterkünfte mit jeweils 150 Plätzen. Die Kosten für beide Einrichtungen belaufen sich auf 2,75 Millionen Euro pro Jahr. "Das ist die doppelte Summe als ursprünglich veranschlagt", informiert Heike Steege vom Sozialamt. "Je mehr Unterkünfte benötigt werden, desto teurer werden die Objekte. Nicht zuletzt, weil auch der Freistaat händeringend nach passenden Standorten sucht." Ein Nebeneffekt, der die Stadt teuer zu stehen kommt. Doch das dürfte nur der Tropfen auf dem heißen Stein sein. Barbara Ludwig hielt sich bei der Kostenfrage am Montag zwar bedeckt, sprach aber von sieben Millionen Euro, die bisher noch ungedeckt sind. Sie hoffe auf den vereinbarten finanziellen Ausgleich 2017 durch den Freistaat: "Die Erfahrung zeigt, dass die Chemnitzer beim Thema Flüchtlinge offen, tolerant und hilfsbereit sind. Wenn ich aber im kommenden Jahr erklären muss, dass wir aufgrund dieser Mehrausgaben in anderen sozialen Bereichen Gelder streichen müssen, wird die Akzeptanz vermutlich sinken."



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