Ein Rückblick auf das Jahr 2019 der Himmelblauen: Das ist passiert

FUSSBALL CFC-Geschäftsführer Uwe Hildebrand blickt auf ereignisreiches Jahr zurück

Momente, an die man sich gern erinnert: Tobias Müller fasst sich ein Herz und schießt aus 30 Metern in der 84. Minute im Sachsenpokalfinale aufs Tor. Der Ball wird unhaltbar abgefälscht und zappelt im Netz. Der überwiegende Teil der 11.638 Zuschauer im "Stadion - An der Gellertstraße" jubelt über den zweiten Müller-Treffer, die Entscheidung des Finales und damit verbunden den zehnten Triumph des Chemnitzer FC im Sachsenpokal. Ein Jubelnder war auch Uwe Hildebrand, der heutige Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH: "Das himmelblaue Fußballjahr bestand aus vielen schönen Momenten. Neben dem Pokalsieg gegen den FSV Zwickau und dem Aufstieg in die 3. Liga war das DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV, in dem unsere Mannschaft einen klasse Fight abgeliefert hat und eine Gänsehaut-Atmosphäre im Stadion herrschte, ein absolutes Highlight."

Neben dem Platz sorgte besonders die Mitgliederversammlung Anfang Dezember für positive Grundstimmung. Diese wünscht sich Hildebrand künftig wieder öfter.

Gesellschafter wird Geschäftsführer

Mitte September trat Uwe Hildebrand überraschend die Nachfolge von Thomas Sobotzik als Geschäftsführer der CFC Fußball GmbH an - mit der Einschränkung: ehrenamtlich, übergangsweise und maximal bis Jahresende. "Für mich ist das eine Herzensangelegenheit", begründete der Unternehmer aus dem erzgebirgischen Olbernhau die Entscheidung für sein Engagement. Und ganz unerfahren diesbezüglich ist er nicht, schließlich fungierte er früher bei seinem Heimatverein, dem SV Olbernhau, schon einmal als Geschäftsführer eines Vereins. Aktuell wird mit Hochdruck daran gearbeitet, einen neuen hauptamtlichen Geschäftsführer zu finden. Analog der Suche nach einem neuen Trainer möchten die Verantwortlichen der CFC Fußball GmbH auch hier bei der Verpflichtung ein "gutes Gefühl haben".

Glücksgriff Glöckner

Die erste herausfordernde Aufgabe von Uwe Hildebrand war die Bergner-Nachfolge. Mit Unterstützung von Michael Ballack konnte Patrick Glöckner verpflichtet werden - und seit dem dieser die Himmelblauen trainiert, sind diese wieder sportlich in die Spur zurückgekehrt. Unter seiner Führung entwickelte sich eine neue Spielidee und es gingen nur zwei der letzten zehn Spiele verloren; dazu zog der Titelverteidiger standesgemäß ins Halbfinale des "Wernesgrüner Sachsenpokals" ein. "Natürlich gehört immer etwas Glück dazu, Erfolg kann man nicht kaufen", konstatiert Hildebrand, der sich mit dem Aufwärtstrend auf dem Rasen sehr zufrieden zeigt. "Ich bin davon überzeugt, dass die Ergebnisse, wie zuletzt in Rostock, kommen werden und wir am Ende der Saison über dem Strich stehen." Neben dem Glücksgriff auf der Trainerbank nehmen ebenso die Fans für den langjährigen Anhänger einen wichtigen Faktor ein: "Wir brauchen unsere Fans. Sie machen Stimmung im Stadion, unterstützen die Mannschaft. Das setzt zusätzliche Prozente frei", weiß der ehemalige Nachwuchsspieler des FC Karl-Marx-Stadt zu schätzen.

Fans und Verein ziehen wieder an einem Strang

"Es ist immer wichtig, dass man miteinander spricht", wird Hildebrand nicht müde zu betonen - und genau aus diesem Grund fanden in der jüngeren Vergangenheit mehrere Treffen zwischen Gesellschaftern und CFC-Anhängern mit dem Ziel statt, "wieder eine Einheit zu schaffen". In ehrlichen und transparenten Gesprächen konnten diverse Missverständnisse aus dem Weg geräumt sowie wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden. Dabei geht es unter anderem darum, gemeinsame Projekte und Maßnahmen zu starten. "Die Dialoge haben wir bewusst gesucht, um die Sorgen und Ideen unserer Anhänger aufzunehmen. Wir wollen für konstruktive Vorschläge offen sein", sagt Hildebrand und ergänzt in Bezug auf die Bedeutung der Fans weiterhin: "Für mich ist jeder, der für zehn Euro eine Eintrittskarte kauft, ein Sponsor, der uns weiterhilft."

Hoffnung nach Mitgliederversammlung

Darüber hinaus keimt nach der zweiten Mitgliederversammlung in diesem Jahr wieder Hoffnung auf. Durch die eindeutige Wahl des neuen Aufsichtsrates ist der Verein wieder handlungs- und beschlussfähig. Diesem Gremium gehört ebenso Uwe Hildebrand an; da dieser Posten jedoch nicht dem des Geschäftsführers kompatibel ist, wird händeringend auch nach einem neuen Verantwortungsträger für den sportlichen Bereich gesucht. Ein weiterer daraus resultierender Schritt ist die Bestimmung des Vorstandes.

Mit Jana Pönisch - Ehefrau von Olaf Pönisch - konnte anschließend ein neuer Gesellschafter gewonnen und damit ein weiterer Prozentpunkt verkauft werden.

Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Hildebrand perspektivisch auch bei der Sponsoren-Akquise. "Wir müssen weiter daran arbeiten, neue Gelder zu generieren", formuliert Hildebrand ein Ziel für das kommende Jahr. Unternehmen verwiesen zuletzt stets auf fehlende Strukturen und erteilten deswegen einem Engagement bei den Himmelblauen eine Absage. "Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen, jeden Sponsor hegen und pflegen - selbstverständlich auch die kleineren", erklärt der 48-Jährige.

 

"Bollwerk gegen rechts!" unverhandelbar

Es reichen jedoch nicht nur personelle Strukturen aus, um neue Investoren und alte Sponsoren zu gewinnen. Nach wie vor spielen die Ereignisse, welche am 09. März vor dem Heimspiel gegen die VSG Altglienicke stattfanden, eine entscheidende Rolle. "Es lässt sich nicht leugnen, dass alles, was an diesem Tag passiert ist, dem Image des CFC erheblichen Schaden zugefügt hat", beschreibt Hildebrand die fatalen Folgen. Um den Verein wieder in ein besseres Licht zu rücken, sind seitdem mehrere Schritte eingeleitet worden. Mit Daniel Maaß wurde außerdem ein Anti-Rassismus-Beauftragter integriert, der mit einem breit aufgestellten Gremium langfristige Maßnahmen und Ziele erarbeitet, um "uns weiter und glaubhaft von Radikalismus und Fremdenfeindlichkeit abzugrenzen". In Zusammenarbeit mit dem "AWO Fanprojekt Chemnitz" findet im Januar unter anderem die erste Bildungsreise in die "Gedenkstätte Buchenwald" statt. Mit weiteren Aktionen möchte der Chemnitzer FC seiner gesellschaftlichen Verantwortung wieder mehr gerecht werden und sich damit verbunden mehr in der Stadt Chemnitz engagieren. "Ich möchte, dass im Verein wieder Ruhe einkehrt. Aktuell sind wir auf einem guten Weg", zeigt sich Uwe Hildebrand optimistisch.