Ein Schiff wird kommen

Premiere Puccinis "Madama Butterfly" seit Samstag in der Oper

Der Vorhang hebt sich, ein beinahe spartanisches Bühnenbild taucht auf: Ein unsymmetrisches Podest mit verschiedenen Aufgängen und den Gestellen mehrerer japanischer Schiebewände. Insel ist diese von Aida Leonor Guardia für die neue Chemnitzer "Madama Butterfly"-Inszenierung entworfene Spielfläche oder auch ein Schiff, dem die Paravane Segel sind - mithin in keinem Fall ein sicherer Ort in den Stürmen des Lebens. Die hat das japanische Mädchen Cio-Cio San zu bestehen: Der amerikanische Marineoffizier Benjamin Franklin Pinkerton macht ihr seine Aufwartung, sie verfällt ihm, es wird geheiratet, bevor der Offizier wieder in See sticht: Ihm ist es Spiel, ihr Ernst, der sich durch die Geburt eines Kindes verstärkt. Also wartet sie auf seine Rückkehr. Faltet Papierschiffchen. Und wartet. Wehrt neue Verehrer ab. Und wartet. Vergebens ist das nicht, Pinkerton kehrt zurück nach drei Jahren, doch nicht, um Glück zu bringen. Ein Tod im Nebel folgt.

Anja Krietsch ist eine stimmige Inszenierung gelungen: Bilder orientieren sich an marinen Motiven mit emotionaler Wirkkraft. Doch zweifelsohne ist es noch vielmehr die Hauptdarstellerin, ist es Kyung-Hae Kang als Madama Butterfly, die das Publikum bewegt: Ihre Stimme schlüpft problemlos in die Rolle von Richter oder Ehemann, ihre Darstellung von Liebe und Schmerz verführt zu begeistertem Applaus. Blendend begleitet wird sie von Tiina Penttinen als Dienerin Suzuki, ergänzt von Steffen Schantz als Pinkerton, der stimmlich den ersten Akt dominiert. Lukas Beikirchner führt die Philharmonie zu pointiertem Klang. Alles in allem: ein Muss.