Einen Tag zu Gast im Knast

Tag der offenen Tür Justizvollzugsanstalt lockte am Wochenende mehr Besucher als erwartet an

Am Samstag bot sich Interessierten die Möglichkeit, eine Welt kennenzulernen, die normalerweise streng verschlossen ist. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Chemnitz, das einzige Frauen-Gefängnis für Sachsen und Thüringen, lud zu einem Tag der offenen Tür. Mit 449 Besuchern kamen mehr als erwartet. "Wir haben schon gehofft, dass unser Angebot auf Interesse stößt und freuen uns, dass so viele Bürger da waren. Es war ein sehr aufgeschlossenes und interessiertes Publikum", sagte Anstaltsleiterin Eike König-Bender. Beim Rundgang gaben Mitarbeiter geduldig Antworten zu verschiedenen Bereichen der Anstalt. Im Besucherbereich zogen zum Beispiel ein Raum mit Spielsachen und ein Wickeltisch die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Justizvollzugsbeamter erklärt: "Einige Frauen entbinden vor oder während ihrer Haft. Das Kind kommt dann zu Verwandten oder Pflegeeltern. Um die Bindung zur Mutter zu erhalten, gibt es ein bis zwei Mal pro Woche ein- bis zweistündige Zusammenkünfte." Der Rundgang führte auch in die oberen Stockwerke der JVA und zeigte, dass es ein wichtiges Anliegen ist, den Gefangenen die Wiedereingliederung nach der Haft zu erleichtern. So können zweijährige Ausbildungen zur Änderungsschneiderin, zur Malerin und zur Holz-Mechanikerin absolviert werden. Kunsttherapeutin Susanne Koch erklärt, dass "die Frauen nicht einfach eingesperrt werden, sondern sich Kompetenzen und Fähigkeiten aneignen, welche ihnen eine echte Perspektive geben". Neben dem bunt gestalteten Kunstzimmer zeigten sich aber auch "besondere Hafträume", unter anderem mit reißfesten Matratzen. Hier werden Frauen für kurze Zeit festgehalten, die für sich oder andere eine Gefahr darstellen. Das kommt, so eine Angestellte, seit dem zunehmenden Drogenkonsum und einhergehenden Entzugserscheinungen, immer häufiger vor.