Einst so bekannt wie heute Pelikan

Interview mit Stadtarchivarin Jutta Aurich über die Fa. Eduard Beyer - Chemische Fabrik

Am Dienstag berichtet Jutta Aurich bei einem Vortrag für die Henry-van-de-Velde-Gesellschaft über das Marketing der Chemnitzer Tintenfabrik Eduard Beyer. BLICK sprach mit der stellvertretenden Leiterin des Stadtarchivs.

Frau Aurich, was macht die Firma Beyer so interessant?

Das Unternehmen wurde 1856 vom Apotheker und Chemiker Eduard Leopold Beyer gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine Qualitätstinte aus Deutschland, das war ein Luxusprodukt, das aus England oder Frankreich importiert wurde. Beyer experimentierte in seiner Apotheke an guter Tinte und war damit so erfolgreich, dass er schließlich eine Fabrik errichtete und zu einem Unternehmen ausbaute, das auf dem Weltmarkt aktiv und so bekannt war wie heute Pelikan.

Was war das Erfolgsrezept?

Zunächst mal eine gute Qualität zum guten Preis, das sprach sich rum. Dann aber auch eine stetig erweiterte Produktpalette. Beyer produzierte zunächst Schreibtinte für Gänsefedern, ging aber jede technische Entwicklung mit: Später produzierte die Fabrik auch Tinte für Metallfedern, Schreibmaschinenbänder und Zubehör für die ersten mechanischen Kopierverfahren, insgesamt über 80 Produkte.

Sie sprechen am Dienstag vor allem übers Marketing des Unternehmens - auch ein Schlüssel zum Erfolg?

Ja, die Fa. Beyer nutzte alle Möglichkeiten - das Unternehmen war auf Weltausstellungen vertreten, inserierte in Zeitungen, warb mit Sammelbildern und Pappaufstellern. Das Ganze hat der Chef wohl selbst verantwortet - natürlich in Zusammenarbeit mit Profis.

Gibt es heute noch Spuren der Beyer-Werke in Chemnitz?

Das Unternehmen selbst arbeitete bis 1955. Aber die Beyerstraße ist nach dem Gründer benannt, die Luisenstraße nach seiner Frau. Und dann hat uns die Familie die Villa Quisisana und die Villa Koerner hinterlassen - bei beiden hinterließ dann ja auch Henry van de Velde seine Spuren.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 19 Uhr in der Villa Koerner, Beyerstraße 25.