Erfolgreiches Geheimrezept: Chemnitzer Pedaleur verdankt eiskaltem Damenstrumpf eine Medaille

RSV - Bahnradsportler fühlen sich in Italien wie beim Klassiker „Paris-Roubaix“

Chemnitz

Wenn zu Wochenbeginn Robin Rautzenberg in der Mittagspause am Tisch sitzt, kann der Physiotherapeut seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Krankenhaus Stollberg von einem kurzweiligen, spannenden und erfolgreichen Wochenend-Ausflug nach Italien berichten. Denn der Radsportler vom RSV Chemnitz nahm an der Steher-Europameisterschaft in Pordenone teil und trat dabei äußerst beachtlich in die Pedale. Bei dieser speziellen Bahnrad-Sportart dient ein Fahrer mit dem Motorrad (Steher) oder einem Moped (Derny) als Schrittmacher für einen Radsportler.

Express-Aussprache zeigt Wirkung

Zunächst schaffte Rautzenberg gemeinsam mit seinem Schrittmacher und Vereinskollegen Sven Lohse den Einzug ins Steher-Finale. Dort war „Rautze“ im Ziel überglücklich, aber zugleich auch total fertig. Im Kampf um die Medaillen schien dem 25- Jährigen zehn Runden vor dem Ziel der Sprit auszugehen . Doch nach einer zarten Ansage seines motorisierten Kollegen konnte der Pedaleur sich noch einmal in die Spur bringen. „ Ich habe ihn einfach kurz und knapp angeschissen“, grinste Lohse nach der Zieldurchfahrt. Die derbe Express- Aussprache zeigte Wirkung. Der Chemnitzer straffte sich und bekam die „zweite Luft“. Das RSV - Duo kassierte kurz vor Schluss den amtierenden Titelträger Viktor Filutas aus Ungarn ein und fuhr schließlich auf den 3. Platz. Rautzenberg gab zu, mit schweren Beinen auf der letzten Rille das Ziel erreicht zu haben. Der Titel ging ebenfalls nach Deutschland. Luca Harter stand mit seinem Schrittmacher Andre Dippel (beide Bielefeld) auf dem Podest ganz oben.

Eis sorgt für Kühlung

Bei Schatten-Temperaturen von 32 Grad floss der Schweiß bei den Teilnehmern der Europameisterschaft in Strömen. Während in der Unterkunft und an der Rennbahn Ventilatoren für etwas Abkühlung sorgten, mussten die Aktiven während der unmittelbaren Vorbereitung auf die Wettkämpfe zu einem Trick greifen. „Wir haben uns mit Eiswürfeln eingedeckt, diese in Damenstrumpfhosen gefüllt und unter die Trikots gesteckt. Das sorgte in Sachen Hitze für Entspannung“, verriet Sven Lohse. Zum Start mussten diese speziellen Kühlbeutel jedoch entsprechend des Reglements entfernt werden. Auch der Bahnbelag sorgte für zusätzliche Herausforderungen. „Die vielen Unebenheiten hatten schon etwas vom Rad - Klassiker Paris- Roubaix, bei dem es immer wieder über holprige Pflasterabschnitte geht. Aber damit mussten ja alle zurechtkommen“, zündete Lohse eine kleine Flachsrakete.

Lohse holt zwei Medaillen

Rautzenberg/Lohse gingen als amtierende Deutsche Meister an den Start. Den Gewinn von EM-Bronze bewerteten sie allerdings höher. „Das ist für uns der größte sportliche Erfolg, den wir als Steher-Duo bisher eingefahren haben. Außerdem ist es gelungen, uns für den verpatzten EM-Auftritt des Vorjahres, bei dem wir Siebter wurden, zu revanchieren“, waren sich beide einig, die seit 5 Jahren ein Duo bilden. Sven Lohse kann sich zudem noch Vize-Europameister nennen. Der Schrittmacher fuhr mit Olivia Schoppe bei der erstmals ausgetragenen Steher-Konkurrenz der Frauen auf den 2. Rang. Den Titel sicherte sich Romy Kasper aus Forst, die mit Patrick Wolfrum (Peitz) ein Team bildete. Das Derny-Finale der Frauen gewann die Thüringerin Lena Charlotte Reißner hinter Marcel Möbus (Forst). Pech hatte mit Holger Ehnert ein weiterer Schrittmacher des RSV Chemnitz . Er hatte sich zwar mit Fahrer Rodger Kluge für das Steher - Finale qualifiziert, sie schieden jedoch vorzeitig aus.

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