Erinnerung bewahren

Einweihung Gedenktafel gegen Gewaltopfer

Die Erinnerung an faschistische Gräueltaten zu erhalten, deren erster Höhepunkt die sogenannte "Reichskristallnacht" vor 77 Jahren war, als der braune Mob gegen jüdische Bürger auch in Chemnitz wütete, setzt auch ein Zeichen gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt heute. Darauf verwies Bürgermeister Sven Schulze am Montag bei der Einweihung einer Gedenktafel für die Opfer von Deportationen im Chemnitzer Hauptbahnhof. Repressalien gegen die Juden erlebte der gebürtige Chemnitzer Dieter Nendel als Kind. "Die Gewalt konnte jeder sehen", erklärte der Zeitzeuge. Hanns-Rüdiger Minow vom Verein "Zug der Erinnerung" verwies auf technische Intelligenz und präzise Logistik der Deutschen Reichsbahn, ohne die Deportationen in die Gettos und Vernichtungslager nicht möglich gewesen wären. Bundestagsabgeordneter Detlef Müller erklärte, der Rückfall in die Barbarei sei damals kein überraschendes Ereignis gewesen. Ausgrenzung, Hass und Gewalt gegen Juden, Sinti und Roma, Theologen sowie Kommunisten und Sozialdemokraten wurden politisch nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert. Die Politik stehe daher in der Verantwortung, eine Wiederholung zu verhindern.