Exklusiv: Star-Digirent Wilhelm Keitel im Interview

Interview Der Dirigent und Produzent war am Freitag zu Gast in Chemnitz

Er füllt die Konzerthallen der Welt: Der Dirigent und Produzent Wilhelm Keitel besuchte am Freitag Chemnitz. Genau genommen war er mit dem Chemnitzer Künstler und Sänger Martin Schmitt verabredet. Seit über zwei Jahren arbeiten beide schon zusammen. "Es verschlägt mir manchmal selbst noch die Sprache, Wilhelm Keitel kennengelernt zu haben und mit ihm arbeiten zu dürfen", erzählt Herr Schmitt, der unter diesem Namen bekannt ist und am 19. Dezember 2020 zu seiner Udo Jürgens Show in der Stadthalle Chemnitz einlädt. Wilhelm Keitel ist als Dirigent und Produzent und in der ganzen Welt unterwegs. Bei der Helene Fischer Tour, The World of Hans Zimmer und vielen weiteren Produktionen war er musikalischer Leiter und Dirigent. BLICK-Redakteurin Nicole Neubert wurde exklusiv zum Interview eingeladen.

Herr Keitel, wie haben Sie die Corona-Zeit verbracht und was für Auswirkung hatte diese?

Uns sind vier europaweite und teilweise weltweite Tourneen abgesagt wurden. Unter anderem wären wir auch in Südamerika auf Tour gewesen. Darüber bin ich schon traurig. Ich war einmal eine längere Zeit in Brasilien, aber sonst noch nicht weiter in Südamerika. Darauf hatte ich mich besonders gefreut. Ein Großteil davon wird sicher nachgeholt, aber alles wahrscheinlich nicht. Insofern ist jetzt an der äußeren Front Ruhe eingekehrt. Man ist jetzt länger daheim und kommt dazu, einmal ausgiebig über das Leben nachzudenken und darüber zu sinnen, sollte es so weiter gehen wie bisher oder gibt es paar Stellschrauben, an den man drehen kann? Was für mich persönlich eine große Freude ist: Ich kann mehr Zeit mit meinem zweijährigen Enkel verbringen. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Insofern eigentlich auf dieser Seite eine Bereicherung.

Welche großen Touren waren das?

"Disney in Concert" für den deutschsprachigen Raum. Die Europatour von "Two Steps from Hell". Im September würde die Südamerika-Tour starten. Aber man muss realistisch sein, das Letzte was wieder stattfinden wird, sind Großveranstaltungen. Mit "The World of Hans Zimmer - A Symphonic Celebration" Tour geht es im November wieder weiter nach Frankreich, und die "Hans Zimmer Live Europe Tour" findet im Frühjahr 2021 statt.

Wie haben Sie und Martin Schmitt sich kennengelernt?

Martin Schmitts damaliger Manager hat mich vor zwei Jahren angerufen und sagte: "Da gibt es einen Herr Schmitt und er macht eine Udo Jürgens Show mit Orchester". Sie konnten sich mit dem eigentlichen Dirigenten nicht terminlich einigen und so fragte er mich, ob ich dirigieren kann. Nach dem Konzert haben wir festgestellt, dass wir eine ähnliche Interessenlage haben, was Projekte und die musikalische Richtung angeht. Seitdem arbeiten wir zusammen.

Haben Sie zuvor schon einen Bezug zu Chemnitz gehabt?

Nein, das ist durch Martin entstanden. Zufällig war ich dann offiziell durch Disney in Concert in Chemnitz. Martin hat mir Chemnitz gezeigt und wir haben die Oberbürgermeisterin besucht.

Chemnitz möchte Kulturhauptstadt 2025 werden, wie schätzen Sie die Chancen für die Stadt ein?

Ich finde Chemnitz ist perfekt geeignet. Es war ja auch Dresden im Gespräch. Für was muss diese Stadt Kulturhauptstadt werden? Dresden ist in der ganzen Welt für Kultur bekannt, was bringt da dieser Titel. Ich finde eine Kulturhauptstadt muss in die Zukunft weisen und muss ein Experimentierfeld sein. Kunst trifft auf Gegenwart, Kunst trifft auf Vergangenheit. In diesem Spannungsfeld muss sich eine Kulturhauptstadt platzieren. Hier in Chemnitz brodelt es in mehreren Ecken. Die Demonstrationen, die in Chemnitz waren und die Fremdenfeindlichkeiten, genau diese Sachen sind die zentralen Themen unserer Zeit und dazu muss Kunst Stellung beziehen und das kann nur in einer Stadt passieren, wo es diese Brüche gibt.

Was ist Ihre Lieblingsoper?

Das ist eine schwierige Frage, weil eigentlich ist meine Lieblingsoper immer die ist, die ich gerade mache. Eine perfekte Oper finde ich allerdings Tosca. Die Musik dauert knapp zwei Stunden, es steckt eine Geschichte dahinter die man erzählen kann. Tosca ist spannend und die Musik stimmt vom ersten bis zum letzten Ton. Das ist eine perfekte Oper und ich schaue in regelmäßigen Abständen, dass ich diese immer wieder dirigieren kann.

War es von Kind an ihr Traum Dirigent zu werden?

Sagen wir es anders herum, ich kann mich nicht entsinnen, dass ich einmal etwas anderes werden wollte. Für mich war klar, es soll etwas mit Musik sein. Ich hab nach meinem Abitur zwar Medizin studiert, aber das war eher auf Druck meines Vaters. Ich habe das Studium mit Musik finanziert. Der Dirigent kam aber erst, als ich ans Staatstheater in Stuttgart kam und Leiter der Schauspielmusik wurde. Theater hat mich schon immer wahnsinnig fasziniert. Ich hab dann überlegt: Was könnte ich in diesem Bereich machen? Ich habe dann alles abgestrichen, was ich nicht machen würde und am Schluss blieb dann der Dirigent übrig.