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Für mehr Privatsphäre im Internet

Der gläserne Mensch: Was jahrelang als düstere Zukunftsperspektive in Filmen thematisiert wurde und nur gedanklich im Raum stand, ist inzwischen leider gelebte Realität.

Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war es so einfach, eine Person zu durchleuchten oder im schlimmsten Fall sogar dessen Identität zu kopieren und zu missbrauchen. Viele Menschen denken sich: "Wo ist das Problem dabei, ich habe doch nichts zu verbergen?" Dennoch gibt es gute Gründe, sehr sorgfältig mit seinen Daten umzugehen. Die folgenden Tipps können dabei eine wertvolle Hilfe darstellen.

Warum ist es wichtig, seine Daten zu schützen?

In erster Linie geht es beim Schutz der Daten um die Erhaltung der Privatsphäre. Das Wirtschaftslexikon definiert diesen Begriff als den nichtöffentlichen Raum eines Menschen, in dem er seine Persönlichkeit und Individualität ausleben kann. Dabei handelt es sich um ein Menschenrecht. 

Die Digitalisierung hat allerdings in den letzten Jahren dazu geführt, dass dieses Recht immer größeren Gefahren ausgesetzt ist. Denn mit den technischen Möglichkeiten ist es sehr einfach geworden, personenbezogene Daten zu sammeln, diese auszuwerten und auch weiterzugeben. 

Ein in diesem Zusammenhang oftmals erwähntes Beispiel sind digitale Assistenten wie etwa Siri oder Alexa, die nicht nur Stimmen erkennen, sondern auch immer besser dazu in der Lage sind, unsere Emotionen zu deuten. Immer mehr Jugendliche üben sich deshalb, laut einer Studie der TU Chemnitz, im bewussten Internetverzicht.

Die Privatsphäre im Internet ist deshalb so wichtig, weil jeder selbst bestimmen sollte, was über ihn im Internet veröffentlich wird. Viele haben von sich beispielsweise schon wenig vorteilhafte Fotos von sich nach einer intensiven Party in den sozialen Medien entdeckt. Der Spaß endet dann, wenn es dadurch Probleme mit dem aktuellen Arbeitgeber gibt oder eine Bewerbung für einen neuen Job deshalb aussortiert wird. 

Im Zusammenhang mit der Privatsphäre im Internet gilt der bekannte Spruch: "Das Internet vergisst nichts." Der Europäische Gerichtshof hat zwar im Jahr 2014 entschieden, dass Menschen grundsätzlich ein "Recht auf Vergessenwerden" haben, die Praxis sieht jedoch immer noch ganz anders aus. Denn sind bestimmte Daten erst einmal im Umlauf, ist es sehr schwer, sie wieder aus dem Verkehr zu ziehen. 

Der sicherste Schutz: Ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN)

Absolute Sicherheit im Internet ist eine Illusion. Wer seine Daten jedoch bestmöglich in der Online-Welt schützen möchte, ist mit einem VPN gut beraten. Was ist VPN? Dabei handelt es sich um einen Dienst, der einen bestimmten Benutzer über einen verschlüsselten Tunnel mit dem Internet verbindet. Das ist in etwa so, als würde statt dem Haupteingang zu einem Bürogebäude ein unterirdischer Gang benutzt werden. Der Hauptzweck eines VPNs ist es, anonym im Internet zu surfen. Deshalb werden sie von den Usern hauptsächlich dazu genutzt, bei öffentlichen WLAN-Hotspots die Verbindung abzusichern und die eigene IP-Adresse zu verbergen. 

Darüber hinaus ist es mit einer VPN-Verbindung auch möglich, auf ansonsten gesperrte Webseiten zugreifen zu können. Denn durch die Verbindung mit einem VPN-Server kann das sogenannte Geoblocking umgangen werden. So können beispielsweise die regionalen Sperrungen bei Netflix aufgehoben werden. Durch ein VPN ist es sogar möglich, beim Online-Shopping Geld zu sparen. Denn viele Unternehmer betreiben mittlerweile Preisdiskriminierung. Das heißt, sie berechnen für verschiedene Zielgruppen unterschiedliche Verkaufspreise. So ist der Einkauf mit dem Smartphone oder dem Tablet oft teurer als mit dem Home-PC. 

Die Preisunterschiede können dabei in manchen Fällen mehr als 20 Prozent ausmachen. Diese Strategie ist für die Händler gesetzlich erlaubt. Durch die Verwendung eines VPN erhalten sie aber nicht mehr die erforderlichen Daten, um eine entsprechende Differenzierung vornehmen zu können. Um ein VPN zu nutzen, ist es erforderlich, sich einfach bei einem entsprechenden Anbieter zu registrieren und den Dienst zu abonnieren. In weiterer Folge wird die App auf den gewünschten Geräten heruntergeladen und installiert. Sobald die Installation abgeschlossen ist, kann in der App durch einen Klick auf "Verbinden" ein VPN gestartet werden. 

Regelmäßig vorhandene Spuren beseitigen

Im Internet verwischen sich die eigenen Abdrücke leider nicht so schnell wie bei einem Strandspaziergang. Deshalb ist es wichtig, hier proaktiv vorzugehen. Dazu gehört es beispielsweise, regelmäßig die in den Browsern gespeicherten Daten zu entfernen. Bei Google Chrome funktioniert das durch einen Klick auf das Drei-Punkte-Menü, die Auswahl der Option "weitere Tools" und dann "Browserdaten löschen". Bei Mozilla findet sich der Button "Daten entfernen" im Abschnitt "Datenschutz und Datensicherheit" im Untermenü "Cookies und Webseite-Daten". Wer künftig keine Abdrücke mehr hinterlassen möchte, kann im Browser einstellen, dass keine Cookies mehr gespeichert werden sollen. 

Etwas komplizierter wird es, wenn die Daten nicht mehr nur im eigenen Browser, sondern beispielsweise bei Google gespeichert sind. Wer seinen eigenen Namen googelt und dabei auf Informationen stößt, die er lieber vor der Öffentlichkeit verbergen möchte, hat unterschiedliche Möglichkeiten. Zunächst sollte der Betreiber der jeweiligen Webseite kontaktiert werden. Denn wenn die Daten direkt an der Quelle entfernt werden, verschwinden sie nach einiger Zeit auch automatisch wieder bei Google. Zeigt sich der Webseiten-Betreiber nicht kooperationsbereit, kann auch noch ein Löschantrag bei Google gestellt werden. Dann scheint die entsprechende Webseite bei Suchanfragen zumindest nicht mehr in der Ergebnisliste bei Google auf. 

Niemals auf das Ausloggen vergessen

Keiner würde auf die Idee kommen, seine Eingangstüre offen zu lassen, wenn er die eigene Wohnung verlässt. In der digitalen Welt vergessen jedoch viele User darauf, ihre geöffneten Türen wieder zu schließen. Das gilt insbesondere für Anwendungen wie Online-Banking oder soziale Medien. Hier ist es wichtig, nicht nur das Browser-Fenster zu schließen, sondern sich vorher ordnungsgemäß vom jeweiligen Dienst abzumelden. Je nach Anbieter findet sich die entsprechende Option dafür gleich übersichtlich auf der Hauptseite oder im Menü mit den persönlichen Einstellungen. 

Dieser Tipp gilt insbesondere, wenn die Verbindung über ein öffentliches WLAN-Netzwerk hergestellt wurde. Wer sich zum Beispiel an einem externen Rechner in sein Instagram-Profil einloggt und in weiterer Folge darauf vergisst, sich wieder abzumelden, überlässt dem folgenden User den kompletten Zugriff zu seinen Profildaten. Im besten Fall trennt dieser einfach die bestehende Verbindung, im schlimmsten Fall ändert er das Passwort und "entführt" den Account.


Wer sich in öffentlichen Netzwerken nicht ausloggt, muss damit rechnen, dass seine Online-Identität gestohlen wird. Bildquelle: Pixabay.com © CeruleanSon CCO Public Domain