Fantastischer Glanz

Durchblick

Angeblich gehört der Bundesbank ein riesiger Haufen Gold. Der Haken daran ist, dass sie ihn nicht besitzt, weil die meisten Barren im näheren und entfernteren befreundeten Ausland liegen und von ihren vermeintlichen Eigentümern nie besichtigt, geschweige denn gezählt wurden. Gold gucken muss eine wirklich schwierige Angelegenheit sein. So kompliziert, dass die Lagerbetreiber den Eigentümern ihren Wunsch nach Inaugenscheinnahme glatt ablehnten. Es wären keine geeigneten Besucherräume vorhanden. Upps. Zumindest eine Umkleidekabine für die Fachkraft, die die Dinger gelegentlich abstaubt, wird es doch wohl geben? Ehrlich gesagt: wenn ich einen Goldschatz hätte, würde ich ihn lieber im Wald vergraben, als ihn auf Dauer bei einem weit entfernten Freund zu deponieren. Und schon gar nicht bei einem Freund, der selbst das Gold liebt und zum Spekulieren neigt. Einen Schatz legt man für den Notfall zurück. Lagert das Zeug bei einem Freund, wüsste der im Ernstfall, dass es schlecht um einen steht. Dann käme er mit so lästigen Fragen wie: hat dich deine Frau verlassen? Willst du umziehen? Und wenn man keine plausible Antwort darauf findet, oder tatsächlich umziehen will, müsste der entfernte Freund vermuten, dass man das Vertrauen in seine treuhänderische Zuverlässigkeit verloren hätte. Da wäre die Freundschaft dann erst recht vorbei. Aus schierer Frustration über den Vertrauensbruch würde der gewesene Freund nun Hindernisse für die Rückführung des Glanzmetalls erfinden. Ich wohne zwar in der Nähe eines Waldes, habe aber zum Glück keinen Goldschatz. Vielleicht geht es mir in diesem Punkt wie der Bundesbank. Das Gute daran ist, dass in diesem Fall keine Gefahr für die guten Beziehungen zu den Freunden besteht.