Fatal verzockt: Die Fortsetzung war ein Fehler!

FUSSBALL Ein Kommentar von Marcus Hengst

Kommentar: Der CFC am Boden

Der Chemnitzer FC hat sich zum Fortsetzungs-Verlierer gemacht. Hatte Romy Polster, Vorstandsvorsitzende des Chemnitzer FC e.V., anfänglich noch für den Abbruch plädiert, wurde diese Meinung nach vehementen Veto von Insolvenzverwalter Klaus Siemon kurzerhand korrigiert und urplötzlich doch für eine Fortsetzung gestimmt. Ein weiterer Grund für den Meinungsumschwung stellten die 300.000 Euro dar, welche aus dem Solidarfonds der "Deutschen Fußball-Liga" (DFL) jedem Drittligisten zur Verfügung gestellt wurden. Für den CFC waren diese zwingend, um das wirtschaftliche Aus abzuwenden. Die anderen - vor allem die mitteldeutschen - Teams waren not amused über diesen Sinneswandel und den damit verbundenen Schlingerkurs der Himmelblauen. Siemon beließ es aber nicht dabei und baute gegenüber den Teams aus Magdeburg, Halle und Jena mit möglichen Klagen eine weitere Drohkulisse auf. Die Vertreter der angesprochenen Vereine ignorierten allerdings die Worte des Insolvenzverwalters.

Saisonstart 2.0 unter unfairen Bedingungen

Es ehrt den Chemnitzer FC, dass er die Entscheidung auf dem grünen Rasen gegenüber der am grünen Tisch vorzog - allerdings wurde damit ein möglicher Klassenerhalt leichtsinnigerweise aufs Spiel gesetzt. Denn an einen sportlichen fairen Wettbewerb nach dem Re-Start war nicht ansatzweise zu denken, dagegen sprachen allein schon die unterschiedlichen Trainingsbedingungen der Mannschaften. Im Team des Chemnitzer FC gab es zudem den einzigen Corona-Fall in der Liga. Glücklicherweise wurden nur drei Spieler - und nicht wie bei Zweitligist Dynamo Dresden die gesamte Mannschaft - in eine 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt. Unglücklicherweise gehörte diesem himmelblauen Trio Philipp Hosiner an, der mit 16 Treffern sowie sechs Vorlagen maßgeblichen Anteil am Aufwärtstrend des CFC hatte. Nach dem Re-Start lief der Österreicher seiner vorherigen Form bis zum letzten Spieltag hinterher. Traurige Höhepunkte seiner bescheidenen Leistungen war der verschossene Elfmeter beim 1. FC Kaiserslautern sowie die zehnte gelbe Karte, kassiert gegen den KFC Uerdingen, wodurch er beim Abstiegskrimi gegen den FSV Zwickau zum Zuschauen verdammt war. Einen Ersatz für die Tore des Österreichers gab es nicht: In den elf Spielen nach der Corona-Pause erzielten die CFC-Kicker lediglich neun eigene Treffer, wobei vier erst am letzten Spieltag gegen Hansa Rostock fielen. Neben Tallig, Garcia und Bozic trafen mit Hoheneder, Itter und Reddemann drei Verteidiger. Ein Münsteraner Eigentor bescherte den Himmelblauen den ersten Heimsieg, dazu setzte es vier Niederlagen. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pause ging unter Glöckner keines der zehn Heimspiele verloren. Der Nimbus der Festung ging nach dem Re-Start auch aufgrund der fehlenden Anhänger verloren.

Kader zu schwach für fünf englische Wochen

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Grund, weswegen der Chemnitzer FC seinen 13. Platz nicht halten konnte und stattdessen absteigen musste, ist in der Breite sowie der Qualität des Kaders zu suchen. Unter normalen Bedingungen hätte Patrick Glöckner mit diesem problemlos den Klassenerhalt geschafft, doch stellte der Re-Start mit fünf englischen Wochen eine absolute Ausnahmesituation dar. Aufgrund der extrem hohen Belastung für die Spieler musste der Fußballlehrer immer wieder rotierten, dazu kamen Sperren sowie verletzungsbedingte Ausfälle hinzu. Bezeichnend hierfür ist, dass ausgerechnet Mittelfeldmalocher Daniel Bohl wegen muskulärer Probleme frühzeitig nicht mehr zur Verfügung stand.

Die Leidtragenden der Fortsetzung sind die Spieler sowie Patrick Glöckner und sein Trainerteam. Gleiches trifft auch auf die CFC-Fans und Mitglieder, die sich im Vorfeld mit konstruktiven Argumenten für den Abbruch ausgesprochen haben. Die Entscheidung, letztlich doch für eine Saisonfortsetzung zu stimmen, wurde ausschließlich von Insolvenzverwalter Klaus Siemon getroffen. Und er gibt nun explizit der Fanszene die Schuld am Abstieg: "Die fehlende Unterstützung der Fanszene für den Erfolgskurs mit Aufstieg, Pokalgewinn und Sanierung ist deshalb der Hauptgrund für den jetzigen Niedergang." Diese Meinung hat der Insolvenzverwalter exklusiv, denn so haben Patrick Glöckner und seine Spieler in Interviews immer wieder betont, wie wichtig der Support der Fans - daheim wie auswärts - war, um erfolgreichen Fußball zu spielen.

Quo vadis, Chemnitzer FC?!

Nach dem direkten Abstieg darf man nun gespannt sein, wie es in der kommenden Regionalligasaison für die Chemnitzer FC Fußball GmbH weitergeht. So gibt es sehr viele Fragezeichen, beispielsweise: Wer wird den Himmelblauen weiterhin die Treue halten? Mit Kapitän Niklas Hoheneder und Eigengewächs Tim Campulka haben sich die ersten beiden Kicker für den Verbleib beim CFC entschieden. Dessen ungeachtet lautet aber die wichtigste Frage: Auf welchem finanziellen Fundament soll eigentlich der Neuanfang gebaut werden?