Filigrane Arbeit trifft Schwergewicht

Industriemuseum Zwei neue Exponate eingetroffen - kommendes Jahr sollen sie zu sehen sein

Zwei Neuerwerbungen hielten am gestrigen Dienstag Einzug in das Sächsische Industriemuseum Chemnitz - die eine knapp zehn Kilogramm leicht, die andere zehn Tonnen schwer. Das leichtere Exponat ist ein Schmuckband der Mitteldeutschen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller für deren Vorsitzenden Gustav Hartmann. Der repräsentative Schmuckband mit reich dekoriertem Einband aus Leder und versilberten Blechbeschlägen wurde Gustav Hartmann 1891 als Ehrung für 16 Jahre Vorsitz überreicht. "Der Schmuckband war vorher in Privatbesitz. Von den Erben Hartmanns haben wir den Tipp erhalten, dass er für den Markt freigegeben wird", freute sich Museumsdirektorin Andrea Riedel. Die 5.000 Euro teure Anschaffung wurde mit Eigenmitteln und Spenden verschiedener Institutionen wie dem Industrieverein finanziert. Eine Investition, die sich gelohnt hat, findet auch Gerd Richter vom Chemnitzer Geschichtsverein und ehemaliger Leiter des Stadtarchivs: "Die Familie Hartmann hat die Industrielandschaft der Stadt nachhaltig geprägt. Gustav, der Sohn Richard Hartmanns, hatte sogar wesentlich größeren Einfluss als sein Vater", sagte der Initiator des Hartmannjahres. "Er war seinerzeit Chef der Dresdner Bank und international agierender Großunternehmer."

Das Schwergewicht unter den Neuerwerbungen ist ein Bohrwerk des VEB Union Karl-Marx-Stadt von 1975. Es stammt aus der ersten Baureihe mit einer NC-Steuerung - ein Meilenstein der hiesigen Entwicklung von Werkzeugmaschinen. Das Exponat war noch vor wenigen Monaten in einer Dresdner Firma im Einsatz. "Jetzt kehrt es als Ausstellungsstück an seinen Ursprungsort zurück. Gefertigt wurde es nämlich gleich gegenüber an der Zwickauer Straße", sagte Wolfgang Becker, ehemaliger Union-Geschäftsführer.