Frühe Helden, künftige Heroen

Ausstellung Designobjekte zeigen, wie sich echtes und unechtes Heldentum würdigen lässt

Es gibt schon eigenartige Auszeichnungen. In der DDR zum Beispiel den Blücher-Orden: Erfunden für besondere Leistungen in einem künftigen dritten Weltkrieg und weil es zu dem nicht kam, nie vergeben. Anders die "Medaille für eheliche Verdienste", die in Zaire an Paare vergeben wird, die besonders lang durchhalten. Diesen mehr oder minder realen Ehrungen stellt das Wasserschloss Klaffenbach in seiner jüngsten Ausstellung "ausgezeichnet! most excellent!" jede Menge erfundene gegenüber. In einer internationalen Ausschreibung hatte das Museum Künstler und Designer in aller Welt darum gebeten, sich über Heldentum Gedanken zu machen. Was als Antwort hereinkam, kann in seiner Bandbreite kaum größer sein, schon die 80 schließlich ausgewählten Künstler zeugen davon: Da gibt es die vergoldeten Drachenschuppen als Broschen, die an Sagenheld Siegfried erinnern. Da gibt es Kettenanhänger als durchlöcherte Keramik-Organe, die für lebensrettendes medizinisches Personal bestimmt sein könnten. Da gibt es Like-Daumen in unterschiedlichsten Formen, die an die Entwertung positiver Kritik durch ihre millionenfache Anwendung erinnern. Ein Orden aus vereistem Sirup, der nach der Anheftung durch die Körperwärme zu einem Blutfleck zerschmilzt. Oder auch Orden mit Eigenschaftsworten, die man kaufen und damit an sich selbst verleihen darf. Die Künstler reflektieren Kriege und Bürgerkriege, frühere Helden und künftige Lebensretter, Helden des Alltags und selbsternannte Heroen. "Es ist ein breites Spektrum, was verdeutlicht: Man kann ganz unterschiedliche Standpunkte zum Thema Heldentum abgeben, auch heute noch", freut sich Ines Bruhn, Professorin für Gestaltungsgrundlagen in Schneeberg, die die höchst anregende Schau mitgestaltet hat. Bis zum 14. Februar ist "ausgezeichnet! most excellent!" im Wasserschloss zu sehen.