Fünf Meter hoher Räuchermann ohne Dach: In Chemnitz hofft ein Denkmal aus dem Erzgebirge auf ein Wunder

Das hölzerne Wahrzeichen aus Seiffen steht seit 2017 im Chemnitz Center – ungeschützt und jedem Wetter ausgesetzt. Wird sich ein Mensch oder eine Firma mit Herz finden, der dem Räuchermann ein Dach schenkt?

Chemnitz

Er misst stolze 5,17 Meter, trägt eine gewaltige Pfeife und liest das Seiffner Blaat'l - als hätte er alle Zeit der Welt. Doch was ihm fehlt, ist ein Dach. Still und würdevoll sitzt er da, voller Risse und Erinnerungen: Ehrenfried, der größte Räuchermann, den die Welt je gesehen hat - zumindest bis 2022.
Ringsum ducken sich Passanten unter Schirmen, flüchten ins Trockene. Es regnet. Mal wieder.

Gebaut mit Herz, verloren durch ein Dach, was nicht genehmigungsfähig war

Ehrenfried wurde nicht industriell gefertigt, sondern mit Hingabe geschnitzt - über Jahre hinweg, von Michael Piesnack (†), einem Holzspielzeugmacher aus Seiffen. Als das Werk vollbracht war, wollte er seinen Räuchermann auch schützen - baute in Seiffen - von sich aus - ein Flachdach, um ihn vor Wind und Wetter zu bewahren.

Doch dann kam es zu einem Konflikt mit (dem Spielzeugdorf) Seiffen: Ein Flachdach sei nicht genehmigungsfähig - es müsse ein Spitzdach sein, so hieß es.

Ein Spitzdach? Für einen Kunsthandwerker wie Michael Piesnack schlicht unbezahlbar, bestätigt ein weitläufiger Verwandter. Es habe sich um eine Summe von 20.000 bis 30.000 Euro gehandelt - zu viel für einen Mann, der für die Kunst lebte, nicht vom Kommerz.

Unstimmigkeiten führen zum Standortwechsel

Also traf Michael Piesnack eine Entscheidung, die ihm sicher nicht leicht fiel: Er verkaufte seinen Ehrenfried. Mehrere Interessenten meldeten sich - doch Michauel Piesnack selbst entschied sich für das Chemnitz Center.

Seit 2017 steht Ehrenfried nun dort, begrüßt Tag für Tag die Besucherinnen und Besucher - freundlich wie eh und je, aber eben unter freiem Himmel.

Regen statt Ruhm

Zwar wird Ehrenfried alle zwei Jahre gewartet und instand gehalten, wie das Management des Centers mitteilt - aber ein Dach sei nicht geplant. Warum? Weil auch hier die Größe zum Problem wird: Ein Dach dieser Dimension erfordert vermutlich einen Bauantrag, statische Gutachten - und das alles kostet erneut viel Geld.

Außerdem: "Ein Umzug irgendwann sei nicht ausgeschlossen."

Und so steht er weiter dort, Tag für Tag, Woche für Woche, im Regen. "Das ist scheinbar das Schicksal des Ehrenfrieds - kein Dach über dem Kopf zu haben…"

Was ein Dach bedeuten würde

Dabei wäre ein Dach heute mehr als ein Wetterschutz. Es wäre ein Zeichen. Ein Symbol für Anerkennung. Ein spätes, aber wichtiges Dankeschön an einen Mann, der mit schlichten Werkzeugen etwas Großes erschuf.

Denn Ehrenfried war einmal Weltrekordhalter - der größte Räuchermann der Welt.

Der größte Räuchermann der Welt ist seit 2022 Alvin

Heute trägt diesen Titel "Alvin", mit 6,10 Metern, 8 Tonnen Gewicht und offizieller Eintragung ins Guinnessbuch der Rekorde seit dem 14. März 2022. Gebaut von Mario Günther, errichtet in Chemnitz-Rabenstein am Tierpark und Restaurant Pelzmühle, mit Mini-Version, Räucherkerze und Abenteuer-Spielplatz.

Alvin hat alles. Ehrenfried hat - Charakter. Und vielleicht… bald ein Dach?

Ein Aufruf an Herz und Heimat

Was wäre, wenn sich jemand findet, der dieses Dach möglich macht? Ein Sponsor. Eine Firma. Ein Handwerksbetrieb. Oder einfach jemand, der weiß, was es heißt, wenn Holz Geschichten erzählt.

Denn Ehrenfried steht nicht nur im Regen. Er steht für die Kraft des Handwerks, die Zähigkeit der Träume und die Notwendigkeit, unsere Kultur zu schützen. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.

P.S.: Ein Dach wäre mehr als ein Dach. Es wäre ein Versprechen: Wir sehen dich, Ehrenfried. Und wir lassen dich nicht im Regen stehen.

Auch interessant für dich