Für eine saubere Stadt: die Straßenkehrmaschinenfreunde

Freizeit Neben dem Spaßfaktor geht es um ein wichtiges Thema

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Eine Kehrmaschine des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb (ASR) der Stadt Chemnitz im Einsatz. Foto: Straßenkehrmaschinenfreunde Bernsdorfer Kreuz

Einen Fanclub gibt es dank dem Internet mittlerweile ja für so ziemlich alles - seien es Katzen, Sammelkarten, Mangas oder auch Sportvereine. Doch die "Straßenkehrmaschinenfreunde Bernsdorfer Kreuz" sind in dieser Hinsicht etwas ganz Besonderes. Ganze 186 "Gefällt mir"-Angaben haben sie auf Facebook schon gesammelt.

Um herauszufinden, was es mit der ungewöhnlichen Gemeinschaft auf sich hat, hat BLICK-Reporterin Beate Kuretzky mit dem 34-jährigen Vorsitzenden der Community gesprochen. Aufgrund seiner Arbeit im kulturellen Leben von Chemnitz möchte er lieber anonym bleiben.

Bei einem ersten Besuch auf der Seite fällt auf: Es dreht sich hier wirklich um Straßenkehrmaschinen. Die Fahrzeuge vom Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb (ASR) der Stadt Chemnitz stehen hierbei im Vordergrund.

Wöchentliches "Happening" mit Livestream

Die Idee zur Gründung eines Fanclubs entstand vor rund zwei Jahren im Mai. Denn aufgefallen war den Betreibern der Seite, dass die Bernsdorfer Straße jeden Mittwoch um 23 Uhr stadtauswärts von einer Straßenkehrmaschine befahren wurde, die etwa eine Stunde später auf der anderen Straßenseite wieder zurückkam.

"Irgendwann haben wir angefangen zu winken und zu jubeln, später wurden wir angehupt. Daraus wurde mit der Zeit ein wöchentliches Happening, bei dem sich immer mal 10 bis 20 Personen zusammengefunden haben. Die Facebook-Seite kam danach erst, darüber gab es dann Livestreams, wenn nicht alle dabei sein konnten", erklärt der Vorsitzende.

Die Fahrzeuge live in Aktion zu sehen - das kam gut an. Mittlerweile gibt es auch einige Zuschauereinsendungen zu bestaunen. Sogar aus Österreich und den Niederlanden wurden Beiträge eingereicht.

Das meiste Material kommt in den wärmeren Monaten zusammen. Gegen Schnee und Eis können die Fahrzeuge nicht immer trotzen, daher fahren sie im Winter seltener. Die "Straßenkehrmaschinensaison", so wird in der Community vermutet, geht beim ASR im April wieder los.

Ironische Anlehnung an das Connewitzer Kreuz

Der Name "Straßenkehrmaschinenfreunde Bernsdorfer Kreuz" wird von den Betreibern als eine ironische Anlehnung an das Leipziger Connewitzer Kreuz verstanden. Denn der "Hotspot von Bernsdorf", wie der 34-Jährige die Kreuzung der Bernsdorfer Straße zur Gutenbergstraße liebevoll benennt, gleicht in gewisser Weise einem zentralen Treffpunkt:

"Dort ist zwar alles nicht so urban, es sitzen keine Leute auf der Straße und Clubs gibt es auch nicht. Trotzdem passt es, da durch zwei Supermärkte, die an der Kreuzung liegen, immer etwas los ist".

Aufmerksamkeit für unterschätzte Berufe

Mit der Community soll vor allem ein sozialer Aspekt erreicht werden: den Fokus auf unterschätzte Berufe lenken. Denn wenn es nach den Straßenkehrmaschinenfreunden geht, machen die Frauen und Männer bei den Reinigungs- und Entsorgungsbetrieben einen wichtigen Job: "Angenommen, es gäbe den ASR nicht, niemand würde den Müll wegbringen, die Straßen wären dreckig und das würde das Wohngefühl in Chemnitz ziemlich schmälern."

Der Vorsitzende verweist auf das jahrelange Müllproblem im italienischen Neapel, bei dem die Müllabfuhren ihrer Arbeit nicht mehr nachkamen und die Abfallgeschäfte lange Zeit in der Hand des dort ansässigen Camorra-Familienclans lagen.

Dies wurde in den letzten Jahren in der medialen Berichterstattung vermehrt bekannt. Sozioökonomische Probleme und vor allem Umwelt- und Gesundheitsrisiken waren die Folge des Dilemmas.

Öffentliche Dienste sind keine Selbstverständlichkeit

Daher liegt es nahe, dass auf der Fanseite der "Internationale Tag der Straßenkehrmaschinen" ausgerufen wurde - erstmals am 3. Oktober 2017. Auch wenn verstärkt darauf aufmerksam gemacht werden soll, dass die öffentlichen Dienste in der Tat keine Selbstverständlichkeit darstellen: Pläne, den Tag irgendwann zu einem offiziellen Feiertag anerkennen zu lassen, gibt es bislang nicht.

Merchandise, wie etwa bedruckte T-Shirts, kann sich die Gemeinschaft für die Zukunft jedoch gut vorstellen. Denn zurzeit wird noch eine größere Aktion geplant, die bislang geheim bleiben soll. Ein regelmäßiger Blick auf die Facebook-Seite lohnt sich also.

Community darf wachsen

Ob der Fanclub überregional ausgeweitet wird? Der 34-Jährige trifft dazu eine klare Aussage:

"Wenn sich Straßenkehrmaschinenfreunde in anderen Städten zusammenfinden und eine Seite gründen möchten, freut uns das natürlich, aber wir werden uns weiterhin auf Chemnitz und das Bernsdorfer Kreuz konzentrieren."

Einen abschließenden Tipp für Freunde der sauberen Straßen gibt es von ihm noch mit auf den Weg: "Die Kehrmaschine der Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) ist ziemlich cool, da sie nicht nur auf der Straße, sondern auch auf den Schienen fahren kann. Das können die anderen eben nicht. Wer Glück hat, erwischt sie ja vielleicht mal."