Gehen Chemnitz die Unternehmer aus?

Wirtschaft Zahl der Gründungen sinkt weiter

gehen-chemnitz-die-unternehmer-aus
In einer Chemnitzer Werkstatt. Foto: Rico Hinkel

Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt knapp 150 mehr Gewerbe ab- als angemeldet. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor, die Anfang des Monats veröffentlicht wurden.

Demzufolge stehen 1855 Gewerbeabmeldungen im Gesamtjahr nur 1718 Anmeldungen gegenüber. Damit wurden 7,5 Prozent weniger Gewerbe neu in der Stadt angemeldet als noch im Jahr zuvor. Die Stadt verzeichnet damit einen im sächsischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Rückgang - landesweit hatte der bei fünf Prozent gelegen.

Der Handel blüht

Die größte Zahl der Gewerbeneuanmeldungen in Chemnitz erfolgte 2016 im Bereich von Handel; Instandhaltung und Reparatur von KFZ (377), 186 Neuanmeldungen gab es im Baugewerbe. Nur 54 Neuanmeldungen gab es im Verarbeitenden Gewerbe, 30 im Gesundheits- und Sozialwesen.

Auch bei den Gewerbeabmeldungen lag der Handel einschließlich KFZ-Betrieben vorn: Hier waren 457 Gewerbeaufgaben zu verzeichnen. Im Gastgewerbe gab es 125 Gewerbeab-, aber 131 Neuanmeldungen.

Das Risiko Selbständigkeit und die Demografie

Für Christoph Neuberg, Geschäftsführer Industrie bei der IHK Chemnitz, ist der Rückgang an Neugründungen vor allem "die Kehrseite der guten Arbeitsmarktsituation". Zehntausende Stellen seien in der Region frei, vor allem Spezialisten können sich ihren Arbeitgeber frei wählen. Da überlege man als Angestellter sehr genau, ob man den Schritt in die Selbstständigkeit wagen soll.

Hinzu komme die demografische Entwicklung: "Zum einen gibt es weniger Menschen, die als Selbstständige infrage kommen. Und zum anderen werden aber bei einem Bevölkerungsrückgang auch bestimmte Dienstleistungen weniger nachgefragt", so Neuberg.

Dagegensteuern könne man nur mittelfristig: Unternehmer als Berufsbild müsse in Schulen und Universitäten stärker verankert werden.