Geister-Fischchen erobern Chemnitz

Forschung Biologen vom Naturkunde-Museum erbringen ersten Nachweis in Europa

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Gleich an zwei Stellen in Chemnitz konnte ?Ctenolepisma calva" nachgewiesen werden. Foto: Museum für Naturkunde

Wer kennt sie nicht, jene flott davon huschenden Miniraketen, die sich unauffällig in Ritzen verbergen? Gemeint sind die kleinen, schnellen Fischchen, die vor allem in der Nacht aktiv werden. Sie sind flügellos, beschuppt und tragen meist auffällig lange Körperanhänge. Ob man sie nun mag oder nicht, tatsächlich kommen diese völlig harmlosen Insekten in fast jeder Wohnung vor. Fünf Arten gibt es in Deutschland, darunter das häufige Silberfischchen.

Chemnitzer Biologen werden gleich zweimal fündig

Mit der Entdeckung einer sechsten Art, liebevoll "Geisterfischchen" genannt, gelang dem Team um den Biologen Sven Erlacher vom Chemnitzer Naturkundemuseum nun eine kleine Sensation. Gleich an zwei Stellen in Chemnitz konnte "Ctenolepisma calva", so der wissenschaftliche Name der Tierart, nachgewiesen werden: in einer Wohnung im Stadtteil Schlosschemnitz und im Zentrum auf der Museumsetage im Tietz. Dabei ist so gut wie nichts über diese Art bekannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahr 1910 aus Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Anfang der 70-er Jahre fand man sie in Mittelamerika, wo sie namentlich in Havanna eine der häufigsten Arten menschlicher Behausungen war. Die Exemplare aus Chemnitz wurden gemeinsam mit einem Kollegen der Universität Lissabon bestimmt, der sich jahrzehntelang intensiv mit dieser Tiergruppe beschäftigt hat.

Kein "invasiver Alien"

Der zierliche Wohnungsgeist ist weißlich und wird maximal 8 Millimeter lang. "Zwei Vorkommen in einer Stadt wie Chemnitz sind sicher kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, dass sich das tropische Fischchen aktuell bei uns ausbreitet", meint Sven Erlacher vom Museum für Naturkunde. Von einem "invasiven Alien" will der Forscher jedoch nicht sprechen, dafür sei zu wenig über diese Art bekannt. Deshalb wende er sich an alle interessierten "Bürgerwissenschaftler", deren Beobachtungsgabe nun gefragt sei. "Jeder ist aufgerufen, auf die neue Art zu achten und wenn möglich mit der Handykamera zu fotografieren und uns die Fotos zu schicken, denn nur so sind wir in der Lage, mehr über diese Art zu erfahren", sagt der Biologe.