Gesundheitsmythen im Check: Welche stimmen?

Mythen von Spinat bis zu nassen Haaren. Sie halten sich bis heute wacker und sind bereits den meisten Kindern nur allzu gut bekannt: Gesundheitsmythen werden meist von den Eltern an die kommenden Generationen weitergegeben und begleiten auch dort den Alltag. Doch wieviel Wahrheit steckt tatsächlich dahinter? Enthält Spinat wirklich mehr Eisen als jedes andere Gemüse und wird man krank, wenn man mit nassen Haaren das Haus verlässt? Hier kommen die Antworten auf die größten Gesundheitsmythen.

Nasse Haare öffnen Erkältungen Tür und Tor

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal gehört, dass man krank wird, wenn man mit nassen Haaren aus dem Haus geht. Also wird Strähne für Strähne geföhnt, bis auch der letzte Tropfen Feuchtigkeit verschwunden ist. Mediziner wissen es heute längst besser und versuchen immer wieder diesem Mythos ein Ende zu bereiten. Nasse Haare sorgen nämlich höchstens dafür, dass am Kopf schneller gefroren wird. Der Auslöser für eine Erkältung sind sie aber eigentlich nicht. Sie sorgen auch nicht dafür, dass das Risiko einer Erkältung exorbitant steigt.

Grippe oder Erkältung? Ist Beides wirklich das Gleiche

Auch dieser Mythos hält sich wacker. Allzu oft werden bis heute Erkältung und Grippe einander gleichgesetzt. Obwohl gerade in diesem Bereich in den letzten Jahren sehr viel Aufklärungsarbeit betrieben wurde, hält sich dieser Irrglaube wacker. Eine Grippe ist etwas vollkommen anderes als eine Erkältung. Auch ein grippaler Infekt kann weder mit dem einen noch mit dem anderen gleichgesetzt werden. 

Während eine Grippe die Betroffenen wirklich vollständig außer Gefecht setzt und Bettruhe nach sich zieht, können Menschen, die von einer Erkältung heimgesucht werden, oft noch das Büro aufsuchen. Eine Grippe wird in der Regel von Fieber begleitet. Außerdem sorgt sie für ein unangenehmes Schwächegefühl. Bei Vorerkrankungen und einem besonders schweren Verlauf kann die Grippe sogar lebensgefährlich sein.

Kalte Füße sind für eine Erkältung verantwortlich

Sicherlich haben die Meisten auch folgenden Mythos schon einmal gehört: Kalte Füße sind die Ursache für eine Erkältung. Tatsächlich ist aber auch das ein Trugschluss. In der Tat sind es nämlich nicht die kalten Füße, die die Erkältung hervorrufen. Sie sind vielmehr der erste Hinweis auf einen Infekt oder eine Erkrankung. Die Füße werden, wenn der Körper gegen einen Infekt ankämpft, schlechter durchblutet. Gleichzeitig sorgt die schlechte Durchblutung dafür, dass sich die Füße unangenehm kalt anfühlen.

Küssen sollte bei Erkältungen strengstens vermieden werden

Es kann durchaus verletzend sein, wenn man den Partner küssen möchte und er sich einfach wegdreht. Die Begründung ist nachvollziehbar. Immerhin möchte er sich nicht anstecken. Doch auch hier kann wie bei vielen anderen Mythen Entwarnung gegeben werden, denn in der Tat werden die Viren, die direkt über den Speichel beim Küssen ausgetauscht werden, in den Magen transportiert. Die dort vorzufindende Magensäure sorgt dann wiederum dafür, dass die Viren unverzüglich unschädlich gemacht werden.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Schnupfenviren aus, die sich an den Händen befinden. Sind die Viren einmal an der Hand, werden die Erreger auch schnell ins Gesicht übertragen. Dort können sie dann durch die Tränenkanäle direkt auf die Nasenschleimhaut überspringen und verursachen eine Infektion.

Nase: Ist Putzen wirklich die bessere Wahl

Der nächste Mythos kann ebenso den Erkältungsmythen zugeordnet werden. Häufig wird nämlich empfohlen, die Nase lieber zu putzen als diese hochzuziehen. Ohne Zweifel ist das Putzen zumindest ästhetischer. Gesünder ist es laut Medizinern aber auch nicht. Vielmehr ist es nämlich so, dass sich das Schnauben und Hochziehen kaum etwas nimmt.

Entscheidend ist es nur, dass es dabei ganz einfach nicht übertrieben wird. Gerade beim Putzen der Nase droht Gefahr, denn wenn zu sehr ins Taschentuch geschnäuzt wird, entsteht ein unangenehmer Druck. Durch den Druck, der beim Putzen der Nase entsteht, steigt das Risiko für eine Nebenhöhlenentzündung erheblich an.

Doch auch das Hochziehen hat seine Tücken. Beim Hochziehen wird der Schleim irgendwann auch geschluckt. Dadurch gelangt er erst in den Rachen. Zwar wird ein Großteil des Schleims in den Magen transportiert und dort unschädlich gemacht, es kann aber auch passieren, dass Keime nach dem Hochziehen in die verschiedenen Atemwege gelangen. Dort können sie wiederum die Entstehung einer Bronchitis fördern.

E-Zigaretten sind gesünder als normale Zigaretten

Dass Zigaretten gesundheitsschädlich sind, kann nicht bestritten werden. Seit einiger Zeit gibt es für Raucher allerdings noch eine Alternative: Das "Dampfen" von E-Zigaretten. Viele Menschen sind seither von den herkömmlichen Zigaretten auf die elektronischen Dampfgeräte umgestiegen. Nicht nur der angenehmere Geruch wird hier als Vorteil angesehen, sie gelten generell als gesünder.

Tatsächlich konnten Studien dies bereits in Bezug auf bestimmte Aspekte belegen. Vor allem ein Punkt schlägt positiv zu Buche: Beim Dampfen können Liquids genutzt werden, die frei von Nikotin sind. Neben weiteren Schadstoffen ist dieser beim herkömmlichen Rauchen jener, der am bekanntesten und für zahlreiche gesundheitliche Beeinträchtigungen verantwortlich ist. Beim "Dampfen" kann also Rauchgenuss ohne schädliches Nikotin stattfinden.

Ob am Ende auch das Rauchen von E-Zigaretten körperliche Schäden hervorrufen kann, lässt sich aktuell nicht eindeutig sagen. Dazu werden noch weitere Langzeitstudien abzuwarten sein, die über einen längeren Zeitraum als drei Jahre laufen. 

Sport lässt die Kilos purzeln

Auch dieser Mythos ist fast jedem bekannt: Wer genügend Sport treibt, verliert auch an Gewicht. Er nimmt also ab. Doch alle diejenigen, die sich genau deswegen zum Sport motivieren, sind beim ersten Blick auf die Waage sicherlich schnell frustriert. So ist es keineswegs unüblich, dass die Waage zunächst das eine oder andere Kilo mehr anzeigt, nachdem eine Woche hart trainiert wurde. Auch ein gleichbleibendes Gewicht kann das Resultat von Sport sein. Schuld daran sind die Muskeln. Es ist tatsächlich so, dass Muskeln ein deutlich höheres Gewicht haben als Fett. Sport fördert den Muskelaufbau und sorgt damit dafür, dass der gewünschte Abnehmeffekt ausbleibt.

Übrigens ist es auch nicht so, dass Essen am Abend pauschal auf die Hüften geht. Ausschlaggebend dafür ist immer, wie viel Kalorien über den Tag hinweg verzehrt werden. Wer mehr Kalorien zu sich nimmt als er verbraucht, speichert diese als Fett.

Wer viel Karotten isst, kann besser sehen

Wer als Kind so seine Probleme mit Karotten hatte, wird sicherlich manches Mal gehört haben, dass sich der Verzehr von Karotten auszahlt. Immerhin sorgen sie dafür, dass man deutlich besser sehen kann. Aber stimmt es wirklich, dass Karotten eine Sehschwäche vermeiden bzw. ihr entgegenwirken können? Dem ist nicht so. Besonders gesund sind Karotten aber trotzdem, denn sie enthalten sehr viel Vitamin A. Dieses wird vom Körper wiederum benötigt, um den Unterschied zwischen hell und dunkel auszumachen.

Übrigens ist es richtig, dass Fett, z.B. die Butter an den Möhren, das Aufspalten des beta-Karotin begünstigt, man kann Möhren aber auch roh verspeisen, der Verdauungstrakt muss sich dann nur etwas mehr Mühe geben, das Vitamin A zu extrahieren. Allerdings sind nicht nur Karotten reich an Vitamin A. Gleiches trifft auch für andere Gemüsesorten zu. Es gibt sogar einige Gemüsesorten, die noch deutlich mehr Vitamin A enthalten. Hierzu gehören vor allem Salat, Kohl und Spinat.

Apropos Spinat: Enthält dieser wirklich besonders viel Eisen und ist deswegen für die individuelle Gesundheit unerlässlich? Auch hier haben sich manche Eltern schon am Mythos bedient, um den Nachwuchs zum Gemüseessen zu bewegen. Grundsätzlich ist in Spinat nicht viel mehr Eisen enthalten als beispielsweise in Karotten und Champignons. Zur gesunden Ernährung gehört er aber trotzdem definitiv dazu. Spinat ist immerhin reich an vielen wichtigen Nährstoffen, zu denen allen voran verschiedene Vitamine, Eiweiß und Mineralien gehören.

Nächtliche Lektüre schadet den Augen

Ein gutes Buch kann hin und wieder durchaus so spannend sein, dass es sich nur schwer aus der Hand legen lässt. Also wird auch in den Nachtstunden zur Taschenlampe gegriffen, um noch die eine oder andere Zeile unter der Bettdecke zu lesen. Für Kinder zieht das oft eine Standpauke der Eltern nach sich, immerhin schadet das Lesen bei Taschenlampenlicht den Augen und verschlechtert die Sehkraft. Alle Leseratten können jetzt aufatmen. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die Augen lediglich müde werden, weil die Anstrengung höher ist. Die Sehkraft an sich muss dadurch aber nicht an Leistung einbüßen.

Trotzdem machen sich die müden Augen bemerkbar. Sie sorgen nämlich dafür, dass die Schrift verschwimmt, weiterhin können die Augen schmerzen. Häufig zieht die enorme Anstrengung auch unangenehme Kopfschmerzen nach sich. 

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