Großstadt vs. Landleben: Eine Gegenüberstellung

Landflucht ist ein deutschlandweites Phänomen. Im Osten ist sie besonders stark ausgeprägt. Da stellt sich die Frage nach den Ursachen und ob es sich in der Stadt wirklich besser lebt.

Wer aus einem Dorf in Ostdeutschland kommt, dem dürfte das Problem nur allzu bekannt sein: Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Städte. In einigen Dörfern bleiben nur noch vereinzelt bewohnte Häuser zurück, während immer mehr Gebäude zu verfallen drohen. Die Immobilien- und Mietpreise fallen auf ein Rekordtief, trotzdem bleibt die Nachfrage aus. Scheinbar will niemand mehr auf dem Land wohnen. Aber stimmt das überhaupt?

Tatsächlich sind es vor allem die jungen Leute, welche in die größeren Städte ziehen. Wenig überraschend, verzeichnen daher Leipzig und Dresden, aber auch Berlin, Jena und Potsdam, seit vielen Jahren einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. Demgegenüber wird der ländliche Raum nach und nach entvölkert, denn die Jungen gehen und Alten sterben. Was drastisch klingt, ist im Osten längst Realität. Was bleibt, ist die Frage nach den Gründen für die Landflucht.

Der Osten ist auf "Wanderschaft"

Zu Zeiten des Mauerfalls war die Bevölkerung in Ostdeutschland durchschnittlich zwei Jahre jünger als die im Westen. Das änderte sich allerdings bald, denn bereits im Jahr 1990 wanderten rund 1,8 Millionen Einwohner in die westlichen Bundesländer ab. Zwar erholt sich die Bevölkerungsstruktur langsam, jedoch nur in den städtischen Gebieten. Der Osten ist also nach wie vor auf Wanderschaft, wenn auch nicht mehr in westliche Richtung, sondern vom Land in die Städte.


Städte wie Leipzig bekommen immer mehr Zulauf - nicht nur aus dem Osten selbst. Bildquelle: Sina Ettmer

Denn Dresden, Leipzig und andere Großstädte im Osten haben sich in den vergangenen Jahren zu attraktiven Wirtschaftsstandorten gemausert. Dementsprechend sind sie gerade für junge Leute interessant(er) geworden. Während der Anteil der 50- bis 64-Jährigen im Osten durchschnittlich besonders hoch ist, bilden die Großstädte mit ihrem hohen Anteil der 18- bis 29-Jährigen eine Ausnahme.

Hier finden die jungen Leute Arbeitsplätze, eine bessere Infrastruktur und etliche andere Dinge, nach denen sie an ihrem derzeitigen Wohnort auf dem Land mitunter vergeblich suchen. Tatsächlich lässt sich also beobachten, dass die Abwanderung aus den neuen Bundesländern stoppt. Allerdings stehen die kleinen Dörfer und ländlichen Gegenden nach wie vor als große Verlierer dar. 

Was junge Menschen in der Großstadt suchen

Die bereits erwähnten Arbeitsplätze sind natürlich ein wichtiges Argument für den Umzug in die Stadt, wenn nicht sogar das wichtigste. Arbeitsplätze gibt es aber durchaus auch in vielen ländlichen Regionen. Zudem gäbe es die Möglichkeit, in der Stadt zu arbeiten, aber weiterhin auf dem Land zu wohnen. Doch es gibt noch weitere Gründe, weshalb viele junge Menschen ihre Heimatdörfer verlassen und in die größeren Städte ziehen. Was lockt sie noch an, die jungen Generationen?

Es scheint vor allem der "Lifestyle" in der Großstadt zu sein, welcher auf jüngere Menschen attraktiver wirkt, als jener auf dem Land. In der Großstadt

  • finden sich schneller neue soziale Kontakte
  • ein aufregendes Nachtleben will erkundet werden
  • unzählige Freizeitangebote locken
  • kulturell ist mehr geboten
  • die Lebensqualität ist im Allgemeinen höher

Hinzu kommt natürlich auch, dass es nicht nur mehr Arbeitsplätze, sondern auch mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, als auf dem Land. Nicht zu vergessen sind bei alledem die vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten der Großstädte in den östlichen Bundesländern im Gegensatz zu jenen im Westen.
 
Aus diesem Grund erfahren gerade Leipzig, Dresden und Jena längst nicht nur einen Zuzug aus der eigenen Region, sondern sogar aus den alten Bundesländern. Vor allem Studierende kommen mittlerweile gerne in die bekanntesten Städte des Ostens, schließlich sind sie schön, günstig und stehen den westlichen Großstädten auch sonst in nichts nach.

Die Großstädte wachsen - auch durch Geburten

Es gibt noch einen weiteren Grund für die steigenden Bevölkerungszahlen in den ostdeutschen Städten, allen voran in Leipzig: Die Geburtenraten sind hier überdurchschnittlich hoch. Zwar wurden 2019 etwa in Leipzig mit 6.444 Geburten 335 Kinder weniger geboren, als noch im Vorjahr, die Zahl ist im deutschlandweiten Vergleich allerdings immer noch enorm hoch. 
Die Zuzügler kommen also längst nicht nur zum Studieren oder um in der Großstadt einige "wilde" Jahre zu verbringen. Sie werden dort oftmals auch sesshaft, gründen eine Familie und ziehen in einigen Fällen nicht mehr zurück aufs Land. Doch es lässt sich auch ein Gegentrend beobachten.

Zurück aufs Land? Immer häufiger eine Option!

Zwar gibt es für junge Menschen scheinbar viele gute Gründe, um in die Stadt zu ziehen. Tatsächlich aber lernen auch viele Jüngere die Vorzüge des Dorflebens wieder zu schätzen. Sie kehren bewusst zurück in die ländlichen Regionen. Die Aussicht auf mehr Natur und bessere Luft, weniger Lärm und Stress und einen allgemein entspannteren Alltag passt zum Entschleunigungstrend der vergangenen Jahre.


Die Sächsische Schweiz - für viele Menschen als Beispiel doch eine Verlockung, aufs Land zu ziehen. Bildquelle:  luiwhr

Einige Familien suchen dabei den Kompromiss und wählen Dörfer in der Nähe von Großstädten. Andere möchten bewusst so weit weg von jeder Zivilisation wie möglich leben. Auch in dieser Hinsicht haben die ostdeutschen Bundesländer bekanntlich jede Menge zu bieten. Gerade im Zuge der Landflucht, gibt es schließlich viele "entvölkerte" Gebiete inmitten wunderschöner Naturlandschaften - man denke etwa an die Sächsische Schweiz. Auch der Trend der Rückbesinnung zur Natur und der Suche nach einem Heim auf dem Land lässt sich übrigens bundesweit beobachten. Es gibt somit für beide Lebensweisen gute Argumente. Eine detaillierte Gegenüberstellung ist daher durchaus interessant.

Stadt vs. Land - Pro und Contra der Lebensmodelle

Die Landflucht ist real, die Stadtflucht aber auch. Viele Vertreter der Generation Y, die sich nun im klassischen Alter der Familiengründung befinden, entscheiden sich nämlich dafür, nach einigen aufregenden Jahren in der Großstadt doch (wieder) aufs Land zu ziehen. Manchmal kehren sie zurück in ihre Heimat, ein anderes Mal suchen sie sich bewusst einen anderen Ort aus. Hauptsache, man ist in der Natur - so scheint in jedem Fall das Motto zu lauten. Angenommen also, ein "Landflüchtling" würde auf einen "Statdflüchtling" treffen und Argumente austauschen, wie sähen diese aus?

Die Lebensqualität

Stadt: Viele Städte, vor allem in Ostdeutschland, haben eine hohe Lebensqualität zu bieten. Nicht ohne Grund gelten Dresden und Leipzig als zwei der schönsten Städte Deutschlands. Sie bieten eine wunderschöne Architektur und ein breites Kulturangebot. Gleichzeitig leben viele Studierende in den Städten, was diverse junge Szenen mit sich bringt. Sich nach der Lern- und Arbeitszeit kreativ austauschen, gemeinsam feiern oder in einem der zahlreichen Parks grillen - so oder so ähnlich sieht der Alltag vieler junger Studierender aus.


Kulturangebote sind in der Stadt deutlich mehr vorhanden, als auf dem Land. Bildquelle: STEKLO_KRD 

Aber auch, wer bereits mit beiden Beinen im Berufsleben steht, profitiert von hervorragenden Karrierechancen und einem großen Freizeitangebot. In der Stadt gibt es hinsichtlich der Lebensqualität also vor allem eines: Abwechslung. Hier findet jeder genau das, wonach er sucht.

Land: Auf dem Land sind die Möglichkeiten sicherlich eingeschränkter. Das bedeutet aber nicht unbedingt gleich eine geringere Lebensqualität. Denn vor allem, wer sich gerne und viel in der Natur aufhält, der kommt hier deutlich mehr auf seine Kosten als in der Großstadt. Schließlich kann kein städtischer Park mit der Ruhe eines großen Waldes in ländlichen Regionen mithalten. Hier gibt es vielleicht keine Clubs und zum Kino müssen mitunter mehr als zwanzig Kilometer mit dem Auto zurückgelegt werden.

Dafür gibt es aber eben Entspannung in der Natur, Wanderungen auf hohe Berge oder gemütliche Sommertage an einem natürlichen Badesee gleich um die Ecke. Wer gerne nach Feierabend draußen sportlich aktiv ist und abseits vom Verkehrslärm spontan Radfahren oder Skitouren machen will, ist auf dem Land besser aufgehoben. 

Die Mobilität

Stadt: Die Mobilität ist in der Stadt ein großer Vorteil. Größere Städte bieten in der Regel ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem sind die Anbindungen von Bus und Bahn hervorragend. Häufig gibt es sogar einen Flughafen in der Nähe. Jeder Ort, sei es in der eigenen Stadt, in ganz Deutschland oder gar international, lässt sich daher vergleichsweise einfach und oftmals schnell erreichen.

Durch die öffentlichen Verkehrsmittel lässt sich zudem die Investition in ein eigenes Auto vermeiden. Unterm Strich spart man damit eine Menge Geld. In einigen Städten wird sogar bereits mit kostenfreiem öffentlichem Nahverkehr experimentiert. Allerdings muss hier noch weiter diskutiert werden, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen können. Ob sich das Modell durchsetzt, ist derzeit noch fraglich.

Steht kein eigenes Auto zur Verfügung kann es natürlich schwierig werden, die Stadt zu verlassen und in die Natur zu fahren. Der Mangel an Parklätzen macht das Auto in der Großstadt jedoch unattraktiv. Die Mobilität ist also ein zweischneidiges Schwert. 

Land: Auf dem Land ist es ähnlich kompliziert. Einen öffentlichen Nahverkehr gibt es hier in der Regel nicht und wenn doch, dann ist dieser nur schlecht ausgebaut. Das macht ein eigenes Auto unverzichtbar. Gerade für junge Menschen kommt damit ein nicht unerheblicher Kostenfaktor dazu. Dafür sind die Landbewohner mit dem eigenen Fahrzeug flexibler und können selbst bestimmen, wann sie wohin fahren möchten.
 
Ausflüge in die Natur sind damit kein Problem und auch die nächstgelegene Stadt lässt sich gut erreichen. Für ältere Personen, die unter Umständen nicht mehr selbst fahren können, ist das jedoch ein Problem. Sie sind hinsichtlich ihrer Mobilität dann auf Hilfe angewiesen.

Arbeitsplätze

Stadt: Für viele Menschen sind die Arbeitsplätze der wichtigste oder sogar der einzige Grund dafür, in eine Großstadt zu ziehen. Schließlich gibt es hier eine deutlich größere Auswahl an möglichen Arbeitgebern und Jobs. Häufig müssen die jungen Leute sogar für ihre Ausbildung oder ihr Studium umziehen, um später den gewünschten Berufsweg einschlagen zu können. Denn in ihrem Heimatort gibt es nun einmal meist keine Möglichkeiten hierfür.


Arbeitsplätze finden sich in der Großstadt ebenfalls deutlich mehr und schneller, als auf dem Land. Bildquelle: PointImages

Nicht immer ist die Entscheidung, in die Stadt zu ziehen, daher freiwillig. Ist sie für die Karriere förderlich, wird sie trotz einer eventuellen Liebe zum Land aber eben oftmals gefällt. 

Land: Auf dem Land gibt es deutlich weniger Arbeitsplätze. Hier sind es vor allem Branchen, wie die Pflege und Medizin, das Handwerk oder der Einzelhandel, welche als hauptsächliche Arbeitgeber dienen. Die Möglichkeiten sind daher stark eingeschränkt und wer nicht als Lehrer*in, Schreiner*in, Krankenpfleger*in, Verkäufer*in oder Bäcker*in arbeiten möchte, hat kaum eine Möglichkeit auf ein erfülltes Berufsleben.

Allerdings sind gerade erwähnte Branchen stark vom Fachkräftemangel betroffen und bieten somit in vielen ländlichen Regionen exzellente Perspektiven. Wer sich beispielsweise als Handwerkermeister selbständig macht, kann mitunter durchaus eine erfolgreiche Karriere verzeichnen - erfolgreicher zumindest als im Konkurrenzkampf der Großstadt. Zudem ist heutzutage auch Remote Work ein durchaus gängiges Konzept.
 
Mischmodelle, wie die Anstellung in einer Großstadt, bei der aber ganz oder teilweise im Homeoffice auf dem Land gearbeitet wird, sind also in vielen Fällen denkbar. Die Möglichkeiten rund um Arbeitsplätze auf dem Land werden also in Zukunft vielfältiger - zurzeit jedoch bietet die Stadt einfach mehr.

Das Einkommen

Stadt: Obwohl das Einkommen in den östlichen Bundesländern im Vergleich zum Westen unterdurchschnittlich ist, gibt es dennoch größere regionale Unterschiede. Natürlich hängt es stets vom Beruf, dem Arbeitgeber, der Branche und anderen Faktoren ab. Doch prinzipiell sind die Verdienstchancen in den Städten größer als auf dem Land. Das höhere Einkommen ist somit für viele (junge) Menschen ein wichtiges Argument dafür, in die Stadt zu ziehen.

Land: Wie bereits erwähnt gibt es zwar auch auf dem Land attraktive Arbeitsplätze oder die Möglichkeit zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Doch im Durchschnitt liegt das Einkommen unter jenem in der Stadt. Das gilt vor allem, wenn gleiche Jobs miteinander verglichen werden. So verdient ein Grafikdesigner in einer dörflichen Agentur meist deutlich weniger als in einem städtischen Großkonzern.
 
Vergessen werden darf natürlich nicht, dass das Einkommen auch stets in Bezug zu den Lebenshaltungskosten gesetzt werden muss. Diese sind auf dem Land natürlich meist auch deutlich geringer, als in der Stadt. 

Die Lebenshaltungskosten

Stadt: In der Stadt verdienen die Einwohner zwar mehr, jedoch haben sie auch höhere Ausgaben. Das beginnt bei den Miet- und Immobilienpreisen und endet bei den Lebensmitteln oder Freizeitmöglichkeiten. Der Eintritt ins Kino, das Konzert im Stadthaus oder das Bier in der Kneipe um die Ecke: In der Stadt ist das alles meistens teurer. Nicht immer bleibt daher unterm Strich tatsächlich mehr Geld übrig als auf dem Land.

Land: Denn auf dem Land ist fast alles günstiger. Die Miet- und Immobilienpreise sind noch bezahlbar(er) und die Lebensmittel können (sogar oft frisch) beim Bauern um die Ecke manchmal günstiger gekauft werden, als im Supermarkt. Die Freizeitmöglichkeiten sind zwar eingeschränkt, doch im Regelfall ebenfalls günstiger. Zudem gibt es viele Optionen, die Freizeit kostenlos zu gestalten. Gerade eben Outdoor-Aktivitäten stehen hoch im Kurs, wie das Wandern oder der Fahrradausflug mit der Familie.

Das Soziale

Stadt: Was das Soziale angeht, gibt es in den Städten natürlich zahlreiche Vorteile. Hier leben schlichtweg mehr Menschen auf kleinerem Raum, sodass es deutlich einfacher ist, neue Freunde zu finden. Wer von Weiter her kommt, findet in Städten schneller "Anschluss", als auf dem Land. Allerdings wird immer wieder bemängelt, dass Freundschaften und Beziehungen in Großstädten oberflächlicher und damit weniger erfüllend seien als auf dem Land. Das ist natürlich Ansichtssache.


Auch auf Dorffesten auf dem Land lassen sich soziale Kontakte knüpfen. Angeblich sind diese außerdem oft nicht so oberflächlich, wie in der Großstadt. Bildquelle: schulzfoto

Fest steht allerdings: Gute Beziehungen zu anderen Menschen sind auch für die Gesundheit wichtig und wenn man nicht in der Lage ist, solche zu finden und zu pflegen, ist der gewählte Wohnort vielleicht nicht der geeignetste. 

Land: In ländlichen Gegenden wohnen weniger Menschen. Das bedeutet eine größere räumliche Entfernung und weniger Möglichkeiten, um Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu schließen oder einen potenziellen Partner kennenzulernen. Vor allem, wer alleine und ohne Familie aufs Land zieht, fühlt sich mitunter einsam - zumindest zu Beginn. Doch auch hier lassen sich natürlich Kontakte zu knüpfen. Schlussendlich hängt es auch von der eigenen Persönlichkeit ab, wie introvertiert oder extrovertiert jemand ist oder wie leicht man über den eigenen Schatten springen und sich aktiv um soziale Kontakte bemühen kann.

Nachhaltigkeit

Stadt: Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt im Leben vieler Menschen an Bedeutung. Es geht darum, möglichst umwelt- und klimafreundlich zu leben. Am besten in allen Bereichen. Gerade nachhaltig produzierte und transportierte Lebensmittel, nachhaltiger Wohnraum und nachhaltige Stromversorgung stehen hoch im Kurs.
 
Diesbezüglich gibt es zwar auch in der Stadt einige Vorteile, beispielsweise die bereits erwähnten öffentlichen Verkehrsmittel. Alles in allem schneidet die städtische Umgebung mit ihrer vergleichsweise hohen Luftverschmutzung, dem enormen Wasserbedarf und beispielsweise auch den geringen Grünflächen für den (eigenen) Lebensmittelanbau aber meist schlechter ab.

Land: Auf dem Land ist es einfacher, nachhaltig zu leben. Es ist mehr Platz, um beispielsweise selbst Lebensmittel anzubauen oder Hühner zu halten. Die Häuser sind günstiger. Somit bleibt mehr Geld für Investitionen in etwa eine Solaranlage oder Wärmepumpe. Der Bezug zur Natur ist auf dem Land grundsätzlich oft größer - alleine schon wegen der Nähe zu ebendieser. Schneller ensteht das Gefühl: Wenn ich die Natur nicht schütze, verändert sich mein unmittelbarer Lebensraum. Der Schritt in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils ist auf dem Land daher oft einfacher getan.

Die Gesundheit

Stadt: Die Luftverschmutzung ist nicht der einzige Faktor, der das Leben in der Stadt ungesünder macht. Da wären auch noch der Lärm, die Hektik, die Menschenmassen und der ständige Drang dabei zu sein, wenn irgendwer etwas unternimmt oder eine Veranstaltung stattfindet. Mehr Möglichkeiten bedeuten oft auch mehr Stress und weniger Zeit für sich selbst. Gesünder lebt es sich daher meist auf dem Land.


Mit der jungen Familie in der Natur unterwegs - das tut Körper und Geist gut. Ein Pluspunkt fürs Land. Bildquelle: ARochau

Land: In ländlichen Regionen ist die Luft besser, es ist ruhiger und das Leben fühlt sich entspannter an. Das liegt auch an der Nähe zur Natur, denn jeder Gang durch die Natur wirkt sich auf unterschiedlichste Weise positiv auf die Gesundheit aus. Wer schnell im Wald ist, bewegt sich mitunter auch lieber noch eine Runde nach Feierabend. Schließlich läuft oder radelt es sich im Grünen einfach schöner, als auf Asphalt und umgeben von Autos und Straßenlärm. 

Der Aspekt Sicherheit

Stadt: Auch der Aspekt Sicherheit darf bei der Gegenüberstellung von Stadt und Land nicht fehlen, ist er doch gerade auch für viele Familien und ältere Menschen enorm wichtig. Zwar sind die Kriminalitätsraten in deutschen Städten überschaubar, doch da wäre zum Beispiel auch noch der Straßenverkehr, der für Ältere, aber auch Kinder nicht ungefährlich ist. So leben deutsche Familien zwar selbst in Großstädten vergleichsweise sicher, jedoch nicht so sicher wie auf dem Land.

Land: Denn auf dem Land können die Kinder oft problemlos alleine auf den Wiesen oder auch auf den kleinen Straßen spielen. Alte bewegen sich ebenfalls sicherer über Fußgängerüberwge und im Dorfzentrum. Weniger Verkehrsteilnehmer bedeuten weniger Unfälle. Auch die Kriminalitätsrate ist auf dem Land in der Regel äußerst gering. Zudem ist das Risiko kleiner, in schwierige Kreise zu geraten und dabei zum Beispiel zu früh mit einem unkontrollierten Umgang mit harten Drogen in Berührung zu kommen.

Fazit

In allen Punkte bringen die Stadt und das Land individuelle Vorteile, aber auch Nachteile mit sich. Es kann daher nicht pauschal gesagt werden, dass ein Lebensmodell für jeden Menschen besser sei als das andere. Stattdessen muss jeder selbst herausfinden, welche Argumente im individuellen Fall überwiegen.

Häufig findet in jungen Jahren eine Landflucht statt, resultierend aus der Sehnsucht nach Abenteuern, sozialen Kontakten und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Auch die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten sowie Karriereperspektiven locken häufig in die Stadt. Doch nach einigen Jahren, etwa wenn der Zeitpunkt der Familiengründung näherrückt, kommt es in vielen Fällen wiederum zu einer Stadtflucht. Dann nämlich sind die Ruhe der Natur, das stressfreiere Leben, die höhere Sicherheit und Lebensqualität für die Kinder und abdere Aspekte attraktive Argumente für das Land.


Die Arbeit im Home Office ermöglicht es vielleicht, auch auf dem Land eine Anstellung bei einem Unternehmen in der Großstadt zu finden. Derlei Möglichkeiten werden zahlreicher.  Bildquelle: Jürgen Fälchle

Außerdem entwickeln sich die Arbeitsmodelle weiter und somit könnten zwei Hauptargumente für die Stadt - das höhere Einkommen und die besseren Karriereperspektiven - bald wegfallen. Schon jetzt ist es in vielen Jobs möglich, in der Großstadt angestellt zu sein, aber im Homeoffice zu arbeiten - zum Beispiel auf dem Land. Somit könnte sich der Trend fortsetzen, dass immer mehr Familien eben doch in ländlichen Regionen bleiben oder dorthin zurückkehren.

Demgegenüber müssen viele ältere Menschen irgendwann - oft auch unfreiwillig - vom Land in die Stadt ziehen, da es auf dem Dorf an Mobilitätsmöglichkeiten und Pflegeeinrichtungen fehlt.
 
Daher ist die Entscheidung "Stadt oder Land" häufig keine endgültige. Sie wird stattdessen je nach Lebensphase immer wieder neu getroffen. Ländliche Regionen müssen sich verstärkt der Probleme annehmen, die sie nun einmal haben und versuchen diese zu eliminieren sowie sich durch verschiedene Aktionen attraktiver zu machen. Ob dann auch die "Wanderschaft" in Ostdeutschland vom Land in die Stadt eines Tages abnehmen wird, bleibt natürlich abzuwarten.