Gründen in schweren Zeiten: Chancen und Risiken

Turbulente Zeiten hat es immer gegeben - und wird es auch immer geben.

Die Bankenkrise 2007/2008 oder das Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende sind nur zwei Beispiele dafür, wie dramatisch sich Märkte quasi über Nacht ändern können. Viele Verbraucher und Unternehmen sehen in diesen Situationen zuerst die Risiken. Etablierte Unternehmen aus dem Mittelstand und Konzerne haben oft Probleme, mit den neuen Zeichen der Zeit umzugehen.

Macht der Schritt Richtung Existenzgründung in einem solchen Umfeld überhaupt Sinn? Gerade, wenn die Wirtschaft schwächelt, versucht doch jeder das rettende Ufer zu erreichen. Aus einem Beschäftigungsverhältnis ausscheren und volles Risiko gehen - auf den ersten Blick wirkt das Ganze unsinnig. In der Praxis kann gerade jetzt das Start-Up Erfolg haben. Krisen haben nicht nur Nachteile, sie bieten Gründern auch viele Möglichkeiten - wenn diese wissen, wo die Chancen stecken und wie sie sich nutzen lassen.

Chancen einer Firmengründung in schweren Zeiten

Was macht die Dramatik einer schweren Krise aus? Es ist die Unsicherheit, wie es weitergeht. Unternehmen brauchen - um sich langfristig erfolgreich entwickeln zu können - eine gewisse Planungssicherheit. Dieses Jahr belaufen sich die Umsätze auf Summe X, im nächsten Jahr wird dieser Wert noch einmal um 10 Prozent steigen. Mit diesem zusätzlichen Kapital wird investiert, es werden neue Jobs geschaffen und das Unternehmen wächst.

In wirtschaftlich unruhigen Zeiten werden solche "Planspiele" mit einem Federstrich weggewischt und nichts ist mehr sicher. Unternehmen sind sich plötzlich bewusst, dass die finanziellen Polster doch nicht reichen. Kurzarbeit oder das Zurückstellen von geplanten Investitionen sind nur zwei mögliche Reaktionen.

Zu den Herausforderungen in Krisen gehören:

  • Verminderung der Nachfrage
  • Mangel an Liquidität
  • Behördlich angeordnete Werksschließungen.

Gerade letztgenannter Aspekt ist ein massiver Eingriff in unternehmerische Rechte und wird in der Regel nur im Zusammenhang mit extrem schweren Krisen angeordnet.

Welche Chancen bieten sich in diesem Zusammenhang? Im Rahmen wirtschaftlicher Krisen kommt es zu einer Marktbereinigung. Gerade Unternehmen, die bereits vor der Krise angeschlagen waren, werden verschwinden. Außerdem verschiebt sich auch das Konsumentenverhalten. Gerade, wenn die öffentliche Ordnung von Krisen erfasst wird, ziehen sich Verbraucher zurück, was speziell den Onlinehandel stärkt. Außerdem tut die Politik in solchen Situationen alles, um die Wirtschaft zu stützen - was Fördermittel und Konjunkturhilfen einschließt.

Chancen einer Krise im Überblick:

  • Konkurrenz durch Wettbewerber kleiner   
  • Zusätzliche Mittel durch Konjunkturhilfen
  • Nachfrage verschiebt sich in neue Kanäle/Märkte

Aber auch die Kostenfaktoren werden durch Krisen möglicherweise positiv beeinflusst. Beispiel Marketing: Werbekosten werden unter anderem durch die Nachfrage nach Werbeplätzen beeinflusst. Weniger Konkurrenz bedeutet, dass die Preise für Werbung sinken können. Und an noch einem Punkt werden Effekte spürbar. Mit Unternehmenspleiten brachen Immobilienbesitzern Einnahmen weg. Vermieter räumen aufgrund dieser Situation günstigere Mieten ein. Hier lässt sich schnell erkennen: Eine Krise bringt viele Probleme, aber auch immer Chancen mit sich.

Tipp: Dank der Delle in der Nachfrage bieten viele Unternehmen und Dienstleister Produkte günstiger an. Hiervon lässt sich im Rahmen der Unternehmensgründung in jedem Fall profitieren. Dies senkt die Eintrittskosten in den Markt mitunter deutlich.

Besondere Risiken erkennen

Wo Licht, da fällt auch Schatten - wer sich in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten für eine Existenzgründung entscheidet, braucht gute Nerven. Es gibt Risiken, welche klar sein müssen. Diese immer im Auge zu behalten gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten, die Gründer mitbringen müssen.

Was wird sich in Bezug auf die Gründung des Start-Ups besonders bemerkbar machen? Grundsätzlich gelten die Standardrisiken, welche in wirtschaftlich robusten Phasen zu beachten sind, auch in der Krise. Hierzu gehören finanzielle Risiken, welche sich unter anderem aus der Wahl der Unternehmensform herleiten lassen.

Aber auch Aspekte wie formelle Fehler in der Gründung können dem Start-Up "auf die Füße" fallen - wenn sich beispielsweise das Finanzamt beim Gründer meldet. Auf der anderen Seite gibt es einige sehr spezielle Risiken. Ein großes Problem kann das Nachlassen der Nachfrage werden. Gerade, wenn es zu einem kombinierten Angebots- und Nachfrageschock kommt, sind die Risiken schwer einzuschätzen.

Gründer müssen aber auch im Auge behalten, dass die Liquidität zu einem Nadelöhr werden kann. In Krisenzeiten sind Banken oft vorsichtiger, was die Kreditvergabe betrifft. Hier ist eine Lösung, sich mit Förderungen auseinanderzusetzen - oder einfach auf alternative Finanzierungsformen zurückzugreifen.

Wie lässt sich das Ganze möglichst einfach gestalten?

Das Thema Gründen in der Krise ist spannend und komplex zugleich. Wer es als Existenzgründer schafft, diese Bewährungsprobe zu überstehen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der Zeit danach erfolgreich sein. Um die Hürden und Hindernisse zu meistern, braucht es vor allem eine solide Planung. Einzelne Schritte müssen im Detail vorbereitet werden.

Dies gilt für die rechtlichen Voraussetzungen der Gründung, aber auch Aspekte des initialen Marketings. Bei diesen umfangreichen Vorarbeiten den Überblick zu behalten ist mitunter schwierig. Gründer müssen nicht unbedingt alle Schritte allein in Angriff nehmen. Gründungsberater nehmen Start-Ups dabei sehr viel Arbeit in der Vorbereitung ab, der Vorteil: Existenzgründer können somit ihre Energie in den Aufbau des Unternehmens investieren, anstatt sich mit diversen Nebenschauplätzen  auseinandersetzen zu müssen. Und das Ganze hat noch einen Vorteil: Zeit, die Gründer für den Weg durch den Behördendschungel investieren, macht sich nicht bemerkbar. Die Kosten einer Gründungsberatung dagegen schon.

Fazit: Auch Krisen bieten Gründern Chancen

2019 haben laut KfW Gründungsmonitor mehr als 250.000 Existenzgründer mit dem eigenen Start-Up den Weg Richtung Unabhängigkeit gesucht. Wie sich die Situation 2020 entwickeln wird, steht in den Sternen. Durch die Sars-CoV-2 Pandemie ist die Wirtschaft ins Schlingern geraten. Trotz aller Risiken, die sich hieraus ergeben, können solche Krisen auch eine Chance sein. Dass Turbulenzen auch Chancen bieten, haben die zurückliegenden Krisen gezeigt. Auch in der Banken- und Staatsschuldenkrise sind Start-Ups entstanden, die heute etablierte Unternehmen sind. Es gibt also durchaus Gründe, in Krisen nicht nur die negativen Aspekte wahrzunehmen, sondern sich auch mit den Möglichkeiten und Chancen etwas intensiver auseinanderzusetzen.