Herbst - Ende, aber auch Ziel

Wort zum Sonntag

Noch vor wenigen Tagen prangte die Natur in allen Farben des Herbstes: Gold, sämtliche Brauntöne bis zum tiefsten Rot; es war wie ein Sieg, eine letzte Fanfare des Jahres. Nun stehen die Bäume kahl und es scheint, sei seien gestorben. Und Nebel werden kommen und Dunkelheit und das will uns bedrücken. - Was im Frühjahr gesät und geblüht, im Sommer gereift und gefruchtet hat, ist nun ans Ziel gekommen: der Herbst und der Winter gehören dazu. Ob uns dieses eine Ahnung vermittelt: nein, es ist nicht das Ende, sondern Ziel und Vollendung. Ein Dichter unserer Tage fasst es in die Worte:

"Tod und Vergehen waltet in allem, steht über Pflanzen, Menschen und Tier, Sternbild und Zeit" und nun wird's zum Gebet: "Du hast ins Leben alles gerufen; Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode, hole sie heim! Schenke im Ende auch die Vollendung; nicht in die Leere falle die Vielfalt irdischen Seins!"

Ja, der Gang zu den Gräbern am am Totensonntag gehört dazu! Johann Sebastian Bach lässt im Schlusschor seines Weihnachtsoratoriums zur Weise des Leidensliedes die Fanfaren schmettern: "Nun seid ihr wohl gerochen an eurer Feinde Schar, denn Jesus hat zerbrochen, was euch zuwider war: Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt: bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht." Norbert Weinhold,Pfarrer i.R.