Die große Stärke des Chemnitzer FC unter Benjamin Duda war in der letzten Saison, dass sein Team nur ganz schwer zu bezwingen war. Nach Amtsantritt wurden nur vier von 27 Spielen in der Regionalliga-Nordost verloren. In der aktuellen Spielzeit ist dieser Nimbus - aus unterschiedlichen Gründen - eingebrochen, weswegen die Himmelblauen mit 25 Punkten (6 Siege, 7 Unentschieden, 6 Niederlagen) auf dem zehnten Platz überwintern. CFC-Sportdirektor Chris Löwe fordert für die Restrückrunde: "Unabhängig vom Ergebnis müssen wir verlässlicher unser Leistungspotenzial abrufen. Es fehlt schlichtweg die Konstanz."
Zickert hinterlässt große Lücke
Bereits vor dem ersten Spieltag gab es den himmelblauen Sportdirektor eine bittere Botschaft. Mit Robert Zickert musste der Stabilisator der Viererkette aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere vorzeitig beenden. "Wir waren darauf ehrlich gesagt nicht vorbereitet, und das hatte sicher einen massiven Einfluss auf die gesamte Statik unseres Spiels und auch auf die Hierarchie in der Kabine", so der 36-Jährige.
Zum Saisonauftakt gegen den Greifswalder FC, der 1:0 gewonnen wurde und mit dem fünften Rang für die beste Platzierung sorgte, konnte die riesige Lücke erst einmal kompensiert werden. Im weiteren Saisonverlauf zeigte sich die - oftmals wechselnde - Defensive anfälliger, was sich in 29 Gegentoren widerspiegelt. CFC-Schlussmann Daniel Adamczyk konnte dennoch fünfmal seinen Kasten sauber halten. "Die höhere Anzahl an Gegentoren liegt aber nicht allein an der Abwehr. Defensivarbeit beginnt ganz vorne - sie ist immer Aufgabe der gesamten Mannschaft", konstatiert Löwe.
Verbesserte Heimbilanz
Die Himmelblauen haben bis dato erst eine Heimniederlage hinnehmen müssen. Am vierten Spieltag spielte die zweite Mannschaft des 1. FC Magdeburg - unterstützt mit Spielern aus der ersten Mannschaft - im "eins-Stadion - An der Gellertstraße" groß auf und siegte mit 4:2. Dem gegenüber stehen vier Heimsiege. Der eindrucksvollste war das 3:0 gegen den Aufstiegsaspiranten Hallescher FC. Weiterhin gab es Dreier gegen die BSG Chemie Leipzig (1:0) und Hertha 03 Zehlendorf (2:1). Des Weiteren mussten sich die Duda-Schützlinge fünfmal die Punkte teilen - in drei dieser Fälle traf der CFC in der Schlussphase, einmal kassierte er in der allerletzten Minute den Ausgleich. Das geschah am elften Spieltag gegen den FC Eilenburg.
Punkte der Moral
Gegen Chemie Leipzig war Neuzugang Jonas Marx in der 86. Minute erfolgreich und sorgte vor 8.143 Zuschauern für den späten Heimsieg. Gegen die beiden BFC-Teams war es jeweils Dejan Bozic vom Elfmeterpunkt vorbehalten. Gegen Aufsteiger Preussen war es die 94. Minute, gegen Dynamo die 85. Minute. Im letzten Spiel vor der Winterpause gegen den FSV 63 Luckenwalde erzielte Kapitän Tobias Müller in der 94. Minute den 3:3-Ausgleich. Damit korrigierten die Himmelblauen den 0:3-Pausenrückstand. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir es uns in bestimmten Phasen der Saison immer wieder selbst schwer gemacht haben", resümiert Löwe.
Auswärts wiederum wurde auch noch einmal ein Last-Minute-Comeback gefeiert. Am neunten Spieltag konnte durch Tore von Tom Baumgart und Domenico Alberico ein beachtlicher Punktgewinn beim FC Rot-Weiß Erfurt gefeiert werden. Insgesamt fällt die Auswärtsbilanz recht ernüchternd aus.
Auswärtsschwäche mündet im Bezirksderby-Desaster
Beim SV Babelsberg (1:0) und ZFC Meuselwitz (4:1) wurde gewonnen. Das zweite Remis in der Fremde holten die Sachsen beim Greifswalder FC (0:0). Die restlichen fünf Auswärtsspiele gingen allesamt verloren. In Erinnerung bleibt - neben dem Skandalspiel beim FC Carl-Zeiss Jena - vor allem der desaströse Auftritt beim FSV Zwickau. Im Bezirksderby ging der CFC bei den Schwänen mit 0:4 unter. Nach einer "ordentlichen ersten Halbzeit", folgte eine "eine bodenlose zweite", so Löwe. Neben dem Sportdirektor nahmen Leitfiguren wie Baumgart und Bozic kein Blatt vor den Mund und hinterfragten deutlich das kollektive Versagen. Nach dem Bezirksderby-Desaster folgte keine adäquate Reaktion mehr, sondern es ging mit drei Unentschieden in die Winterpause.
Neuzugänge mit Potenzial
"Wir haben im Sommer großen Wert daraufgelegt, unsere Offensive breiter aufzustellen, um mehr Optionen zu haben. Der Plan ist bislang aufgegangen: Wir verteilen Verantwortung für Tore und Vorlagen auf mehrere Schultern - und das zeigt sich auch in den Statistiken", betonte CFC-Sportdirektor Löwe. Von den 27 himmelblauen Toren gehen die meisten auf das Konto eines gestandenen Kickers. Bozic führt mit acht Treffern, fünf davon waren sicher verwandelte Elfmeter. Danach reihen sich - neben Tobias Müller (4) und Baumgart (3) - die Neuzugänge Maurizio Grimaldi (5), Alberico (3) sowie Marx und Johannes Pistol (2) ein. Damit verteilen sich die Treffer allerdings nur auf sieben von insgesamt 18 Feldspielern. Tobias Stockinger ist aktuell zwar noch ohne Treffer, allerdings lieferte der 25-jährige Mittelfeldspieler bereits fünf Vorlagen. Während sich Linksverteidiger Martial Ekui in seinen 18 Einsätzen größtenteils stabil zeigte, hatte Innenverteidiger Julius Bochmann in der Innenverteidigung immer wieder Probleme. Acht gelbe Karten sowie verschuldete Strafstöße trüben etwas das Bild.
Sperren & Verletzungen stellen Duda vor Startformationsprobleme
Auf der einen Seite haben es sich die Himmelblauen oftmals selbst schwer gemacht, auf der anderen war wieder Verletzungspech im Spiel. Die Duda-Schützlinge haben insgesamt 55 gelbe Karten gesehen. Nach Bochmann musste bis dato nur Niklas Erlbeck eine Gelbsperre absitzen. Baumgart verpasst als nächster deswegen das schwere Auftaktspiel bei der BSG Chemie Leipzig. Vier Spieler stehen aktuell bei vier gelben Karten. Unter anderem auch Bozic. Der 32-jährige Angreifer flog zudem zweimal - einmal wegen einer Tätlichkeit, einmal wegen wiederholtem Foulspiel - vom Platz. Baumgart und Leon Damer sahen eine rote Karte.
CFC-Trainer Duda musste aufgrund verschiedener Verletzungen seine Startformation immer wieder neu zusammenstellen. Unglücksrabe ist hierbei wieder einmal Erlbeck, der wegen einer Knieverletzung längerfristig nicht zur Verfügung stand. "In solchen Phasen mussten andere in diese Rollen schlüpfen und mehr Verantwortung übernehmen - das braucht Zeit. Wir können nicht jeden Leistungsträger ohne Anpassungsschwierigkeiten eins zu eins ersetzen, dafür ist unser Kader schlicht zu klein", erläutert Löwe.
Rekordsachsenpokalsieger steht gegentorfrei im Viertelfinale
Im "Wernesgrüner Sachsenpokal" gab sich der Rekordsachsenpokalsieger in keiner Runde eine Blöße und steht entsprechend standesgemäß im Viertelfinale, wo Oberligist FC Grimma wartet. Die Himmelblauen siegten souverän gegen den FC Blau-Weiß Leipzig (7:0), VfB Annaberg 09 (3:0) und Reichenbacher FC (6:0).
Im Trainingslager in der Türkei wird sich der Chemnitzer FC auf die Restrückrunde vorbereiten und dabei drei Testspiele bestreiten. Nach Rückkehr steht die Generalprobe gegen den VFC Plauen auf der Agenda.
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