Historische Villa erglänzt in neuem Charme

Kultur Chemnitzer "Quisisana" wurde 1875 erbaut und nun restauriert

Ingo Esche, dessen Ururgroßvater Eduard Leopold Beyer, erbaute die Villa. Foto: Georg Ulrich Dostmann

Am Samstag fanden sich rund 80 geladene Gäste in der Beyerstraße in Chemnitz ein, um die Wiedereröffnung der Villa "Quisisana" zu feiern. Der Name kommt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie "wo man sich erholt". Der Notar Arne Schwerd hat das Gebäude im Juni dieses Jahres gekauft und ließ es nach historischem Vorbild restaurieren.

Ein historisches Gebäude: 1875 erbaut

"Ich werde die Villa nicht als Wohngebäude nutzen, sondern bin mit meiner Notarkanzlei und sieben Angestellten eingezogen", sagt der neue Inhaber. Im Dachgeschoss ist außerdem noch ein Rechtsanwalt ansässig. Zudem ist es geplant, dass noch ein Steuerberater einzieht. Insgesamt gibt es in Chemnitz acht Notare. "Ich trete die Nachfolge von der Notarin Antje Jarzombski an, die sich in den Ruhestand verabschiedet hat", erzählt der 40-Jährige. Damit handelt es sich um die erste neue Notarstelle in Chemnitz seit Mitte der 1990er Jahre.

Die Villa Quisisana wurde 1875 von Eduard Leopold Beyer als sein Wohnhaus errichtet. Zu jener Zeit besaß er eine große Tintenfabrik gegenüber dem Gebäude. Geboren wurde er 1825 in Augustusburg. Nach seiner Ausbildung zum Apotheker übernahm er die Chemnitzer Löwen-Apotheke. Später war er mit der Herstellung von Kopiertinten erfolgreich und veranlasste den Bau seiner Fabrik. Darüber hinaus engagierte er sich politisch, indem er zahlreiche öffentliche Ämter bekleidete. 1907 verstarb er an der französischen Côte d'Azur, wo er wegen Lungenproblemen lebte.

Drei Jahre dauerte die Restauration

Die komplette Innenraumgestaltung der Villa wurde von Henry van de Velde entworfen. Dieser plante auch die berühmten Villen Esche und die Koerner. Ende des 19. Jahrhunderts übergab Eduard Leopold Beyer die Villa an seinen Schwiegersohn Richard Theodor Koerner, 1913 übernahm wiederum dessen Sohn Theo Koerner das Gebäude. Bis 1983 blieb die Villa schließlich im Familienbesitz, als es damals zur Enteignung kam. Zehn Jahre später erhielt die Familie das Bauwerk zurück, ließ es im Anschluss drei Jahre lang aufwendig sanieren und die Räumlichkeiten wurden gewerblich vermietet.

Bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung war auch Ingo Esche anwesend. Er ist der Ururenkel des Erbauers Eduard Leopold Beyer. "In der Villa selbst habe ich nie gewohnt, ich habe sie nur als einer von drei Erben mit verkauft", sagt der 76-Jährige. Als Geschenk überreichte er den neuen Eigentümern ein Bild seines Ururgroßvaters.