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Historischer Jahrestag im Erzgebirge

MOTORSPORT Vor 30 Jahren kam Enduro-WM erstmals nach Zschopau

Chemnitz/Zschopau. 

 1990 war ein sehr geschichtsträchtiges Jahr - vor allem durch die Wiedervereinigung Deutschlands politisch, aber auch motorsportlich gesehen. Im Enduro-Sport war neben den Six Days als Mannschafts-WM die Europameisterschaft von 1968 bis 1989 unter Obhut des Motorrad-Weltverbandes FIM das höchste Prädikat. 1990 wurde diese von der offiziellen (Einzel-)Weltmeisterschaft abgelöst und in sieben Läufen ausgetragen. Kurz vor dem gravierenden politischen Wandel hatte sich der Motorsportclub MZ Zschopau für einen Lauf beworben und machte trotz der nun neuen und sich weiterhin ständig verändernden Umstände keinen Rückzieher. Am 09. und 10. Juni 1990 war es dann schließlich soweit.

Dem Wetter getrotzt

Der erste Lauf zur Enduro-Weltmeisterschaft in Zschopau war im WM-Premierenjahr der vierte von sieben Saisonläufen. Nachdem beim EM-Lauf 1972 hier zuletzt ein echter internationaler Wind wehte, konnte man nun wieder die absolute Weltspitze hier begrüßen.

Das Veranstaltungszentrum mit Start und Ziel sowie Parc Fermé hatte man ins Sportforum des kurz zuvor wieder zurückbenannten Chemnitz gelegt. Von da aus ging es an den beiden Fahrtagen jeweils per Verbindungsetappe nach Zschopau. Die eigentliche Runde begann dann an der "Neuen Heimat". Diese war rund 80 Kilometer lang und musste pro Tag drei Mal absolviert werden - am Sonntag dann in umgekehrter Richtung zum Vortag. Das Wetter meinte es leider nicht besonders gut mit den insgesamt 236 Fahrern aus 16 Ländern sowie wohlwollend geschätzten 100.000 Zuschauern. Am zweiten Fahrtag ergoss sich sogar Dauerregen über dem Erzgebirge, was der Stimmung jedoch kaum etwas anhaben konnte.

Erster und zugleich letzter Weltmeister aus der DDR

In der kleinsten Hubraumklasse, bis 80 ccm, gewann der Suhler Thomas Bieberbach beide Tage, was nur ihm an diesem Wochenende gelingen sollte. Damit war der Simson-Werksfahrer auch der hochverdiente Gesamtsieger. Am Saisonende hatte er sogar die meisten WM-Punkte auf dem Konto und wurde damit erster und einziger Enduro-Weltmeister aus der DDR. Dies ist bis heute auch keinem anderen Deutschen gelungen. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass in den Jahren zuvor, als die EM das höchste Prädikat war, sehr wohl ost- und auch westdeutsche Fahrer Titel gewannen. Ein Teil davon spielte auch bei der 36. Motorradgeländefahrt "Rund um die MZ-Stadt Zschopau" im Jahr 1990 wieder eine Hauptrolle.

Heimvorteil genutzt

In der Klasse bis 125 ccm gewann der Brite Paul Edmondson den ersten Fahrtag und der Italiener Stefano Passeri den zweiten. Beide hatten am jeweils anderen Tag etwas Pech und landeten nur auf dem fünften Rang. Den Gesamtsieg feierte allerdings Paul Edmondson.

Bei den 250ern teilten sich der Finne Kari Tianinen und der Schwede Kent Karlsson die Tagessiege, wobei hier der Sieger des zweiten Tages die kombinierte Wertung für sich entschied. Der Erzgebirger Mike Heydenreich wurde am ersten Tag starker Dritter sowie in der Endabrechnung Gesamtsechster. Damit war er der beste Lokalmatador. Harald Sturm und Mike Sydow belegten im Gesamtklassement die Ränge neun bzw. 18.

In der Halbliterklasse holten sich der Italiener Giorgio Grasso und der Schwede Sven-Erik Jönsson die Tagessiege und landeten ansonsten nicht im Vorderfeld. Für Sven-Erik Jönnson reichte es dennoch zum Gesamtsieg vor seinem Landsmann Peter Hansson. Mit maximaler Konstanz belegten Jens Grüner und Uwe Weber am Samstag und am Sonntag sowie letztendlich in der Wertung über beide Fahrtage den dritten bzw. vierten Rang.

Viertes WM-Gastspiel im Oktober

Richtig große Erfolge gab es für die Einheimischen in den beiden Viertaktklassen zu feiern. In der Hubraumkategorie bis 350 ccm Viertakt gewann Jens Scheffler an Tag eins. Tags darauf musste er nur dem Schweden Hakan Lundberg den Vortritt lassen. In der Endabrechnung hatte dann aber doch wieder Jens Scheffler die Nase vorn.

Die gleichen Ergebnisse erzielte Andreas Cyffka in der Klasse über 500 ccm Viertakt. Sieg am ersten Fahrtag und Platz zwei hinter Jimmie Eriksson, ebenfalls aus Schweden, am zweiten, womit auch er unterm Strich die Nase vorn hatte.

Danach kam die Weltelite 2004 und 2017 zum Kampf, um WM-Punkte erneut nach Zschopau zu holen. Das vierte WM-Gastspiel hat man in diesem Jahr vom 16. bis 18. Oktober nach wie vor im Visier.

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