Ich sehe was, was du nicht siehst ...

Wort zum Sonntag

Das ist nicht nur ein Ratespiel. Das ist auch eine Tatsache im wirklichen Leben. Denn unterschiedliche Menschen haben für unterschiedliche Dinge einen besonderen Blick. Der eine erkennt z.B. sofort, wenn ein neuer Straßenbahntyp durch die Stadt fährt. Einem anderen fällt so was überhaupt nicht auf. Dafür hat der längst die ersten Frühlingsblüher entdeckt, für die wiederum jemand anderes kein Auge hat. Die Welt ist eben größer als der individuelle Blickwinkel eines einzelnen Menschen. Und Gott? Er sieht was, was wir nicht sehen. Er sieht mehr, als wir erkennen können. Er hat einen weiteren Blick. Und im weiten Blick Gottes, in seinem Überblick, sind wir Menschen alle mit drin. Dabei bleibt er nicht bei den Äußerlichkeiten hängen: "Ein Mensch sieht was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an", heißt es in der Bibel. Deshalb müssen wir uns nicht vom Himmel aus auf Schritt und Tritt argwöhnisch beobachtet fühlen. Wir können aber trotz unserer Fragen und Klagen in dem Bewusstsein leben, dass jeder und jede einzelne bei Gott bekannt und von Gott anerkannt ist. Wir können darauf vertrauen, dass der "himmlische Vater" ein gutes Auge auf uns hat.

Stephan Brenner, Pfarrer