"Ikone, Eiskönigin, Legende"

Menschen Jutta Müller schrieb Chemnitzer Sportgeschichte und ist nun 90 Jahre alt

Die Umschreibungen für Jutta Müller sind vielfältig: "Ikone", "Legende", "Grande Dame des Eiskunstlaufes" und vieles mehr hörte und las man kürzlich in den Medien, die sich anlässlich des 90. Geburtstages in umfangreichen Beiträgen von der weltbesten Eislauftrainerin berichteten. "Die Eiskönigin aus Chemnitz" heißt der MDR-Film, der sie und ihren Lebensweg eindrucksvoll porträtiert. Keine der Beschreibungen übertreibt, denn das was Jutta Müller in ihrer langen Trainerkarriere erreichte, genießt in diesem Sport Alleinstellungsmerkmal.

Die 1928 geborene Chemnitzerin gewann 1949 die DDR-Meisterschaft im Paarlauf mit Irene Salzmann. Doch als Trainerin startete Jutta Müller ab Mitte der 1950er-Jahre eine Karriere, die seinesgleichen sucht. "Ich war sehr ehrgeizig und konnte das auf die Sportler wohl sehr gut übertragen", sagte die 90-Jährige kürzlich. Die grandiosen Erfolge ihrer Schützlinge haben sich nicht nur in das Gedächtnis eingebrannt, sondern sind Teil einer beeindruckenden Karl-Marx-Städter Eiskunstlaufära. Tochter Gaby Seyfert holte 1968 in Grenoble Olympiasilber, wurde zweimal Weltmeisterin und holte zwei Titel bei Europameisterschaften.

"Ich hatte nie Heimweh, da meine Mutti ja immer dabei war", blickt die heute 70-Jährige schmunzelnd auf die langen, erfolgreichen Jahre als "Tochter der Trainerin" zurück. Nahezu nahtlos schlitterte Anett Pötzsch unter Jutta Müllers Fittichen zu sportlichem Weltruhm. "Ich habe nicht nur Frau Müller, sondern auch Gaby Seyfert verehrt. Ich war ziemlich ehrgeizig und wollte besser sein als sie", erinnert sie sich. Anett Pötzsch, die heute am Olympiastützpunkt Mannheim als Trainerin arbeitet, stieg 1980 als Krönung ihrer Laufbahn auf das Goldtreppchen bei den Olympischen Spielen in Lake Placid. Jutta Müller, die ihren Lebensmittelpunkt bis nach der Wende in den Eissportkomplex am Küchwald verlagert hatte, kehrte gemeinsam mit Anett Pötzsch vor Kurzem zurück in die Trainingshalle. Mit ihnen Katarina Witt, die mit zwei Olympiasiegen und vielen internationalen Trophäen zum letzten großen Weltstar von Jutta Müller wurde. "Für mich ist sie ein Stück meiner Familie, weil sie seit meinem neunten Lebensjahr ein Teil meines Lebens ist", sagt Katarina Witt auch viele Jahre nach der aktiven, gemeinsamen Zeit von ganzem Herzen. Und auch Schützlinge wie der Olympiazweite von 1980 Jan Hoffmann und Europameisterin Evelyn Großmann (heute Klaudt) verehren die lebende Trainerlegende. 2008 wurde Jutta Müller die Ehrenbürgerwürde der Stadt Chemnitz verliehen, ihr Trainerzimmer in der Halle im Küchwald wird im Originalzustand in Ehren gehalten.