In Chemnitz gibt's gar kein Bauhaus

Architektur Gästeführerin räumt mit falschen Erwartungen auf

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Gästeführerin Grit Linke vor dem Hotel Chemnitzer Hof, einem Bau der Klassischen Moderne. Eine Führung durch das Haus gibt es am 21. Februar. Foto: Steffi Hofmann

Architektonisch haben einige Leute von Chemnitz bestimmte Vorstellungen im Kopf - der Kaßberg sei das größte Jugendstilviertel Europas oder die "Stadt der Moderne" heißt so, weil sie viel Bauhaus-Architektur bietet. "Der Kaßberg ist ein Gründerzeitviertel mit Jugendstilelementen an einigen Fassaden. Aber für den Titel größtes Jugendstilviertel Europas reicht das nicht", klärt Gästeführerin Grit Linke auf.

Und was ist mit Bauhaus? In diesem Jahr wird der 100. Geburtstag dieses Baustils gefeiert. Da müsste doch Chemnitz als "Stadt der Moderne" eine wichtige Rolle spielen? Grit Linke hat dafür Archive und Wissenschaftler in Dessau, Berlin und Weimar angeschrieben. Aus Dessau, quasi dem geistigen Zentrum des Architekturstils, kam folgende Antwort: "Als Bauhaus-Bauten werden die Bauten bezeichnet, die in der Zeit von 1919 bis 1933 von Studierenden, Lehrenden oder Architekten des Bauhauses geplant wurden." Das bedeutet: Um echte Bauhaus-Gebäude handelt es sich per Definition nur, wenn sie Lehrer oder Schüler der Kunstschule entworfen haben.

Typsche Bauhaus-Charakteristika

Doch an Formschönheit und Eleganz stehen die Feistel Villa, das AOK-Gebäude, das Stadtbad und das Schocken-Kaufhaus - um nur einige Chemnitzer zu nennen - den Dessauer Meisterhäusern und des dort errichteten Schulbaus von Walter Gropius in nichts nach. Das findet auch Grit Linke. Die Chemnitzer Gebäude der Moderne zeigen typische Bauhaus-Charakteristika wie klare Linien und Transparenz in einer einzigartigen Art und Weise. Die Arbeiten von Architekten wie Erich Mendelsohn (Schocken), Fred Otto (Stadtbad) und Curt am Ende (AOK-Gebäude) seien wichtige Wahrzeichen der Moderne, zu der auch das Bauhaus zählt.

Weitere Informationen zum Thema gibt es in diesem Monat: Am 17. Februar um 14 Uhr beginnt ein Vortrag zu Bauten der Klassischen Moderne. Treffpunkt ist der Projektraum "All in" im Rosenhof 14. Am 21. Februar startet um 17 Uhr am Theaterplatz 4 ein Rundgang zum Hotel "Chemnitzer Hof" - ein Bau der Klassischen Moderne. Anmeldungen hierfür unter 0176/23402724.