In Gedanken bei der Familie - ein Chemnitzer Flüchtlingsschicksal

Asyl Syrer möchte Angehörige aus Türkei nach Deutschland holen

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Nur über das Mobiltelefon kann Ahmad Khaled Fotos von seiner Familie anschauen. Foto: Daniel Stollberg

Es ist eine Geschichte, die man wohl allein in Chemnitz viele dutzend Male erzählen könnte. Allerdings mit der Besonderheit einer recht ungewöhnlichen Freundschaft: Ahmad Khaled ist 35 Jahre alt und kommt aus dem syrischen Aleppo. Also der Großstadt, die mit am meisten unter dem jahrelangen Krieg in dem vorderasiatischen Land litt und immer noch leidet.

Ahmad und seine Familie flohen vor circa vier Jahren in die Türkei. Dort arbeitete der gelernte Schuster zwar, doch reichten die Mittel für die mittlerweile vier Kinder und seine Frau vorne und hinten nicht. So entschied er sich nach zwei Jahren zu der gefährlichen Bootsfahrt an die griechische Küste. Von dort ging es weiter bis nach Chemnitz. Das war vor gut anderthalb Jahren.

Mit Optimismus und Unterstützung aus Chemnitz

Seitdem versucht Ahmad, seine Familie in die neue Heimat nachzuholen. Doch das kostet nicht nur viel Zeit und Nerven, sondern auch Geld. Ganz abgesehen von der Schwierigkeit, Anträge und Formulare auf Deutsch richtig zu verstehen und zu bearbeiten.

Unerwartete Hilfe bekam Ahmad hierfür von seiner ehemaligen Nachbarin, Simone Lehm. Sie war nach dem Tod ihres Mannes froh über die Hilfe beim notwendig gewordenen Umzug und Ahmad freute sich, dass sie ihm bei Übersetzungen half. So wurde mit viel Aufwand gemeinsam der Antrag auf Familiennachzug nebst aller nötigen Papiere fertiggestellt.

"Ich hatte ja vorher keine Ahnung von all dem und musste mich überall einarbeiten. Das Ausländerbüro und die Hilfsorganisationen machen wirklich eine gute Arbeit, aber im Moment kommen wir einfach nicht weiter", beschreibt Lehm das Problem.

Die Formulare müssten von der Türkei nach Deutschland und nach der Bearbeitung wieder zurück. Das dauert und der Ausgang ist nicht sicher. Währenddessen warten Frau und Kinder, zwei davon sehr krank, in einer Art Rohbau ohne Fenster unter einem Aluminiumdach in der Türkei auf positive Nachrichten.