Intercity-Anbindung - Bald auch in Chemnitz?

Infrastruktur Vor Elektrifizierung der Strecken ist nicht mit einer Verbesserung zu rechnen

Foto: Harry Härtel

Bereits Ende Februar gab das thüringische Verkehrsministerium bekannt, dass Gera noch im Dezember dieses Jahres wieder an das IC-Netz angebunden wird. Dann fahren von Kassel aus täglich Intercity-Züge in die drittgrößte Stadt Thüringens. Laut der zuständigen Ministerin Birgit Keller sei die Anbindung das Ergebnis eines intensiven Einsatzes bei der Deutschen Bahn.

Wie sieht die Situation in Chemnitz aus?

Auch in Chemnitz hofft man seit längerem auf eine Anbindung an das Intercity-Netz. Denn seit der Verkürzung der Regionalexpress-Linie aus Göttingen 2011 gibt es keine durchgehende Verbindung zwischen Thüringen und Chemnitz mehr. Damit ist die Stadt der Moderne auch eine der wenigen ihrer Größe, die nicht an den Fernverkehr angeschlossen ist.

Wie der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Robert Gruner, auf BLICK-Anfrage mitteilte, sei die IC-Anbindung allerdings "das wichtigste Projekt für Stadt und Region". Vor allem für die Attraktivität von Chemnitz für Unternehmer, Touristen und Pendler aber auch für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 sei dieses Vorhaben von großer Bedeutung. Gruner sagte weiter, dass in der Vergangenheit bereits Gespräche stattgefunden hätten, um Chemnitz wieder an das Fernverkehrsnetz anzuschließen. Bisher konnte die Stadt bei den Verhandlungen keinen Durchbruch erzielen. Denn bei der Bahn ist zu mindestens von einer kurzfristigen Anbindung von Chemnitz immer noch keine Rede.

Elektrifizierung der Strecke geplant

In einer Pressemitteilung im November vergangenen Jahres kündigte die Bahn allerdings eine mittelfristige Verbesserung der Anbindung von Chemnitz an: Unmittelbar nach der Elektrifizierung der Strecke zwischen Weimar und Gößnitz soll auch die drittgrößte sächsische Stadt einen Anschluss an das Fernverkehrsnetz erhalten. Laut thüringischem Verkehrsministerium wird mit den Planungen dafür noch in diesem Jahr begonnen. Diese könnte dann voraussichtlich 2025 in Betrieb genommen werden.

Auch über die geplante Elektrifizierung der Strecke nach Leipzig erhofft sich die Stadt eine Optimierung der Situation. Da diese in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden soll, rechnet Robert Gruner von der Stadt Chemnitz mit einem baldigen Lösungspaket für die IC-Anbindung von Bund, Land und Verkehrsverbund.

Grünen-Politiker übt Kritik an Verantwortlichen

Während in Thüringen das Ziel einer besseren IC-Anbindung bereits verwirklicht wurde, übt der sächsische Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn Kritik an den mangelnden Bemühungen der Landesregierung: "Verkehrsminister Dulig hätte längst die Chance ergreifen müssen, mit dem seit längerem geplanten IC auf der Mitte-Deutschland-Verbindung endlich wieder umsteigefreie Verbindungen zwischen Ostthüringen und Südwestsachsen zu schaffen und auf diese Weise Chemnitz im Fernverkehr anzubinden. Sachsen muss ähnlich wie Thüringen bereit sein, dafür auch Mittel aus dem Landeshaushalt einzusetzen." sagte er Ende Februar in einer Pressemitteilung.

Er forderte Verkehrsminister Dulig und die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig außerdem dazu auf, die Verhandlungen über eine Verlängerung der Strecke bis nach Chemnitz umgehend wieder aufzunehmen.