Irrglaube: Bürojob schützt vor Berufsunfähigkeit

Als Büroangestellter hört man oft die Meinung, dass im Büro ja kaum etwas passieren könne. Das größte Risiko sei vielleicht, beim Kaffee holen über ein Kabel zu stolpern. Und selbst wenn man im Rollstuhl säße, könnte man ja weiter am Computer arbeiten. Jedoch liegt hier ein gefährlicher Irrtum zugrunde, denn eine Berufsunfähigkeit wird zumeist gar nicht durch einen Arbeitsunfall o.ä. ausgelöst!

Ursachen einer Berufsunfähigkeit

Das unabhängige Analysehaus MORGEN & MORGEN veröffentlicht jährlich eine Übersicht über die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit.

Laut der aktuellsten Auswertung aus dem Jahr 2024 ist jede dritte Berufsunfähigkeit auf eine Nervenkrankheit zurückzuführen. Im Jahr 2010 waren es noch weniger als ein Viertel.

Besonders Büroangestellte sind anfällig für Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen. Diese und andere unvorhersehbare psychische Erkrankungen sind gerade in einem Bürojob häufig die Ursachen, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können.

Krebserkrankungen und andere bösartige Tumore machen circa 17 % der Berufsunfähigkeitsfälle aus. Diese können ebenfalls jeden, also auch Büroangestellte treffen. Der Anteil dieser Krankheiten an der Anzahl der Berufsunfähigkeiten insgesamt, ist leider in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen. Mit diesen oder ähnlichen Krankheiten einhergehend, sind oft langwierige Therapien, welche für den Patienten eine sehr große Belastung darstellen und oft sind diese Patienten über sehr lange Zeit krankgeschrieben und fallen nach noch längerer Krankschreibung oft sogar aus der Krankengeldvergütung heraus und stehen in diesem Moment, wo sie eigentlich gerade jede Hilfe benötigen könnten, manchmal sogar fast ohne Bezüge da.

Krankheiten verursachen 70 % der Berufsunfähigkeiten

Krankheiten sind nicht vorhersehbar und können ganz unabhängig vom Berufsbild auftreten. Sie sind für 70 % aller Berufsunfähigkeiten verantwortlich. Berufstätige sollten unter diesem Gesichtspunkt, unabhängig ihrer beruflichen Tätigkeit, immer auch Ihre individuelle Lebenssituation als Basis einer Überlegung über eine Sinnhaftigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung im Fokus haben. Auch wenn Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates häufig Menschen in physisch anspruchsvollen Berufen betreffen, kann langes Sitzen im Büro zum Beispiel die Rückengesundheit beeinträchtigen. Dies kann ebenfalls zu einer Berufsunfähigkeit führen. Das Problem tritt besonders häufig auf, wenn bei einer Tätigkeit im Büro kein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz den Körper des Mitarbeiter unterstützt.

Ohne jede Vorwarnung, ändert ein medizinischer Notfall einfach alles. Bildquelle: H. Fabregas via pixabay

Unfälle geschehen oft abseits des Arbeitsplatzes

Unfälle sind zwar nur für etwa 7 % der Fälle von Berufsunfähigkeit verantwortlich, doch selbst ein Unfall in der Freizeit kann dazu führen, den Beruf nicht mehr ausüben zu können. Daher besteht auch ohne gefährliche Arbeitsbedingungen immer ein gewisses Restrisiko. Laut Statistiken der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ereignen sich in Deutschland pro Jahr rund 5,7 Millionen Unfälle in Heim und Freizeit.

Unfälle passieren unerwartet. Bildquelle: Nima Aksoy via Pexels.

Herausforderungen bei Vorerkrankungen

Es ist anzunehmen, dass sich Versicherungen über die Risiken psychischer Erkrankungen, als Ursache für eine Berufsunfähigkeit, absolut bewusst sind. Deshalb könnte es sich als schwierig erweisen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, wenn bereits eine relevante psychische Vorerkrankung besteht. Sogar eine kurze Behandlung beim Psychologen könnte dazu führen, dass Versicherer solch einen Antrag ablehnen könnten - es sei denn, die Erkrankung liegt innerhalb eines bestimmten Abfragezeitraums der Gesundheitsfragen (meist 5 oder 10 Jahre) deutlich zurück.

Staatliche Absicherung

Auch unser Staat unterstützt Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist eine finanzielle Absicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten können. Diese wird nicht automatisch gewährt, sondern ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Anspruch hat grundsätzlich nur, wer mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und in den letzten fünf Jahren vor Antragstellung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge geleistet hat. Außerdem muss die Erwerbsfähigkeit dauerhaft oder für einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) stark eingeschränkt sein. Eine Erwerbsminderungsrente deckt oft nur einen Teil des früheren Einkommens ab, weshalb es für viele Menschen bestimmt eine Überlegung wert wäre, zusätzlich private Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Der Gedanke, dass Büroangestellte ein geringeres Risiko in Bezug auf eine mögliche Berufsunfähigkeit haben, ist eher trügerisch. Diverse gesundheitliche Risiken wie Rückenprobleme durch langes Sitzen oder schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs können genauso bei Berufstätigen im Büro dazu führen, ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können.

Eigentlich ist es heute, auf Grund der im Artikel auch schon beschriebenen, recht geringen Bezüge, die man bei Ausfall der eigenen Arbeitskraft, durch die staatliche Rentenversicherung zu erwarten hätte, allein schon gegenüber den eigenen Familienmitgliedern eher verpflichtend, sich in irgend einer Form selbst mit abzusichern. Es gibt im Übrigen neben der recht bekannten Variante einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch noch einige andere Optionen, sich abzusichern, welche nicht für alle Berufsgruppen gleich aussehen, doch dies sollte man am besten einmal mit seinem Versicherungsmakler ausloten.

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