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Justin Sonder: Trauerfeier wird im Internet übertragen

Ehrenbürger Sonder berichtete über Gräueltaten des NS-Regimes

Am morgigen Freitag, dem 11. Dezember, findet die Trauerfeier des Chemnitzer Ehrenbürgers Justin Sonder statt. Laut Medieninformationen erreichten viele Anfragen die Familie von Justin Sonder vor allem von jungen Menschen, daran teilzunehmen. Aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie darf die Trauerfeier nur im engsten Familienkreis stattfinden.

Live-Übertragung ab 13.30 Uhr

Daher überträgt die Stadt Chemnitz die Trauerfeier um 13.30 Uhr in einem Live-Stream auf der Internetseite www.chemnitz.de. Oberbürgermeister Sven Schulze: "Viele Menschen in Chemnitz trauern um den Ehrenbürger Justin Sonder. Als einer der letzten Überlebenden des Holocaust berichtete er den nachfolgenden Generationen von seinen Erlebnissen und den Gräueltaten des NS-Regimes. Hätten wir keine Corona-Pandemie, würden sicher unzählige Menschen von Justin Sonder Abschied nehmen und gemeinsam trauern."

Hintergrund: Justin Sonder - Zeitzeuge des Holocaust

Justin Sonder wurde am 18. Oktober 1925 in Chemnitz als Sohn einer Hausfrau und eines Kaufmanns und Weinvertreters geboren. Bereits in seiner Kindheit war er mit wachsendem Antisemitismus konfrontiert, erlebte in Chemnitz die Pogromnacht am 9. November 1938. Später erlernte den Beruf des Kochs und musste von Herbst 1941 bis Februar 1943 Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb in Chemnitz leisten. Am 27. Februar 1943 wurde Justin Sonder verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort überlebte er unvorstellbare Zustände, Hunger, Schläge, Zwangsarbeit und insgesamt 17 Selektionen. In mehreren Todesmärschen gelangte Justin Sonder schließlich im April 1945 ins fränkische Wetterfeld, wo er am 23. April 1945 durch die amerikanische Armee befreit wurde. Am 19. Juni 1945 kehrte Justin Sonder gemeinsam mit seinem Vater in seine Heimatstadt zurück, wo er seitdem lebte. Als mit Christian Wulff im Januar 2011 erstmals ein Bundespräsident in Auschwitz sprach, zählte Justin Sonder zu den Mitgliedern seiner Delegation. Im Jahr 2015 erhielt Justin Sonder die Ehrenmedaille des Internationalen Auschwitz-Komitees. Damit gehört der Chemnitzer zu weltweit rund 400 Ausgezeichneten. Die Ehrung wird an jene verliehen, die sich als Überlebende nach ihrer Zeit im Konzentrationslager nicht in Schweigen zurückgezogen, sondern ihre Stimme erhoben haben, um Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten.

Vorträge in Schulen berichten von seinen Erlebnissen

Seit 1997 absolvierte Justin Sonder insgesamt mehr als 500 Veranstaltungen mit Tausenden Schülerinnen und Schülern. In seinen Vorträgen erzählt Justin Sonder von grauenhaften Erlebnissen, erwähnt aber auch, wie ihm ein Chemnitzer Fleischermeister, Butterhändler und Friseur geholfen haben. Trotz des erlittenen Leids hatte er seine Mitmenschlichkeit nie verloren. Er brachte Schülerinnen und Schülern bei, Licht im Schatten zu sehen und Handlungsalternativen zu erkennen. Mit seinen Vorträgen über seine Zeit in Auschwitz machte er Geschichte lebendig und greifbar. Seine Botschaft an die Jüngeren ist damit umso beeindruckender: Die nachfolgenden Generationen, für die Frieden und Demokratie immer eine Selbstverständlichkeit schienen, müssen immer wieder aufs Neue dafür sorgen, dass sich ein Menschheitsverbrechen wie das des Nationalsozialismus nicht wiederholen kann.

Im Alter von 90 Jahren reiste Justin Sonder Anfang des Jahres 2016 nach Detmold, um im möglicherweise letzten großen Auschwitz-Prozess, in dem er auch als Nebenkläger auftrat, gegen einen ehemaligen Wachmann des Vernichtungslagers auszusagen. Mit seiner Aussage half er, für späte Gerechtigkeit zu sorgen.

Die Stadt Chemnitz verlieh am 21. April 2017 im Rahmen eines Festaktes die Ehrenbürgerschaft an Justin Sonder in Anerkennung seines unermüdlichen Engagements, mit dem er als einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden und als einer der letzten Zeitzeugen überhaupt die Erinnerung an die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes wachhält. Justin Sonder erhielt vorher, im Jahr 2008, den Ehrenpreis des Chemnitzer Friedenspreises.

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