Keine Ängste schüren

Interview mit Annett Warmschmidt, AIDS-Hilfe

Gestern wurde der Welt-AIDS-Tag zum 28. Mal begangen. Die AIDS-Hilfe Chemnitz ist mit 25 Jahren kaum jünger. Zum Jubiläum gibt es am 11. Dezember ab 20 Uhr ein Benefizkonzert im Weltecho. Die Einnahmen werden einem ukrainischen Aidshilfeprojekt und der Chemnitzer Flüchtlingshilfe gespendet. BLICK-Reporter Daniel Stollberg sprach mit Annett Warmschmidt, Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe Chemnitz, über ihre Arbeit.

Frau Warmschmidt, aktuell ist zu lesen, dass die Zahl der HIV-Infizierten in Chemnitz besonders hoch sein soll?

Wir liegen mit unseren Zahlen in Sachsen unverändert im Bundesdurchschnitt. Es ist schwierig, nur für Chemnitz eine Anzahl zu bestimmen. In einer Großstadt werden naturgemäß mehr Fälle registriert. Hier befinden sich die passenden Beratungsstellen und Ärzte. Die Leute werden nicht gefragt, woher sie kommen. Oft wollen sie auch ganz bewusst nicht zum Arzt in ihrem Heimatort.

Was beinhaltet Ihre tägliche Arbeit?

Wir beraten Betroffene, klären angehende Lehrer, Erzieher oder Pflegepersonal auf, vermitteln zu anderen Beratungsstellen und werden präventiv in Schulen oder Jugendklubs tätig. Dabei geht es nicht nur um HIV, sondern alles was mit sexueller Gesundheit zu tun hat. Wir sprechen über sexuelle Orientierung, Geschlechtskrankheiten oder was in der Pubertät mit dem Körper passiert. In letzter Zeit geben wir auch Aufklärungskurse für minderjährige Asylbewerber und bringen ihnen deutsche Gepflogenheiten näher. Das ist eine sehr spannende Arbeit.

Sie sprechen also über die Gefahren einer Krankheitsübertragung?

Das ist unsere Aufgabe. Wir wollen aber keine Ängste hervorrufen und vermitteln bewusst, dass eine Beziehung und Sexualität etwas Schönes sind.

Gibt es bestimmte Gruppen, die häufiger HIV-infiziert sind?

Menschen die Drogen intravenös konsumieren und benutztes Besteck von anderen verwenden. Auch homosexuelle Männer sind häufiger betroffen. Diese sind sich des erhöhten Risikos meist bewusst und deshalb oft sehr gut aufgeklärt. Sie lassen sich häufiger testen. Deshalb ist hier die Quote höher. Die Dunkelziffer bei Heterosexuellen wird dagegen als vergleichsweise hoch eingestuft.