Kinder in Not und die Geschichte von Lucas - Ein Bericht, der mir ans Herz ging

Ein Text über Kinder in Not – geschrieben als Redakteurin, gefühlt als Mensch, Mutter und ehemalige Erzieherin... In der Hoffnung, dass er bewegt und sich jemand findet, der sagt: „Ja, ich bin ein erster sicherer Hafen“...

Chemnitz

Ein Baby. Lucas. Sechs Monate alt. In einer Dezembernacht aus seinem Zuhause geholt – weil es dort nicht mehr sicher war. Aufgenommen von Menschen mit Herz, die sofort da waren. Und doch: alles war fremd. Alles war neu.

Aus Fakten wurde ein Gefühl

Diese Szene entstand vor meinem inneren Auge, als ich begann, aus einer sachlichen Pressemitteilung einen Bericht zu schreiben. Landratsamt Mittelsachsen. Thema: Bereitschaftspflege. Zahlen, Zuständigkeiten, Ansprechpartner. Eigentlich Alltag im Redaktionspostfach.

Doch dann blieb ich hängen. An einem Namen. Und an einem Satz, der mich atemlos machte: „Trotz sinkender Geburtenzahlen steigen die Meldungen von Kindeswohlgefährdungen.“

Ich las weiter – und plötzlich war ich nicht mehr nur Redakteurin. Ich war wieder Erzieherin. Mama. Ein Mensch, der zwischen nüchternen Zeilen das Weinen eines Kindes hörte. Ein Kind ohne Stimme. Ohne sicheren Ort.

Was wäre, wenn ich Lucas gesehen hätte?

Ich habe selbst über zwölf Jahre als Erzieherin gearbeitet, bevor ich Redakteurin wurde. Ich kenne viele Kindergesichter, die zu Erwachsenen aufblicken. Sehe die Liebe in dem Blick zu Mama und Papa. Sehe Hände, die nach Nähe suchen. Augen, in denen mehr Fragen stehen, als Worte fassen können.

Aber Lucas? Ich habe ihn nie gesehen. Es gab in dieser Pressemitteilung kein Foto, vermutlich aus Datenschutzgründen... Und doch war er da, in meinem Kopf. Ein sechs Monate altes Kind, das in einer Nacht sein Zuhause verliert – und bei fremden Menschen ankommt, die nicht fragen: Warum wir? Sondern einfach handeln.

Mein Wunsch war es, Lucas eine Stimme zu geben...

Ich konnte nicht anders. Ich habe den Text umgeschrieben. (Link zum Beitrag hier) Habe ihn neu erzählt – aus seiner Sicht. Aus der Sicht eines kleinen Menschen, der keine Stimme hat, aber so viel zu sagen hätte, wenn wir genau hinsehen. Und um ihm auch ein Gesicht zu geben, suchte ich passende Symbolfotos raus... so ging es noch näher ans Herz...

„Hier darf ich sicher schlafen …“ – und ich weine beim Schreiben

Es gibt Sätze, die schreibt man nicht mit dem Kopf. Sie entstehen irgendwo dazwischen – zwischen Mitgefühl und Hoffnung.

Als ich „Hier darf ich sicher schlafen“ tippte, spürte ich Tränen aufsteigen...

Ich dachte an all die – meist behüteten – Kinder, die ich in meiner Zeit als Erzieherin gesehen und begleitet habe. Manche still. Manche laut. Alle voller Vertrauen in das Leben.

Schutzlos. Ausgeliefert. Welch ein Start.

Und dann dachte ich an die anderen. Die, für die es keinen sicheren Raum gibt. Die vielleicht nie erfahren, wie sich echte Geborgenheit anfühlt. Schutzlos ausgeliefert... In ein Leben mit solch schweren Start...

Die Tränen in den Augen ließen die Zeilen auf dem Bildschirm verschwimmen.

Ich stand auf, holte mir einen Kaffee und schaute eine Weile einfach nur aus dem Fenster – um mich wieder zu fangen.

Der Wunsch zu helfen

Es war nicht geplant, dass mich dieser Text so tief bewegt. Aber irgendwann, mitten im Schreiben, stieg er in mir auf: Der Wunsch, dass daraus etwas wächst.

Die Geschichte, die mehr ist als ein Text

Ich dachte an Jana und Heiko Moßig – Bereitschaftspflegeeltern, die mit über 60 noch sagen: „Wir machen weiter, solange es geht.“

Ich wollte, dass man ihre Geschichte nicht nur liest. Sondern spürt. Und vielleicht sogar nachlebt.

Ein einziger Mensch genügt

Wenn nur einer, den ich mit diesen Zeilen erreiche, den Mut findet zu helfen – dann verändert das vielleicht nicht die Welt. Aber es kann für eine ausgelieferte Kinderseele der erste sichere Hafen sein.

Jenseits von Reichweite und Klickzahlen

Ich weiß, dass wir in der Redaktion oft über Reichweite, Klickzahlen und Veröffentlichungspläne sprechen. Aber manchmal zählt nur eines: Dass ein einziger Mensch sagt: „Ja.“

Ja zur Bereitschaftspflege. Ja dazu, ein sicherer Ort zu sein.

Und wenn das geschieht?

Was wäre, wenn genau das passiert? Wenn jemand diesen Text liest – und damit den ersten Schritt für ein Kind macht, das gerade alles verloren hat?

Dann hätte sich jede Träne gelohnt, die ich beim Schreiben nicht zurückhalten konnte.

Ein Bericht, der keiner mehr war

Dieser Beitrag über...

... ein Baby. Lucas. Sechs Monate alt. In einer Dezembernacht aus seinem Zuhause geholt – weil es dort nicht mehr sicher war...

... wurde zu etwas anderem: Zu einem stillen Versuch, Nähe herzustellen. Zu einer Brücke zwischen einem Kind, das niemand sieht – und Menschen, die vielleicht nie geahnt hätten, dass sie gebraucht werden.

Ich habe ihn mit allem geschrieben, was ich als Mensch mit großen Herzen fühle, und mit allem, was ich als Erzieherin nie verlernt habe: Hinsehen. Zuhören. Spüren....

Anlaufstellen und Informationen rund ums Thema

Das Jugendamt Mittelsachsen sucht fortlaufend Familien, Paare oder Einzelpersonen, die sich vorstellen können, ein Pflegekind aufzunehmen - in der Bereitschafts- oder Dauerpflege.

Infoabende:

5. Februar, Landratsamt Mittweida, 17 Uhr, Zimmer 503
21. April, Landratsamt Döbeln, 17 Uhr, Zimmer 304
11. Juni, Landratsamt Freiberg, 17 Uhr, Zimmer 003
Pflegekinderdienst: 03731 799-6497 oder -6290
Mehr Infos unter [email protected]

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