Kinder übernehmen das Kommando

Bildung Kita "Pampelmuse" hat neben einer Verfassung auch einen Kinderrat

Der Chemnitzer AWO-Kindergarten "Pampelmuse" hat sich eine eigene Verfassung gegeben. An der haben neben Eltern und Erziehern auch die Kinder selbst mitgewirkt. Ihnen wird nun das festgeschriebene Recht auf Mitbestimmung garantiert. Es gilt beispielsweise bei der Ausgestaltung der Hausregeln, der Spielzimmer und des Essensangebotes. Herrscht nun bald ein heilloses Durcheinander in der Kita und stehen nur noch abwechselnd Milchreis und Nudeln auf dem Speiseplan? Boris Kaiser, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins für den musischen Kindergarten Chemnitz, meint dazu, dass es natürlich Grenzen der Mitbestimmung gibt und diese auch schriftlich festgehalten wurden. Der Speiseplan an sich kann außerdem nicht beeinflusst werden. Aber die Kinder können aus dem Tagesangebot wählen, was und wie viel sie essen wollen. "Es muss niemand mehr essen als er möchte", sagt Kaiser. Ähnliches gilt hinsichtlich des Mittagsschlafes. Die Kita bietet Schlaf-, Entspannungs- und Wachgruppen und die Kinder entscheiden selber, wo sie sich am wohlsten fühlen.

Das achtseitige Verfassungswerk soll nun weiter mit Leben gefüllt werden. Dazu hat sich als erster Schritt ein Kinderrat gebildet. Wer sich zu dessen Wahl aufstellte, stand allen Kindern frei. Zu Kaisers Überraschung wurden auch kleinere Kinder gewählt. Die acht "Räte" vertreten alle Gruppen der Kita und sind drei bis sechs Jahre alt. Sie bringen die Meinung ihrer Gruppen zu Themen wie neues Spielzeug, Angebot für anstehende Feste oder das Aussehen des Gartens in den Rat ein.

Insgesamt dauerte es gute eineinhalb Jahre bis zur endgültigen Fertigstellung der Verfassung. Anderen Kindergärten empfiehlt Kaiser nicht, diese einfach abzuschreiben. "Der demokratische Prozess bis zur Verfassung war das spannendste. Die Kinder sollten auch lernen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und das Kompromisse gefunden werden müssen."