Ganz gleich, ob sich der Garten direkt am Haus oder rund um die Datsche am Stadtrand befindet, private Gärten tragen nicht nur zu Gesundheit, Wohlbefinden und Biodiversität bei, sie leisten auch einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung des lokalen Klimas. Vor allem im Sinne der Luftreinheit und der Reduzierung von sommerlicher Hitze gilt es jedoch, den Grünflächenanteil in der Zukunft weiter zu erhöhen - in den größeren Städten ebenso wie im ländlichen Bereich.
Wie grün ist Sachsen wirklich?
Grünanlagen gibt es überall - doch auch im Freistaat sind sie nicht gleichmäßig verteilt. So gilt die Landeshauptstadt Dresden mit einem Gesamtgrün-Anteil von 62 % der Stadtfläche als eine der grünsten Städte Europas. Allerdings entfallen davon nur 2,01 % auf öffentliche Grünflächen, während sich fast 60 % auf andere Bereiche wie Wälder und Privatgärten verteilen. In Chemnitz beträgt der Anteil öffentlicher Grünflächen 2,35 % und ist damit größer als in den anderen großen Städten Sachsens. Dennoch machen diese Bereiche nur einen Bruchteil der gesamten Stadtfläche aus. Somit sind private Gärten für das Klima in den Städten unverzichtbar - denn gerade im Hochsommer klettern die Temperaturen bekanntlich immer öfter an die 40-Grad-Marke heran. In Chemnitz kommen die rund 17.350 Kleingarten-Parzellen auf 2,83 % der Stadtfläche, haben im Vergleich zu den öffentlichen Grünanlagen also klar die Nase vorn.
Die Fläche privater Hausgärten wird statistisch nicht separat erfasst. Ihnen kommt aber nicht nur im Hinblick auf ihre Fläche, sondern auch auf die Verteilung im Stadtgebiet eine besondere Rolle zu. Es ist insgesamt betrachtet ein gigantischer Aufwand, den unsere Hobbygärtner da betreiben, was im Endeffekt auch tatsächlich allen Bewohnern der Stadt zu gute kommt. Diese fleißigen Menschen gehen mit viel Liebe, Akribie und sehr viel Fleiß ihre Gartenprojekte jedes Jahr auf ein Neues an. Wer keinen Garten hat, weiß oft gar nicht, was an einer Aufrechthaltung eines solchen grünen Kleinodes an Arbeiten über das Jahr verteilt, dranhängt. Beispielsweise sind einige Zwiebel- oder Knollenpflanzen in unseren Breiten den tiefen Temperaturen im Winter nicht gewachsen. Ein Gärtner gräbt zum Schutz der Pflanzen diese im Spätherbst alle aus der Erde, trocknet sie etwas, dann werden sie gut belüftet in Aufbewahrungsboxen oder Netzen beispielsweise im Keller bei 8-10°C eingelagert, um sie dann im Frühjahr alle wieder in die Erde zu bringen. Toll, dass es diese emsigen Menschen um uns so zahlreich gibt und wir alle ganz umsonst die Straßen in ständig wechselnden floralen Düften zu schwelgen, von dem Farbenmeer der blühenden Sträucher und Blumen ganz zu schweigen. In diesem Zusammenhang ist es ermutigend, zu lesen, dass man beispielsweise in Dresden sogar wieder Wartezeiten auf einen eigenen Garten zu haben scheint, wie die Sächsische Zeitung schrieb, wo man eine Zeit lang mal ganz andere Tendenzen vermuten musste. Das Kleingartensterben scheint somit erst einmal keine Schlagzeilen mehr zu machen.

Heiße Sommertage lassen sich gut im Schatten der Bäume verbringen. Bildquelle: paloma rodriguez via Pexels
Wie schon erwähnt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bewirtschaftung eines eigenen Garten viel Arbeit macht. Doch wer an einem heißen Sommertag einmal unter einer üppig grünen Kastanie entspannt hat, kennt die kühlende Wirkung der Bäume. Aufgrund der natürlichen erzeugten Verdunstungskühle setzen Biergärten deshalb lieber auf Bäume, als sich alleine auf schattenspendende Sonnenschirme zu verlassen. Auch im privaten Garten sind die Temperaturunterschiede zur Gluthitze in Großstädten merkbar. Auch im und am privaten Garten sind die Temperaturunterschiede spürbar: Im Durchschnitt ist es hier 2,5 °C kühler als in anderen Bereichen der Stadt. Wirklich spürbar wird der Effekt allerdings nur, wenn der Garten nicht alleine aus einem grünen Fußballrasen besteht. Besonders wird das auch beim Vergleich der Luftfilterleistung und der CO²-Speicherung deutlich: Während Rasen pro Quadratmeter und Jahr lediglich 0,5-1,5 kg CO² speichern kann, kommen Büsche auf 5-10 kg und Bäume sogar auf 15 kg.
Geht es um die Filterung der Umgebungsluft, liegt die Leistung von Büschen und Bäumen im Vergleich zum Rasen etwa beim drei- bis vierfachen Wert. In Summe können diese Pflanzen dadurch bis zu 40-50 % des Feinstaubs aus der Umgebungsluft absorbieren. Dass dazu Bäume, Sträucher und Stauden unter dem Strich noch weniger Arbeit machen und geringere Kosten verursachen, ist ein schöner Nebeneffekt.

Auch die Kleinen können in das Gärtnern einbezogen werden. Bildquelle: Anna Shvets via Pexels
Darüber hinaus leisten lebendige Gärten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Ohne Biodiversität würden wichtige natürliche Kreisläufe zusammenbrechen, was langfristig auch die Ernährung und Gesundheit der Menschen gefährdet. Jeder kann zur Förderung der Biodiversität beitragen und das nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon. Besonders gut für Bienen ist das Anpflanzen von Blütenpflanzen wie Lavendel, Wiesensalbei oder Sonnenhut. Diese Pflanzen haben viele Pollen und Nektar und sind daher bei den kleinen Brummern besonders beliebt. Für Schmetterlinge eignen sich Fetthenne, Sommerflieder (Schmetterlingsflieder) und Wilder Majoran, da sie reich blühen und leicht zugänglich sind. Für Vögel bieten heimische Gehölze wie Vogelbeere, Weißdorn oder Holunder wichtige Nahrungsquellen durch Beeren und einen sicheren Unterschlupf in dichtem Geäst.
Ein einzelner Garten kann das Klima und die Luftqualität nicht retten. Viele lebendige Gärten, Wälder, Parks und innovative Bebauungsweisen wie Dach- und Fassadenbegrünung können jedoch einen entscheidenden Unterschied machen.




