Kontroverses Ballett mit Altersfreigabe

Oper Jochen Ulrichs "Nussknacker und Mäusekönig" zeigt einen - auch sexuellen - Aufbruch

Freigegeben ab zehn Jahren - das war wohl doch ein bisschen zu gewagt: Diese Woche veränderten die Theater Chemnitz die Empfehlung auf "ab zwölf Jahren". Der Grund: Jochen Ulrichs Inszenierung von "Nussknacker und Mäusekönig" bietet Szenen, die für Kinderaugen nicht unbedingt geeignet sind. Sexuelle Überwältigung im Rhythmus der träumerischen Musik Tschaikowskis - durchaus streitbar wäre, ob Zwölfjährige das sehen sollten. Doch zumindest allen Erwachsenen wird sehr, sehr ansehnliches Handlungsballett geboten: Die Bühne im Stil einer überdimensionalen neapolitanischen Weihnachtskrippe erinnert optisch daran, dass wir uns der Weihnachtszeit nähern, Nussknacker, Soldaten, Puppen treten in konventionellen Kostümen auf, erst als die Mäusearmee antritt, wird es ästhetisch moderner, gewagter. Beinahe zweigeteilt wirkt deshalb die Inszenierung, was sich durch das Aufbrechen des Bühnenbilds - gleichsam auch für den Aufbruch der pubertierenden Marie aus dem Elternhaus stehend - verstärkt. Jenes Erwachsenwerden tanzt Agnes Schmetterer in ganz wunderbarer Weise: Sie wehrt sich gegen den Mäusekönig, liebt den Nussknacker, streitet mit den Eltern, bricht schließlich auf in die Welt. So ist das ganze zu empfehlen - auch ohne kindliche Begleitung.

Für den Nachwuchs gibt es ersatzweise "Nussknacker und Mäusekönig" in einer konzertanten Version: Zu Tschaikowskis Musik, gespielt von der Robert-Schumann-Philharmonie, liest dabei Andreas Kindschuh E.T.A. Hoffmanns Märchen - das nächste Mal am 29. November in der Annenschule.