Künstlerische Aufarbeitung

Theatertreffen "Unentdeckte Nachbarn" gestartet

Fünf Jahre ist es her, da wurde aus einer vermeintlichen Mordserie einer "Türken-Mafia" plötzlich eine rechtsterroristische Anschlagserie: Sprengstoffanschläge in Nürnberg und Köln, bewaffnete Raubüberfälle, vor allem aber der Mord an zehn Menschen wurden dem Nationalsozialistischen Untergrund zugeschrieben, der von Chemnitz und Zwickau aus zu seinen Taten aufbrach. Zwei Haupttäter, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, wurden nur mehr tot aufgefunden, Beate Zschäpe steht seit Mai 2013 im NSU-Prozess in München vor Gericht. Juristische Aufarbeitung dort, künstlerisch-politische hier: Seit dem gestrigen Dienstag läuft in Chemnitz das Theatertreffen "Unentdeckte Nachbarn", das Stücke rund um die Terroristengruppe versammelt. Vor allem die selten sichtbare Perspektive der betroffenen Opfer wird aber hier eingenommen. Das Chemnitzer Figurentheater beteiligt sich mit der Eigenproduktion "Beate Uwe Uwe Selfie Klick" der Autorin Gerhild Steinbuch, das die Unterstützungsstrukturen des NSU thematisiert. Die Uraufführung findet am heutigen Mittwoch statt, Karten gibt es aktuell aber nur noch für die Vorstellung kommende Woche (Donnerstag, 20 Uhr). Bereits vor der heutigen Premiere, ab 18 Uhr, wird im Schauspielhaus-Restaurant "Exil" die Frage diskutiert, wie sich ein zweiter NSU verhindern lässt. Weitere Veranstaltungen gibt es dann bis zum 11. November unter anderem am Donnerstag im "Lokomov", am Freitag im "Weltecho" und am Samstag im "Arthur". Besondere Aufmerksamkeit verdient das dokumentarische Theaterprojekt "Urteile" am Sonntag, 19.30 Uhr. Hier gastiert das Münchener Residenztheater auf der großen Bühne des Schauspielhauses - hier gibt es aktuell noch Karten. Neben weiteren Theaterstücken gibt es auch zahlreiche Workshops und Vorträge. Das volle Programm unter www.unentdeckte-nachbarn.de. vtz



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