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#Kulturgesichter: Das Schweigen muss ein Ende haben!

Aufschrei Deutschlandweite Kampagne hat auch Chemnitzer Ableger

Sicher ist vielen in den sozialen Medien oder auf der Straße bereits die Kampagne #Kulturgesichter über den Weg gelaufen. Unter dem Motto "Ohne uns ist's still" vereinigen sich derzeit deutschlandweit Kulturschaffende, um die Aufmerksamkeit auf die schwierige Lage einer ganzen Branche während der Pandemie zu lenken. Auch Chemnitz hat einen Ableger der Initiative gestartet und sich mit anderen Städten in Sachsen vereinigt. Thomas Kahl (Geschäftsführer der Produktionsfirma für TV, Konzerte & Festivals FOG Productions GmbH), Yvonne Preibisch (Mitarbeiterin der Chemnitzer Konzertagentur In Move GmbH) und Fotograf Maik Selbmann kuratieren die Kulturgesichter Chemnitz schon seit November.

"Kultur ist der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält."

Bereits über 150 Kulturgesichter - darunter VeranstalterInnen, MusikerInnen, KünstlerInnen, Konzertagenturen und TicketdienstleisterInnen, Venues, Clubs, TechnikerInnen, EventmanagerInnen, MessebauerInnen und technische DienstleisterInnen, Caterer, GrafikerInnen, DJs und EntertainerInnen - wurden bereits für die Kampagne in Chemnitz fotografiert. Damit wollen die Kuratoren die Kulturschaffenden "aus der Anonymität holen und sichtbar machen. Wir möchten die Zivilgesellschaft und vor allem auch die Politik für die Situation der Kulturbranche sensibilisieren, die auch schon vor Corona leider nicht immer die nötige Wertschätzung erfahren hat."

See the Unseen!

"Viele Chemnitzer Unternehmen sind bundesweit im Kultur- und Eventbereich im Einsatz, kaum eine Großveranstaltung in Deutschland wurde in der Vergangenheit ohne Chemnitzer Firmen und MitarbeiterInnen realisiert", erzählt Thomas Kahl und fügt hinzu: "Kunst und Kultur ist gesellschaftlich wichtiges und schützenswertes Gut - wir brauchen jetzt Lösungen seitens der Regierung, wie wir die Kultur erhalten und wie endlich wieder Veranstaltungen stattfinden können. Unsere Regierungsvertreter auf Stadt-, Länder- und Bundesebene müssen sich dringend für das Thema engagieren. Das Schweigen muss ein Ende haben. Und dieses Engagement muss nachhaltig sein, sonst heißt es nach der Krise schnell wieder: Die Kassen sind alle, wir müssen sparen. An Kultur darf man aber nicht sparen, Kultur ist der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält!"

Vor der Coronapandemie haben die Kuratoren selbst 365 Tage an, auf und für Konzerte, Festivals und Kulturveranstaltungen gearbeitet. Dabei sei die Branche sehr gut zwischen den Städten vernetzt. "Wir haben uns mit unseren Hamburger KollegInnen ausgetauscht, die eine der ersten Städte waren, welche die #Kulturgesichter-Initiative umgesetzt haben. Die Idee für die Umsetzung der Kampagne gab es schon länger, im November fiel dann letztendlich die Entscheidung, den Kulturhauptstadt-Slogan "See the Unseen" wörtlich zu nehmen und auch hier in Sachsen die Unsichtbaren dieser Branche sichtbar werden zu lassen", erzählt Kahl weiter.

"Das Schweigen muss ein Ende haben"

Wir wollten genauer wissen, wie der Alltag der Kulturschaffenden seit der Pandemie aussieht. "Die Branche steht vor dem Kollaps. Man muss sich vor Augen führen, dass die Kultur- & Veranstaltungswirtschaft seit mittlerweile einem Jahr einem Berufsverbot ausgesetzt ist. Im Gegensatz zu anderen betroffenen Branchen konnten wir trotz eigens entwickelter Hygienekonzepte unsere Tätigkeiten nicht wieder aufnehmen und somit auch keine üblichen Einnahmen verzeichnen. Es fehlt der Wille und die Gesprächsbereitschaft seitens der Politik, diese so vielfältige und bunte Kulturbranche zu unterstützen." Vielen Logistik- und Dienstleistungsunternehmen, aber auch den Klubs & Theatern, den DJs und KünstlerInnen gehe so langsam die Luft aus. Außerdem fehle derzeit jegliche Perspektive, wie die Kulturbranche 2021 überleben kann.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Kampagne wird den Lockdown zwar nicht verkürzen, aber sie ist ein wichtiger Schritt, um die Politik auf die Folgen der Krise der Kulturbranche aufmerksam zu machen und vielleicht Änderung zu erzielen. Immer mehr Kulturschaffende wollen sich der Kampagne anschließen. Das Interesse sei weiterhin groß. Eine weitere Fotosession in Chemnitz ist jedoch lockdownbedingt gerade nicht in Planung. Wer gern trotzdem teilnehmen möchte, kann sein oder ihr Foto jedoch auf der Webseite der Kulturgesichter Chemnitz in einer Art Maske hochladen.

Uns interessiert, wie es jetzt weiter geht. "Derzeit hängen wir die Kampagnenplakate bei vielen UnterstützerInnen aus dem Einzelhandel, Friseuren und in der Gastronomie auf. Ab Ende Februar läuft die Kampagne auf vielen Großplakaten und Leinwänden in der Innenstadt. Es laufen demnächst sachsenweit Radiospots, die auf unsere Situation aufmerksam machen. Wir haben die Kampagne sachsenweit als #kulturgesichtersachsen zusammengefasst und arbeiten bereits an weiteren Aktionen", erzählen die Kuratoren. Bleibt zu hoffen, dass die Politiker den Hilfeschrei nicht nur hören, sondern auch tatkräftige Änderung erwirken.